VWL Grundlagen

Die Volkswirtschaftslehre (VWL) ist eine Teildisziplin der Wirtschaftswissenschaften. Im Gegensatz zur Betriebswirtschaftslehre (BWL) befasst sich die VWL mit übergeordneten Zusammenhängen in der Wirtschaft und nicht mit unternehmensinternen Mechanismen. Staatsverschuldung, Arbeitslosigkeit, Inflation und Wirtschaftswachstum zählen zu den Hauptthemengebieten der Volkswirtschaftslehre.

Dabei versuchen die Volkswirte stets, bestimmte Muster und Gesetzmäßigkeiten zu erkennen und in mathematischen Modellen festzuhalten. Daraus lassen sich anschließend klare und praktische Handlungsempfehlungen etwa für die Wirtschaftspolitik ableiten.

Typische und aktuelle Fragestellungen der VWL

  • Ist das deutsche Rentensystem langfristig finanzierbar?
  • Können Wechselkurse von Währungen vorhergesagt werden?
  • Kostet die Globalisierung Arbeitsplätze?
  • Kann der Treibhausgaseffekt durch Ökosteuern reduziert werden?
  • Ist es möglich, Arbeitnehmer durch Lohnsteigerungen dauerhaft zu motivieren?

Was ist der Unterschied zwischen VWL und BWL?

Grundsätzlich gilt, dass beide Forschungsdisziplinen eng miteinander verknüpft sind. Ohne etwas über unternehmensinterne Prozesse zu wissen, können Volkswirte keine übergeordneten Zusammenhänge analysieren. Gleichzeitig können BWLer nicht isoliert und ohne Blick auf die gesamtwirtschaftliche Lage arbeiten. Die Unterschiede der Studienfächer lassen am besten sich anhand eines praktischen Beispiels verdeutlichen:

Angenommen, ein Unternehmen produziert Zigaretten. Aufgrund der Gesundheitsgefährdung entschließt sich der Staat dazu, eine Steuer auf Zigaretten zu erheben. Für Betriebswirte ist an dieser Stelle interessant, wie im Unternehmen auf das Gesetz reagiert wird. BWLer würden jetzt etwa neue Marktanalysen durchführen oder die Reaktion der Konkurrenz beobachten. Aber auch die Neustrukturierung der Produktion und die Durchführung von Rationalisierungsmaßnahmen zählen zu den Aufgaben der Betriebswirte.

Für Volkswirte sind diese unternehmensinternen Prozesse von untergeordnetem Interesse. Ein VWLer würde anhand der Zigarettensteuer vielmehr untersuchen, welchen Einfluss eine Steuer grundsätzlich auf Angebot und Nachfrage in einem Markt hat. Er würde etwa analysieren, um wie viel Prozent die Nachfrage nach Zigaretten bei der Einführung einer Tabaksteuer in Höhe von 1 Prozent sinkt. Zudem könnte überprüft werden, ob Konsumenten durch die Verteuerung der Zigaretten auf andere Produkte umsteigen oder die Preiserhöhung in Kauf nehmen.

Mikro und Makro – die Teilbereiche der Volkswirtschaftslehre

Im Bereich der VWL lässt sich zwischen Mikroökonomie und Makroökonomie unterscheiden. Auch hier gilt wieder, dass beide Bereiche miteinander verknüpft sind und die Teildisziplinen ohneeinander nicht bestehen könnten.

Mikroökonomie

Der Begriff „Mikro“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „klein“. Die Mikroökonomie befasst sich daher mit Beziehungen zwischen einzelnen Wirtschaftssubjekten, also insbesondere Unternehmen und Haushalten. Im Rahmen der sogenannten Spieltheorie wird etwa das Verhalten eines Unternehmens untersucht, wenn ein neuer Konzern in einen Markt Eintritt. Die Wissenschaftler interessiert dabei, ob das alte Unternehmen seine Preise senkt, die Qualität seiner Produkte verbessert oder sich aus dem Markt zurückzieht. Auch das Konsumverhalten eines Haushalts bei Erhöhung des Einkommens interessiert Mikroökonomen. Aus den Überlegungen der Mikroökonomie resultieren also Modelle über das Verhalten von einzelnen Wirtschaftssubjekten unter bestimmten Umständen. Zu den wichtigsten Themenbereichen der Mikroökonomie zählen:

Makroökonomie

Die Makroökonomie betrachtet die Wirtschaft auf einer aggregierten, also zusammengefassten, Ebene. Im Rahmen der Makroökonomie werden unter anderem Analysen des Zusammenhangs von Inflation und Arbeitslosigkeit durchgeführt. Auch die immer wieder viel thematisierte Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ist Thema der Makroökonomie. Wissenschaftlicher analysieren im Rahmen dessen, wie sich Leitzinssenkungen oder -erhöhungen der EZB auf das Wirtschaftswachstum auswirken. Es werden also gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge untersucht. Zu den wichtigsten Themenbereichen der Makroökonomie zählen:

  • Konjunkturtheorie
  • Geldtheorie
  • Außenwirtschaft


In den vergangenen Jahrzehnten sind zudem einige weitere Teilbereiche der VWL entstanden, die sich nicht eindeutig der Mikro- oder Makroökonomik zuteilen lassen. Am bedeutendsten dürften dabei die Finanzwissenschaft und die Wirtschaftspolitik sein. Beide Disziplinen beschäftigen sich eta mit den Fragen „Wie lässt sich ein Steuersystem optimal ausgestalten?“, „Welchen Einfluss haben staatliche Subventionen auf die Wirtschaft?“ oder „Wie können Einkommen und Vermögen (leistungs-)gerecht verteilt werden?“.

Arbeitsbereiche von Volkswirten

Volkswirte erkennen also wirtschaftliche Zusammenhänge und erklären, wie sich Haushalte oder Unternehmen in bestimmten Situationen verhalten. Dieses Wissen nutzen Volkswirte vor allem, um in politischen oder staatlichen Institutionen zu arbeiten. Klassische Berufsfelder sind daher:

  • Politik (Politiker, Mitarbeiter eines Politikers, Arbeit für eine Partei)
  • Verbände (Arbeitgeberverband, Gewerkschaften)
  • Staatliche Institutionen (Statistisches Bundesamt, EZB, Universitäten)
  • Privaten Forschungsinstituten (Ifo)
  • Versicherungen
  • Banken (insbesondere im Bereich Währungen und Aktienhandel)

Volkswirte werden zudem von großen Unternehmen beschäftigt. Dort haben sie die Aufgabe, bestimmte gesamtwirtschaftliche Entwicklungen zu analysieren und zu prognostizieren. Für Weltkonzerne ist das wichtig, wenn sie neue Märkte erschließen. Zusätzlich dazu können Volkswirte aber auch in BWL-Berufen tätig sein. Meistens sind sie etwa im Marketing, Verkauf oder der Organisation zu finden, wo ihnen ihre ökonomische Denkweise hilft.

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