Familienpolitik

Unter Familienpolitik versteht man sämtliche Maßnahmen, die die Rahmenbedingungen für Familien beeinflussen.

Man spricht in Zusammenhang mit der Familienpolitik auch über Familienförderung, da viele der politischen Maßnahmen das Ziel haben, dass sich mehr Menschen für eine Familie und damit für Nachwuchs entscheiden.

Auf dem ersten Blick könnte man meinen, diese Thematik habe mit der eigentlichen Volkswirtschaft nicht viel zu tun. Doch Kinder sind für die Zukunft einer funktionierenden Volkswirtschaft unabdingbar.
 

Gliederung

Der Staat kann grundsätzlich auf ganz verschiedenen Wegen seine Ziele in Bezug auf eine funktionierende Familienpolitik erreichen. Man unterscheidet dabei zwischen folgenden vier Möglichkeiten: Der Staat kann Gesetze und Vorschriften erlassen, er kann finanzielle Anreize schaffen oder sich für bessere sozialräumliche Umweltbedingungen in Bezug auf die Familien einsetzen. Darüber hinaus kann der Staat Maßnahmen im Bereich der Bildung tätigen.

Familienpolitik  - die staatlichen Interventionsformen (= Unterstützung)


1. Rechtliche Intervention

Dieser Teil der Interventionen umfasst insbesondere das Arbeitsrecht, Familienrecht und das Sozialrecht. Der Staat will hier durch rechtliche Grundlagen das Leben von Familien attraktiver gestalten und besonders schützen. So soll zum Beispiel festgelegt werden, welchem Elternteil welche Rechte und Pflichten zukommen und wie man jungen Familien sinnvoll unter die Arme greifen kann.

2. Ökonomische Intervention

Finanzielle Anreize haben sich in der Vergangenheit als überaus wirksame Instrumente für die Familienpolitik erwiesen. Die Rede ist vom Familienlastenausgleich. Dabei handelt es sich um finanzielle Leistungen des Staates die das Ziel verfolgen, Ehe und Familie zu unterstützen. Solche Maßnahmen sind zum Beispiel das Kindergeld und Elterngeld oder die steuerlichen Vorteile im Fall einer Ehe. Hinzu kommen Aspekte wie der Erziehungsurlaub oder die Anerkennung von Erziehungszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung. Durch all diese Maßnahmen will der Staat die Ehe und besonders Familien unterstützen. Letztendlich erwirkt man durch attraktive ökonomische Interventionen in Bezug auf die Familienpolitik eine höhere Zahl an Nachkommen.

3. Ökologische Intervention

Die ökologischen Interventionen betreffen in erster Linie die sozialräumlichen Umweltbedingungen von Familien. Dazu zählen zum Beispiel Kindergärten und Kindertagesstätten oder auch soziale Dienste in der Nähe. Man schafft durch solche ökologischen Interventionen gerade für junge Menschen also dahingehend einen Anreiz zur Familiengründung, dass sie wissen, dass ihr Kind ganz in der Nähe gut betreut wird und dass es sowas wie Wohnungsbauförderung für Familien gibt.

4. Pädagogische Intervention

Eine weitere Art von Interventionen sind die pädagogischen Maßnahmen. Hierbei handelt es sich grob gesagt um alle Maßnahmen, die einen Bildungscharakter besitzen. So können zum Beispiel soziale und personale Verhaltensweisen und Kompetenzen durch pädagogische Interventionen gefördert werden. Es könnte sich insbesondere um ein Beratungsangebot der Jugendämter für junge Eltern oder Aufklärungskampagnen halten.

Kritik

Leider scheint die Politik den Wünschen und Erwartungen der Bevölkerung in der Bundesrepublik nicht wirklich gerecht werden zu können. Nicht erst seit gestern hagelt es nämlich Kritik an der Familienpolitik in Deutschland. Demnach würde man sich viel zu wenig um die wahren Probleme und Sorgen der Familien kümmern und sich stattdessen auf ein Wahlprogramm fokussieren, welches den schnellen Wiedereinstieg der Eltern in den Beruf als oberstes Ziel sieht. Doch viele Eltern haben ganz andere Bedürfnisse.

Eine Maßnahme, die ebenfalls auf überaus viel Kritik gestoßen ist, ist die Einführung des Betreuungsgeldes, der sogenannten Herdprämie. Diese sollte ursprünglich an Familien gezahlt werden, die ihr Kind im Alter zwischen ein und drei Jahren zuhause behalten und keinen Krippenplatz beanspruchen. Die Rede war von einer Unterstützung von 150 Euro monatlich. Die Frage, ob diese Maßnahme in Bezug auf die Familienpolitik in Deutschland wirklich sinnvoll ist, wurde heiß diskutiert.

Trotz der Tatsache, dass die Bundesregierung seinen Bürgern ein sehr umfangreiches Angebot an Familienförderung anbietet, sind viele also unzufrieden. Vielleicht sollte dabei der Gedanke erlaubt sein, ob die eine oder andere Förderungsmaßnahme nicht in die falsche Richtung geht bzw. Familien in Deutschland insgesamt noch zu wenig gefördert werden. Im Vergleich zu anderen Ländern schneidet Deutschland mit durchschnittlich 1,36 Kindern pro Frau (Institut der deutschen Wirtschaft Köln, 2005) nämlich eher schlecht ab. In Irland zum Beispiel hat jede Frau im Schnitt 1,99 Kinder, in den USA sind es sogar 2,1 Kinder pro Frau. Wirklich attraktiv scheint Deutschland als Gründungsort für Familien also noch nicht zu sein.

Familienpolitik -  kurz zusammengefasst:

  • Unter Familienpolitik fallen alle Maßnahmen, die die Rahmenbedingungen für Familien beeinflussen und zur Familienförderung beitragen
  • Man unterscheidet dabei vier verschiedene staatliche Unterstützungsformen: Rechtliche Intervention (zum Beispiel Familienrecht, Sozialrecht), ökonomische Intervention (zum Beispiel Kindergeld, Elterngeld), ökologische Intervention (zum Beispiel Kindergärten in der Nähe) und pädagogische Intervention (zum Beispiel Bildung oder Beratung)
  • Viele familienpolitische Maßnahmen stehen in Deutschland in der Kritik
  • Im Vergleich zu anderen Ländern ist die „Kinder-pro-Frau“-Quote hierzulande mit durchschnittlich 1,36 Kindern relativ schlecht

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