Kapitalfreisetzungseffekt

Kurz & einfach erklärt:

Kapitalfreisetzungseffekt verständlich & knapp definiert

Der Kapitalfreisetzungseffekt ist im Grunde genommen Abschreibungsfinanzierung. Der Wert, den das betroffenene Gut verliert, wird in die Verkaufspreise der Unternehmensprodukte einkalkuliert und fließt somit als liquide Mittel ins Unternehmen zurück. Das Kapital wird so freigesetzt.

Mit Kapitalfreisetzungseffekt bezeichnet man Gewinne, die infolge von Abschreibungen entstehen. Der Vorteil für ein Unternehmen: Diese Geldmittel gelten als stille Reserven. Man muss sie folglich nicht als Dividende an Anleger oder Inhaber ausschütten, sondern kann sie zur Innenfinanzierung nutzen.

Wie funktioniert der Kapitalfreisetzungseffekt?

Wenn ein Unternehmen Geld in die Anschaffung einer neuen Maschine investiert, tauchen die Kosten sowohl bilanziell als auch steuerlich als Verlust auf. In der Regel schreibt man den Betrag über einen Zeitraum von mehreren Jahren ab. Diese Abschreibungskosten bezieht man in die Kalkulation des Verkaufspreises ein.

Angenommen, die Abschreibungssumme beträgt pro Jahr 10.000 Euro: Dann sind die ersten 10.000 Euro aus den jährlichen Umsatzerlösen dividendenfrei. Denn sie gleichen lediglich den Abschreibungsverlust aus. 10.000 Euro minus 10.000 Euro ergeben schließlich 0 Euro.

In der Realität fließen diese 10.000 Euro jedoch in die Kassen des Unternehmens und stehen als liquide Geldmittel zur Verfügung. Folglich wurde dieses Kapital durch die Abschreibung freigesetzt. Das Unternehmen kann das Geld nun beispielsweise einsetzen, um weitere Investitionen zu tätigen.

Der Lohman-Ruchti-Effekt

Die ersten Wirtschaftswissenschaftler, die diesen Zusammenhang beschrieben haben, waren Martin Lohmann und Hans Ruchti. 1953 folgerten sie aus ihrer Beobachtung, dass sich Investitionen in Produktionsmittel selbst finanzieren. Voraussetzung hierfür ist, dass die Umsatzerlöse den Abschreibungsbetrag decken. Zudem müssen die Umsätze liquide Geldmittel umfassen. Seitdem ist der Kapitalfreisetzungseffekt auch unter dem Namen Lohman-Ruchti-Effekt bekannt.

Wie gehen Unternehmen mit dem Kapitalfreisetzungseffekt um?

Der Kapitalfreisetzungseffekt hat den Vorteil, dass Investitionsmittel bereits zur Verfügung stehen, bevor man Ersatz für die abgeschriebene Maschine beschaffen muss. So kann man das Geld für andere Neuanschaffungen oder sinnvolle Erweiterungen ausgeben.

Allerdings setzt dieses Vorgehen einen präzisen Reinvestitions- und Abschreibungsplan voraus. Denn eines Tages muss die Maschine ersetzt werden, weil sie veraltet oder abgenutzt ist. In diesem Moment muss genügend Kapital vorhanden sein, um umgehend für Ersatz sorgen zu können.

Folgen des Kapitalfreisetzungseffekts

Die stillen Reserven, die der Kapitalfreisetzungseffekt erzeugt, lassen Unternehmensgewinne geringer erscheinen, als sie in Wirklichkeit sind. Der Effekt hat damit Auswirkungen auf die Dividendenpolitik eines Unternehmens. Für außenstehende Aktionäre oder Analysten ist nicht klar, inwieweit die vorgelegten Bilanzzahlen tatsächlich die Realität widerspiegeln.

Der Kapitalfreisetzungseffekt zwingt das Management damit auf eine schmale Gratwanderung. Denn einerseits ermuntern kaufmännische Vorsicht und der im Rechtswesen garantierte Gläubigerschutz die Geschäftsführung dazu, stille Reserven anzulegen. Anderseits verstößt ein Übermaß an solchen versteckten liquiden Mitteln gegen die Grundsätze der Bilanzwahrheit.

Grenzen der Theorie

Die Theorie von Lohman-Ruchti besagt, dass der Kapitalfreisetzungseffekt sich mit jeder weiteren getätigten Investition steigert. Viele Maschinen bringen folglich viele stille Reserven. Die Sache hat allerdings einen Haken.

Ab einem gewissen Punkt entstehen Überkapazitäten. Die Maschinen sind nicht mehr ausgelastet. Die Folgen, die sich aus der mangelnden Produktivität ergeben, schaden der Firma weitaus mehr, als sie durch den Kapitalfreisetzungseffekt gewinnen kann.

Der Kapitalfreisetzungseffekt ist also in erster Linie ein theoretisches Modell, das wirtschaftliche Zusammenhänge zwischen Investitionen und Abschreibungen beschreiben kann. Doch angesichts eines unberechenbaren Marktes lässt sich dieser Effekt nicht als feste Konstante in eine Kalkulation einbeziehen.

Zusammenfassung Kapitalfreisetzungseffekt:

  • durch Abschreibungen entstehen Gewinne, die nicht als Dividende ausgeschüttet werden müssen
  • betrifft Umsatzerlöse bis zur Höhe der jährlichen Abschreibungskosten
  • liquides Kapital kann in die Innenfinanzierung eines Unternehmens fließen
  • Kapitalfreisetzungseffekt lässt Unternehmensgewinne geringer erscheinen, als sie in Wirklichkeit sind
  • eher ein theoretisches Modell und keine planerische Konstante

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