Preisführerschaft

Kurz & einfach erklärt:

Preisführerschaft verständlich & knapp definiert

Wenn ein Anbieter in einem Oligopol (auch Teiloligopol oder -monopol) einer Preisänderung durchführt mit der Erwartung, dass die Konkurrenzanbieter seinem Beispiel folgen werden, hat er mit dieser Rolle die Preisführerschaft übernommen.

Die Preisführerschaft ist eine Verhaltensweise im Oligopol. Ein Preisführer ist ein Marktteilnehmer, der Preisveränderungen der Höhe und dem Zeitpunkt nach festlegt. Alle anderen Marktteilnehmer dieses Marktes ziehen als Preisfolger nach.

Ein sehr gutes Beispiel für Märkte, in denen eine Preisführerschaft angewendet wird, ist die Mineralölbranche. In dieser Branche ziehen alle Konkurrenten innerhalb kurzer Zeit mit ihren Preisen nach, wenn die Preisführerschaft den ersten Schritt gemacht hat.

Wie entsteht eine Preisführerschaft?


Die Preisführerschaft unterscheidet zwei verschiedene Arten. Aus diesem Grund kann eine Preisführerschaft auf verschiedenen Wegen zustande kommen:

  • Dominierende Preisführerschaft
    In einer dominierenden Preisführerschaft hat der Preisführer seinen Titel in der Regel aufgrund eines äußerst großen Marktanteils erworben, der ihm einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz bietet. Aber auch eine finanzielle Überlegenheit gegenüber der Konkurrenz oder eine Kostenführerschaft kann einem Unternehmen die Preisführerschaft bescheren.
  • Barometrische Preisführerschaft
    Hat ein Unternehmen eine sehr gute Marktübersicht oder einfach schon immer die Preise in der Branche festgelegt, wird von einer barometrischen Preisführerschaft gesprochen.

Nicht immer der gleiche Preis bei allen Anbietern


Eine Preisführerschaft bedeutet für den Kunden nicht automatisch, dass jeder Anbieter einer Branche die gleichen Preise hat. Auch wenn durch einen Preisführer der Preis bestimmt wird und die Konkurrenz mitzieht, spielen bei der Preisgestaltung Qualität und andere Faktoren eine nicht minder wichtige Rolle. Daher können die Preise innerhalb einer Produktgruppe immer noch starke schwanken. Prozentual gesehen ziehen die anderen Anbieter jedoch häufig mit der Preisführerschaft mit.

Differenz zu den Kartellen


Während in Kartellen explizite Preisabsprachen getroffen werden, wird in einer Preisführerschaft von einer impliziten Abstimmung ausgegangen. Dies bedeutet, dass wirtschaftlicher Druck die Konkurrenz dem Preisführer folgen lässt. Direkte Absprachen werden in einer Preisführerschaft daher nicht vorgenommen.

Preisführerschaft – Zusammenfassung


  • Preisführerschaft bedeutet, dass ein Unternehmen Höhe und Zeitpunkt eines Preises bestimmen kann und die Konkurrenz mit ihren Preisen nachzieht.
  • Die Preisführerschaft kommt nur in oligopolistischen Systemen vor (also auch Teiloligopol und Teilmonopol).
  • Preisführerschaft unterscheidet sich in dominierende (durch wirtschaftliche Stärke erreichte) und barometrische Preisführerschaft (durch Vertrauen oder Tradition bedingt).

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Themen: VWL

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