Bookbuildungverfahren

Kurz & einfach erklärt:

Bookbuildungverfahren verständlich & knapp definiert

Das Bookbuilding-Verfahren, auch Orderbuch-Verfahren, beschreibt ein spezielles Verfahren zur Platzierung von Wertpapieren. Es wird, beispielsweise im Rahmen des Börsenganges eines Unternehmens, eine Preisspanne vorgegeben, innerhalb welcher interessierte Investoren Zeichnungsangebote abgeben können. Nach Ablauf der Zeichnungsfrist wird entsprechend der Nachfrage entschieden, welcher Bieter die Wertpapiere zu welchem Emissionspreis erhält.

Das Bookbuilding-Verfahren (zu Deutsch Orderbuch-Verfahren) ist ein Emissionsverfahren, mit dessen Hilfe die Ausgabe von Wertpapieren vollzogen werden kann (auch Platzierung genannt). Das Bookbuilding-Verfahren wird von Unternehmen zur Preisbildung der Wertpapiere genutzt und stellt gegenwärtig die gängigste Variante der Emissionsverfahren dar.

Probleme der Preisermittlung und Ziel des Bookbuildings

Bei der Emission von Wertpapieren – besonders beim Börsengang eines Unternehmens – ist der Preis der auszugebenden Wertpapiere entscheidend für den Erfolg oder Misserfolg des Vorhabens. Traditionell wurde das Festpreisverfahren in Kooperation mit der die Emission begleitenden Bank beziehungsweise dem Emissionskonsortium angewandt.

Dabei wurde ein Preis unter Berücksichtigung diverser Faktoren, wie Unternehmensbewertungen, der Marktsituation oder die Marktbewertung vergleichbarer Unternehmen verhandelt.

Der festgelegte Ausgabepreis kann allerdings entsprechend der Marktnachfrage zu hoch (overpricing) oder zu niedrig (underpricing) gewählt sein. Dieses Problem wird in Deutschland heutzutage nahezu ausschließlich durch das Bookbuilding-Verfahren gelöst.

Ablauf des Bookbuildings

Das Bookbuilding-Verfahren gliedert sich in fünf sich teilweise zeitlich überlappende Phasen. Diese sind:


  • Wahl des Bookrunners
  • Pre-Marketing
  • Marketing
  • Bookbuilding
  • Kurstabilisierung


Bei der Wahl des Bookrunners wird ein Kreditinstitut ausgewählt, das das Bookbuilding begleitet und gemeinsam mit dem Emittenten durchführt. In der Pre-Marketing-Phase wird eine erste Preisspanne ermittelt, die sich aus Gesprächen mit Investoren auf sogenannten Road-Shows ergibt. Durch weitere Unternehmenspräsentationen und Einzelgesprächen in der Marketing-Phase wird dann anschließend die Preisspanne für die Zeichnung der Aktien bekanntgegeben und damit das Ordertaking (Sammeln der Zeichnungsaufträge) eröffnet.

Während der Zeichnungsfrist stellt der Bookrunner alle Zeichnungswünsche in einem Buch zusammen. Nach dem Bookbuilding, also dem Ende der Zeichnungsfrist, wird der Emissionspreis festgesetzt. Zuletzt folgt nach der durchgeführten Emission die Stabilisierung des Kurses.

Bookbuilding-Verfahren – Beispiel

Ein IT-Startup will einen Börsengang durchführen. Als Bookrunner wird das Kreditinstitut „Emissionsbank“ gewählt. Während der Pre-Marketing-Phase ergibt sich eine Preisspanne von 45€ bis 55€ pro Aktie. Die Zeichnungsfrist wird auf 2 Monate, festgesetzt. Nach dem Bookbuilding ergibt sich ein durchschnittlicher Aktienpreis von ca. 50€ zu dem die Wertpapiere dann beim Börsengang ausgegeben werden.

Vorteile des Bookbuilding-Verfahrens

Durch das Bookbuilding kann gezielt die Marktseite in die Preisbildung eingebunden werden und damit ein realistischer, flexibel ermittelter Ausgabepreis gewählt werden.

Bookbuilding – Definition & Erklärung – Zusammenfassung

  • Emissionsverfahren zur Preisfixierung von auszugebenden Wertpapieren
  • Marktnahe und flexible Methode der Emission von Aktien
  • Wird mit Hilfe eines Bookrunners (einer Bank) begleitet und durchgeführt
  • Begrenzt die Problematik des over- oder underpricings bei der Ausgabe von Aktien

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Themen: Börse

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