Stichtagsinventur

Im Rahmen der Stichtagsinventur erhebt ein Unternehmen an einem spezifischen Tag, wie hoch die Bestände der Güter im Unternehmen sind.

Die Bestände werden dabei rein körperlich, also in Form von Gewicht, Volumen oder anderen Messzahlen, aufgenommen. Meist wird die Stichtagsinventur durchgeführt, um den Jahresabschluss und die Erstellung der Bilanz vorbereiten zu können.

Durchführung der Stichtagsinventur

Wenn eine Stichtagsinventur durchgeführt wird, legt das Unternehmen seinen Betrieb meist komplett still. Ein Supermarkt stellt dann beispielsweise den Verkauf ein und schließt den Laden früher als gewöhnlich. Alle Mitarbeiter werden in separate Inventurtrupps eingeteilt und beginnen mit der physischen Bestandsaufnahme. Durch ein strukturelles und klar konzipiertes Vorgehen soll die Stillstandszeit während der Stichtagsinventur minimiert werden.

Als Stichtagsinventur gilt auch eine sogenannte ausgeweitete Bestandsaufnahme. Diese benötigt meist mehr Zeit als die reine Stichtagsinventur und findet einige Tage vor oder nach dem Bilanzstichtag statt. Zulässig sind hierbei Abweichungen von maximal zehn Tagen, ansonsten müsste eine erneute Stichtagsinventur durchgeführt werden. Verändert sich während dieser Zeitspanne der Bestand, müssen die geführten Listen entsprechend durch Buch- und Belegnachweise verändert werden.

Zweck der Stichtagsinventur

Die Durchführung der Inventur dient zwei Zielen. Zum einen verpflichtet der Gesetzgeber dazu, dass Unternehmen zum Abschluss eines Geschäftsjahres eine Bilanz aufstellen. Ausschlaggebend hierfür ist der bereits angesprochene Bilanzstichtag, auf den sich die Bilanz bezieht. Im Rahmen der Bilanzaufstellung werden alle Unternehmenswerte zu bestimmten Posten zusammengefasst und übersichtlich ausgewiesen. Damit das möglich ist, müssen die Werte der einzelnen übergeordneten Kategorien jedoch zunächst detailliert im Rahmen der Stichtagsinventur erfasst werden.

Zum anderen dient die Stichtagsinventur auch unternehmensinternen Zwecken, die allerdings eine untergeordnete Rolle spielen. Das Unternehmen sollte in der Regel während des kompletten Geschäftsjahres einen recht genauen Überblick über seine Lagerbestände haben. Im Rahmen der Stichtagsinventur stellt sich dann heraus, wie gut die Schätzungen tatsächlich waren und ob bei den Prognoseverfahren unter Umständen nachgebessert werden muss.

Abgrenzung zu anderen Inventur-Verfahren

Die Stichtagsinventur ist nicht die einzige Möglichkeit, eine Inventur durchzuführen. Insgesamt existieren drei weitere Möglichkeiten:


  • Die verlegte Inventur kommt für Unternehmen in Frage, die eine Aufnahme zum Stichtag nicht durchführen können. Das ist beispielsweise der Fall, wenn die Bestände zu groß sind, als dass sie innerhalb eines Tages physisch aufgenommen werden könnten. Den Unternehmen wird dann die Möglichkeit eingeräumt, innerhalb der ersten zwei Monate nach oder drei Monate vor dem Bilanzstichtag eine Inventur durchzuführen. Die verlegte Inventur muss lediglich wertmäßige Größen erfassen, die anschließend auf das Datum des Bilanzstichtags fortgeschrieben oder zurückgerechnet werden.
  • Im Rahmen der permanenten Inventur erfolgt die Bestandserfassung über das komplette Geschäftsjahr hinweg und nicht ausschließlich zum Stichtag. Unternehmen müssen hierzu ein Lagerbuch führen und können die Inventur für ihre Produkte einzeln durchführen. Dennoch muss die Inventur vollumfänglich und körperlich erfolgen.
  • Die Stichprobeninventur kommt zum Einsatz, wenn ein Großteil des Unternehmensvermögens durch wenige Artikel abgedeckt wird. Diese werden dann im Rahmen einer vollständigen Inventur genau aufgelistet. Der Restbestand – beispielsweise Nägel oder Schrauben – wird aus Vereinfachungsgründen nicht gezählt, sondern anhand von einigen wenigen Stichproben bewertet.

Vorteile und Nachteile der Stichtagsinventur

Die Stichtagsinventur ist für das Unternehmen insofern vorteilhaft, als dass tatsächlich alle Bestände vollständig erfasst werden. Es sind Abgleiche mit Schätzungen möglich, die das Jahr über für die Bestandsermittlung genutzt werden. Zudem kann das Unternehmen alle gesetzlichen Anforderungen an die Bilanz einhalten und muss anders als bei der permanenten Inventur oder der Stichprobeninventur keine gesonderten Voraussetzungen zur Nutzung der Stichtagsinventur erfüllen.

Nachteilig ist vor allem der große Arbeitsaufwand, den die Stichtagsinventur erfordert. Supermärkte stellen hierzu beispielsweise extra Mitarbeiter für einen Tag ein, die mehrere hundert Euro an Zusatzkosten verursachen. Da es sich in der Regel um ungeschultes Personal handelt, können Fehler entstehen, die weitere Kosten nach sich ziehen. Zudem muss der laufende Betrieb unterbrochen werden, wodurch Verluste in Form von entgangenem Gewinn entstehen.

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