Komplementäre und substitutive Güter

Zwei komplementäre Güter können ein Bedürfnis nur gemeinsam befriedigen. Beispiel: Ein Auto ohne Treibstoff fährt nicht.


Kann ein Bedürfnis aber sowohl mit dem einen als auch mit dem anderen befriedigt werden, sind die Güter substitutiv. Beispiel: Wer von Hamburg nach München reisen möchte, kann entweder mit der Bahn oder dem Flugzeug reisen.

Komplementäre und substitutive Güter – Erklärung

Auf dem Markt existieren viele Güter, die komplementär verwendet werden. Die komplette Wirtschaft ist darauf ausgerichtet, das Produkte nicht isoliert, sondern in Kombination mit anderen Produkten verwendet werden. Ein Auto kann zum Beispiel schlecht ohne Treibstoff fahren, ein Computer nicht ohne Betriebssystem verwendet werden Zu unterscheiden ist zwischen unvollständiger und vollständiger Komplementarität. Vollständig komplementäre Güter werden immer zusammen verkauft.

Ein Beispiel hierfür wären linke und rechte Schuhe. Besitzt eine Person mehr rechte als linke Schuhe, zieht sie daraus keinen zusätzlichen Nutzen. Unvollkommene Komplemente können hingegen auch jeweils einzeln genutzt werden, wenn auch mit starken Defiziten.

Genauso häufig sind substitutive Güter zu finden, die sich praktisch gegeneinander austauschen lassen. Konsumenten ist es häufig egal, ob sie Butter oder Margarine als Brotaufstrich verwenden, obwohl es sich streng genommen um zwei verschiedene Güter handelt. Der Grad der Substituierbarkeit ist dabei von entscheidender Bedeutung, aber nicht immer leicht bestimmbar und teils vom Konsumenten abhängig.

Ein Beispiel: Ein Konsument ist hungrig und hat das Bedürfnis, diesen Hunger zu stillen. Ihm ist es in diesem Fall egal, ob er Kartoffeln oder ein Steak isst. Die Substituierbarkeit der beiden Güter ist damit hoch. Möchte der Konsument jedoch nicht das Bedürfnis nach reinem Essen befriedigen, sondern ist an Genuss in Form von gutem Geschmack interessiert, ist die Substituierbarkeit nicht wirklich gegeben. Das Steak würde dieses Bedürfnis befriedigen, die Kartoffeln nicht.

Auswirkungen von Komplementarität

Sind zwei Güter komplementär, entstehen automatisch verschiedenste Abhängigkeiten. Werden die Güter von zwei verschiedenen Herstellern produziert – wie beispielsweise im Falle von Computern und Betriebssystemen (Windows) – müssen Innovationen aufeinander abgestimmt werden.

Beispiel Computer:
Entscheidet sich der Hersteller des Betriebssystems dazu, dieses deutlich leistungsstärker zu machen, müssen die Computer für die Ausführung ebenfalls effizienter werden. Weigert sich der oder die Hersteller von Computern, wird der Produzent des Betriebssystems in seiner Innovationsfreudigkeit beeinflusst.

Auswirkungen von Substituierbarkeit

Sind Güter substitutiv, vergrößert sich ein Markt de facto. Vor allem die Seite der Anbieter wächst, was zu günstigeren Preisen und mehr Auswahl für Konsumenten führt. Gleichzeitig ist es für Hersteller einfacher, substitutive Güter herzustellen. Butter und Margarine werden etwa unter fast identischen Bedingungen hergestellt und benötigen sehr ähnliche Zutaten. Dadurch können Hersteller Größeneffekte nutzen, indem sie beispielsweise Einkaufsrabatte erhalten.

Kreuzpreiselastizität von komplementären und substitutiven Gütern

Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist vor allem die sogenannte Kreuzpreiselastizität der Güterarten interessant. Diese beschreibt, wie sehr sich Preiserhöhungen bei einem Gut A auf die Nachfrage nach Gut B auswirken. Bei unabhängigen Gütern wird die Nachfrage in der Theorie nicht beeinflusst.

Bei substitutiven Gütern sieht das Ganze deutlich anders aus. Angenommen, Gut A und Gut B weisen eine nahezu perfekte Substituierbarkeit auf. Steigen die Preise für Gut A um ein Prozent, wird sich die Nachfrage nach Gut B drastisch erhöhen. Alle Konsumenten des Gutes A werden aufgrund der Substituierbarkeit direkt auf Gut B umsteigen, weil sie ihre Kaufentscheidung allein auf Basis des Preises treffen können. Das wäre beispielsweise bei Margarine und Butter der Fall, weil es zumindest für den Großteil der Haushalte geschmacklich nicht relevant ist, welches Gut als Brotaufstrich genutzt wird.

Die Kreuzpreiselastizität von vollkommenen oder zumindest nur geringfügig unvollkommenen Komplementärgüter ist hingegen negativ. Angenommen, Gut A kann nur mit Gut B zusammen verwendet werden und der Preis für Gut B erhöht sich. Dann wird Gut B automatisch weniger stark nachgefragt. Die Nachfrage nach Gut A sinkt aber auch zwangsweise, weil sich der Einzelkauf von Gut A nicht lohnen würde. Würde ein Computer beispielsweise 15.000 Euro kosten, würde sich kaum noch jemand Software hierfür kaufen.

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