Das bestandsorientierte Verfahren

Wird nach dem bestandsorientierten Verfahren der Beschaffungsprozess durchgeführt und buchhalterisch erfasst, erhöht sich dadurch der Lagerbestand an Roh-, Hilfs und Betriebsstoffen sowie an Vorprodukten und Fremdbauteilen bzw. Waren und Handelswaren.

In diesem Zuge erhöht sich selbstverständlich auch der buchhalterische Wert auf dem jeweiligen Bestandskonto.

Beispiel: Im Hilfsstofflager der DJ-Metalery befinden sich am 01.01.16 für 15.000,00 Euro Klebstoffe und für 5.000,00 Euro Schweißdrähte. Am 10.01.16 werden für 5.000,00 Euro netto Klebstoffe und am 12.01.16 für 2.000,00 Euro netto Schweißdrähte auf Ziel (auf Ziel bedeutet, dass nicht sofort gezahlt wird, sondern innerhalb des auf dem Rechnungsbeleg abgedruckten Zeitraumes) beschafft. Dadurch erhöht sich einerseits der Lagerbestand im Unternehmen, andererseits erhöht sich auch der Bestand auf dem Hilfsstoffkonto.

Buchungssatz am 10.01.20xx
(2020) Hilfsstoffe 5.000,00
(2600) Vorsteuer 950,00 an (4400) Verbindlichkeiten L.L. 5.950,00


Buchungssatz am 12.01.20xx
(2020) Hilfsstoffe 2.000,00
(2600) Vorsteuer 380,00 an (4400) Verbindlichkeiten L.L. 2.380,00



Die Konten würden im hiesigen Beispiel wie folgt geführt werden müssen

Bestandsorientierte_Verfahren_T_Konten

Die Ermittlung des (Werk-) Stoffverbrauchs (Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe, Waren, etc.) wird entweder

      a) fortlaufend durch Materialentnahmescheine oder über Scanner-Systeme via EDV oder
      b) nachträglich durch eine körperliche Inventur am Schluss einer Betrachtungs-/ Abrechnungsperiode (z.B. Monat, Quartal oder pro Jahr) durch folgende einfache Rechnung Anfangsbestand von Werkstoffen

      + Werkstoffeinkäufe

        - Schlussbestand lt.
Inventur
      =
Werkstoffverbrauch
vorgenommen.

Theoriewissen zur nachträglichen Werkstoffverbrauchsermittlung

Die Lagerbuchhaltung, welche auch als Lagerkartei bezeichnet wird, ist eine Nebenbuchführung von der Finanzbuchhaltung. Die Aufgabe der Lagerbuchhaltung besteht darin, alle Zu- und Abgänge der jeweiligen Vorräte (z.B. Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe, eigene Erzeugnisse, Vorprodukte / Fremdbauteile und Handelswaren) nach ihrer Art, Menge und ihrem Wert zu erfassen. Lagerzugänge werden durch Lieferscheine vermerkt und erfasst, die entsprechenden Lagerabgänge hingegen durch s.g. Materialentnahmescheine. Der art-, mengen- und auch wertmäßige Nachweis des jeweiligen Werkstoffverbrauchs ist die Voraussetzung für die Richtigkeit der Buchführung und der daraus folgenden Kalkulation der Materialkosten.

Beispiel für die nachträgliche Ermittlung des Materialverbrauchs

Würden die Klebstoffe bei der DJ-Metalery aus dem Lager entnommen werden, ohne dass die Entnahme registriert oder erfasst wird, muss am Ende der gesamte Lagerbestand mit Hilfe einer Inventur, durch Zählung ermittelt werden. Ist nun der noch vorhandene Materialbestand durch Inventur ermittelt worden, so ist dieser vom Lageranfangsbestand zu subtrahieren, um den Materialverbrauch zu ermitteln. (Bsp.: Anfangsbestand (an Hilfsstoffen) - Endbestand (an Hilfsstoffen) = Materialverbrauch (an Hilfsstoffen)). Dieser nun ermittelte Hilfsstoffverbrauch muss nun in einen Geldwert umgerechnet werden. Wäre also festgestellt worden, dass 300 Dosen Klebstoff verbraucht worden sind und eine Klebstoffdose kostet netto 100,00 Euro, so würde der entsprechende aufwand (300 Dosen ⋅ 100,00 Euro) 30.000,00 Euro betragen.

Nutzen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der DJ-Metalery Materialentnahmeschein (ME), so haben diese die folgende Optik:

Beispiel_eines_Materialentnahmescheins_der_DJ_Metalery

Theoriewissen zur fortlaufenden Werkstoffverbrauchsermittlung

Die laufende Erfassung, auch Skontration genannt, der Lagerzugänge und Lagerabgänge kann für die jeweiligen Werkstoffe mithilfe der Lagerkarte manuell oder mithilfe eines EDV-Systems durchgeführt werden. Durch diese Vorgehensweise kann der Lagerbestand des jeweiligen Werkstoffes buchhalterisch permanent nachgewiesen werden. Dieser hier ermittelte Sollbestand muss allerdings einmal pro Jahr durch eine s.g. körperliche Inventur überprüft werden.

Durch den Vergleich des z.B. via EDV oder Lagerkarte ermittelten Lagerbestand und dem durch die körperliche Inventur festgestellten Istbestand ergibt sich der Lagerverlust, welcher durch Schwund, Diebstahl, Verderb o.ä. entstanden ist. Die Lagerbuchhaltung bildet damit nicht ausschließlich die Grundlage für die Erfassung des Werkstoffverbrauchs, sondern auch den Nachweis des Inventurbestandes an den jeweiligen Werkstoffen, sowie eigenen Erzeugnissen und den Handelswaren. Diese hier gewonnen Werte können dann in die Bilanz des Unternehmens übernommen werden.

Beispiele für die fortlaufende Ermittlung des Materialverbrauchs

Die Klebstoffe werden für die DJ-Metalery in großen Plastikdosen geliefert. Immer wenn ein Mitarbeiter eine solche Dose aus dem Lager entnimmt, muss er diese via EDV-System abscannen und austragen. Somit kann automatisch ermittelt werden, wieviel Dosen noch im Lager sind.

Die Lagerkartei bei der DJ-Metalery hat die folgende Optik:

Lagerkartei_der_DJ_Metalery

Alternativ wäre es auch denkbar, dass die Entnahme der Klebstoffdosen in eine Liste vermerkt wird, bzw. mittels eines Scheines, dem s.g. Materialentnahmeschein (ME) aus dem Lager ausgebucht werden. Anhand der Liste müsste dann der Materialverbrauch errechnet und gebucht werden.

Die Buchung des jeweiligen Werkstoffverbrauchs erfolgt beim bestandsorientierten Verfahren als Verbuchung von Aufwand auf dem jeweiligen Aufwandskonto.

  • Werden Rohstoffe verbraucht, bucht man
    6000 Aufwendungen für Rohstoffe an 2000 Rohstoffe (Betrag)

  • Werden Hilfsstoffe verbraucht, bucht man
    6020 Aufwendungen für Hilfsstoffe an 2020 Hilfsstoffe (Betrag)

  • Werden Betriebsstoffe verbraucht, bucht man
    6030 Aufwendungen für Betriebsstoffe an 2030 Betriebsstoffe (Betrag)

  • Werden Vorprodukte oder Fremdbauteile verbraucht, bucht man
    6010 Aufwendungen für Vorprodukte /Fremdbauteile an 2010 Vorprodukte / Fremdbauteile (Betrag)

Beispiel
: Schließen wir an das obenstehende Beispiel an und gehen davon aus, dass für 30.000,00 Euro Hilfsstoffe verbraucht worden sind, so lautet die Buchung wie folgt:

6020 Aufwendungen für Hilfsstoffe an 2020 Hilfsstoffe 30.000,00

Zusammenfassung des bestandorientierten Buchungsverfahrens zur Werkstoffverbrauchsermittlung

  • Hauptaufgabe der Lagerbuchung ist die wert- und mengenmäßige Bestandsführung der Lagerbestände.
  • Bei dem hier vorgestellten bestandorientierten Verfahren wird der Werkstoffeinkauf aufgrund der Eingangsrechnung als Bestandsmehrung im Soll des entsprechenden Werkstoffbestandskontos in der Kontenklasse 2 verbucht.
  • Der Werkstoffverbrauch wird durch die Materialentnahmescheine oder durch Inventur ermittelt und im Haben des betreffenden Werkstoffbestandskontos als Bestandsminderung sowie als Aufwand im Soll des zugehörigen Werkstoffkontos der Kontenklasse 6 verbucht.

Beispielhafte Zusammenfassung anhand von Buchungen

    1. Die DJ-Metalery erhält gemäß Lieferschein am 04.02.2016 Öle zum Betreiben der Schweißroboter für 1.500,00 Euro netto, die das Unternehmen zunächst im Lager einlagert. Die Zahlung der Öle soll auf Ziel erfolgen.
      Buchung
      (2030) Betriebsstoffe 1.500,00
      (2600) Vorsteuer 285,00 an (4400) Verbindlichkeiten L.L. 1.785,00

    1. In die Fertigung werden gem. Materialentnahmeschein (Nr. 2142) vom 10.02.2016 Öle für 200,00 Euro eingebracht.
      Buchung
      (6030) Aufwendungen für Betriebsstoffe an (2030) Betriebsstoffe 200,00

    1. Die DJ-Metalery erhält am 20.02.2016 gemäß Lieferschein Schweißdraht für 2.000,00 Euro netto und zahlt direkt per Banküberweisung.
      Buchung
      (2020) Hilfsstoffe 2.000,00
      (2600) Vorsteuer 380,00 an (2800) Bank 2.380,00

  1. In die Produktion der Stahlrohre werden für Schweißarbeite gemäß Materialentnahmeschein (Nr. 2143) vom 22.02.2016 Schweißdrähte für 800,00 Euro eingebracht.
    Buchung
    (6020) Aufwendungen für Hilfsstoffe an (2020) Hilfsstoffe 800,00
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Der Artikel "Bestandsorientiertes Verfahren" befindet sich in der Kategorie: Beschaffung & Absatz

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