Schuldenschnitt

Kurz & einfach erklärt:

Schuldenschnitt verständlich & knapp definiert

Ein Schuldenschnitt bedeutet, dass einen Schuldner dauerhaft ein Teil seiner Schulden erlassen wird. Somit soll die wirtschaftliche Situation des Schuldners verbessert werden, damit er die Restschuld besser begleichen kann.

Von einem Schuldenschnitt (auch: Haircut oder harte Umschuldung) ist die Rede, wenn einem Schuldner, bei dem es sich um ein Unternehmen oder einen Staat handeln kann, eine dauerhafte Erlassung eines Teils seiner Schulden zugesprochen wird. Das Ziel eines Schuldenschnitts ist es, dass sich die wirtschaftliche Situation des Schuldners soweit verbessert, dass er seine restlichen Schulden begleichen kann.

Hintergrund eines Schuldenschnitts


Ein Schuldner nimmt ein Darlehen auf, um mit diesem Kapital beispielsweise Investitionen zu tätigen, für das kein ausreichendes Eigenkapital zur Verfügung steht. Für das aufgenommene Fremdkapital fällt eine Zinslast an, die der Schuldner in festen Intervallen an den Gläubiger - sozusagen als Gebühr für die Überlassung des Kapitals - zahlen muss. Darüber hinaus muss der Schuldner den Kredit über die vereinbarte Laufzeit tilgen. Mit zunehmendem Verschuldungsgrad steigt die Zinslast immer weiter an, sodass irgendwann die Einnahmen aus dem laufenden Geschäft (bei Staaten Steuern) unter Umständen nicht mehr ausreichen, um die Kredite zu tilgen.

Wenn die Einnahmen nicht mehr reichen, um die anfallenden Zinsen zu bezahlen, müssen neue Kredite aufgenommen werden, damit der Staat oder das Unternehmen die Zinsen bedienen kann und kurzfristig zahlungsfähig bleibt. Dadurch häuft der Staat weitere Schulden an und rutscht in eine Abwärtsspirale, aus der er nur unter großen Anstrengungen (kurzfristig: Staatsausgaben werden gesenkt, indem Staatsbedienstete freigestellt oder nicht bezahlt werden) und oftmals nur durch Unterstützung durch andere Kapitalgeber wieder herausgelangt.

Möglichkeiten aus der Abwärtsspirale zu gelangen


Der Staat selbst könnte Investitionen tätigen, um beispielsweise die Wirtschaft zu stärken. Allerdings müsste er dafür weitere Kredite aufnehmen, weswegen die Schuldenlast kurzfristig steigen würde. Höhere Steuereinnahmen durch einen wirtschaftlichen Aufschwung stellen sich jedoch erst in der mittleren Frist ein. Der Schuldner könnte ebenfalls an seine Gläubiger herantreten, um eine Teilerlassung der Schulden zu verhandeln.

Die Gläubiger wären dieser Option nicht gänzlich abgeneigt, da eine Insolvenz des Schuldners mit einem Totalverlust ihrer finanziellen Mittel verbunden wäre. Bei einer Teilerlassung der Schulden können sie hoffen, zumindest einen Teil ihres Kapitals zurückzuerhalten. In einer Interessensgemeinschaft (Beispiel: EU) müssen die Partner sich ebenfalls genau überlegen, welche negativen Wirkungen sich durch eine Insolvenz des Partners für sie einstellen würden. Es ist abzuwägen, ob eine finanzielle Unterstützung vor diesem Hintergrund empfehlenswert ist oder nicht. Ein Schuldenschnitt wurde innerhalb der Eurokrise mit Bezug auf Griechenland diskutiert.

Zusammenfassung Schuldenschnitt


  • ein Schuldenschnitt ist eine teilweise Erlassung der Schulden eines Staates oder eines Unternehmens
  • dadurch soll sich die wirtschaftliche Situation des Schuldners verbessern, damit er zumindest seine Restschulden begleichen kann
  • bei starken Interdependenzen (Verflechtungen) zwischen den verschiedenen Partner sind die Konsequenzen der Insolvenz eines Partners für die anderen Partner umso gravierender
  • die Wahrscheinlichkeit von Rettungsmaßnahmen wie einem Schuldenschnitt steigt in diesem Fall
  • ein Schuldenschnitt kann an Bedingungen geknüpft sein

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