Depotstimmrecht

Kurz & einfach erklärt:

Depotstimmrecht verständlich & knapp definiert

In der Regel verfügen Aktionäre über das Recht, auf der Jahreshauptversammlung der Aktiengesellschaft über wichtige Tagesordnungspunkte abzustimmen. Es ist allerdings möglich, das Stimmrecht an die depotführende Bank zu übertragen. Dieses Depotstimmrecht wird dann vom Kreditinstitut ausgeübt.

Das Depotstimmrecht wird von Kreditinstituten im Auftrag des wertpapierbesitzenden Kunden ausgeübt. Daher wird es auch als Auftragsstimmrecht bezeichnet. 


Das Depotstimmrecht muss dabei vom Kunden schriftlich erteilt werden und ist in der Gültigkeit beschränkt. Zugleich muss das stimmrechtausübende Institut den Kunden über die Abstimmung zu den Tagesordnungspunkten informieren.

Nutzung des Depotstimmrechts

Wer Anteile an einer Aktiengesellschaft erwirbt, dem stehen verschiedene Rechte zu. Beispielsweise verbrieft das Wertpapier Anteile am Grundkapital der Gesellschaft und der Inhaber der Aktie hat ein Anrecht auf Teilhabe am Unternehmensgewinn. Darüber hinaus haben Aktionäre aber in der Regel auch ein Stimmrecht auf der Jahreshauptversammlung, sofern keine stimmrechtslose Aktie (Vorzugsaktie) erworben wurde.

Um dieses Stimmrechtaktiv auszuüben, muss der Aktionäre physisch auf der Jahreshauptversammlung anwesend sein, er kann nicht etwa per Brief über bestimmten Aspekte abstimmen. Allerdings ist dies in der Regel mit erheblichem Aufwand verbunden, was gerade bei weiter entfernten Aktiengesellschaften der Fall ist. Deshalb haben Aktionäre die Möglichkeit, ihr Stimmrecht an eine Bank abzutreten, bei der das aktuelle Depot geführt wird. Dieses Depotstimmrecht übt die Bank dann im Idealfall genau so aus, wie der Aktionär bei den Tagesordnungspunkten abgestimmt hätte.

Problem der Interessensverteilung beim Depotstimmrecht

Der Übertrag des Depotstimmrechts kann zu gewissen Interessenskonflikten führen. Denn in der Regel sind gerade große Banken selbst an zahlreichen Aktiengesellschaften beteiligt oder fungieren als deren Kreditgeber. Weil sie das ihnen übertragene Mitbestimmungsrecht teilweise frei auslegen können, droht die Gefahr, dass Banken nicht im Interesses der Aktionäre, sondern auf Basis eigener Ziele abstimmen. Beispielsweise könnte die Bank im schlimmsten Fall erwirken, dass die Aktiengesellschaft erheblichen Schaden erleidet, weil das Kreditinstitut wiederum direkt an einem Konkurrenten beteiligt ist.

Zwar wird es selten zu einem so drastischen Fall kommen, dieses Governance-Problem ist jedoch nicht von der Hand zu weisen. Allerdings existieren zumindest in Deutschland gewisse gesetzliche Regelungen, die ein derartiges Abstimmverhalten verhindern bzw. erschweren sollen. Banken müssen beispielsweise auch über Anteile an anderen Unternehmen, Personalverpflichtungen in den Unternehmen von eigenen Vorständen und Kreditvergaben aufklären.

Depotstimmrecht – Definition & Erklärung – Zusammenfassung

  • Aktionäre können ihr Stimmrecht an eine Bank übertragen
  • Dadurch kann diese im Sinne der Aktionäre auf der Jahreshauptversammlung über die Tagesordnung abstimmen
  • Durch die Übertragung des Depotstimmrechts kann es zu Interessenskonflikten kommen

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Themen: Börse

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