Gini-Koeffizient


Kurz & einfach erklärt:

Gini-Koeffizient verständlich & knapp definiert

Der Gini-Koeffizient, auch als Gini-Index bezeichnet, sagt aus, wie ungleich das Einkommen in einer Region oder einem Land pro Kopf verteilt ist. Mit Hilfe der Lorenzkurve erlaubt der Gini-Koeffizient Aussagen über die Konzentration von Daten, zu denen auch die Daten über Einkommen gehören. Er stellt gewissermaßen den Zwischenraum von Lorenzkurve und Gleichverteilungskurve dar und nimmt einen Wert zwischen 0 und 1 an.

Statistiker Corrado Gini war Namenspate

Mehr über den Namensgeber vom Gini-Koeffizient
Der italienische Statistiker Corrado Gini entwickelte 1912 den nach ihm benannten Gini-Koeffizient. Dieser zeigt, wie gleich oder ungleich Vermögen oder Einkommen in einer Region oder einem Land verteilt sind. Wäre das gesamte Einkommen gleichmäßig auf alle Einwohner des betreffenden Gebietes verteilt, beträgt der Gini-Koeffizient 0, besitzt aber ein einziger Einwohner das gesamte Einkommen, wäre der Gini-Koeffizient 1. Je größer also der Gini-Koeffizient ist, desto ungleicher ist das Einkommen verteilt. Oft wird der Gini-Koeffizient auch in Prozent angegeben.

Der Koeffizient ist abstrakt

Auch wenn sich die konkrete Höhe des Gini-Koeffizienten für ein Land oder eine Region berechnen lässt, verrät dieser nicht, wie das Einkommen dann tatsächlich verteilt ist. Ändert sich der Koeffizient im Verlauf mehrerer Jahre, kann daraus allerdings nicht abgeleitet werden, welcher Einkommensbereich tatsächlich dafür verantwortlich ist. Wird also der Gini-Koeffizient sozioökonomisch betrachtet, lässt sich nicht zeigen, ob Maßnahmen für Bezieher von niedrigen Einkommen erfolgreich sind oder nicht.

Der Gini-Koeffizient in Deutschland

In Deutschland betrug der Gini-Koeffizient 2014 29 Prozent. In anderen OECD-Ländern liegt er dagegen durchaus höher, das heißt, in diesen Ländern ist das Einkommen ungleicher verteilt. Während in der OECD der durchschnittliche Gini-Koeffizent 32 Prozent beträgt, liegt er in den USA bei 39 Prozent, in Großbritannien bei 35 Prozent und in Frankreich bei 31 Prozent. In Österreich, den skandinavischen Ländern und den Niederlanden ist dagegen der Gini-Koeffizient niedriger als in Deutschland, das heißt, die Einkommen sind gleicher verteilt.

Kritik am Gini-Koeffizient

Da der Gini-Koeffizient allerdings nur einen Mittelwert zur Ungleichheit darstellt, zeigt er nicht, wie groß der jeweilige Anteil sehr reicher und sehr armer Menschen ist. Während sich der Reichtum der Reichen immer schneller vermehrt, bleiben dagegen die Armen immer weiter zurück. Für den Gini-Koeffizienten ist es jedoch gleich, an welcher Stelle der Verteilung sich das Einkommen tatsächlich ändert. Daher ist er gerade an den beiden extremen Seiten (sehr reich und sehr arm) eher unsensibel und im Zentrum sensibel.

Leicht verständlich und auf einen Blick erfassbar

Geht es um die Sichtbarmachung von sozialen Ungleichheiten, ist der Gini-Koeffizient ein hervorragender Indikator. Zeigt eine Weltkarte den jeweiligen Gini-Koeffizient jedes Landes, ist dieser für jeden Menschen verständlich: Während bei einem Wert von 1 ein einziger Einwohner alles besitzt, ist bei einem Wert von 0 alles ganz gleich auf alle verteilt. Allerdings lässt sich vom Gini-Koeffizient nicht ablesen, wie hoch das absolute Einkommen der entsprechenden Bevölkerung ist.

Vermögen ist ungleicher verteilt als Einkommen

Wird das Vermögen in Deutschland miteinander verglichen, ist dieses im internationalen Vergleich wesentlich ungleicher verteilt ist als das Einkommen. Der Gini-Koeffizent von Deutschland beträgt 79 Prozent, während er in vielen anderen europäischen Ländern deutlich geringer ist. Am niedrigsten ist er in der Slowakei, hier ist das gesamte Vermögen am gleichsten unter der Bevölkerung verteilt.

Ressourcen verteilen

Sollen die Ressourcen in einer Region oder einem Land besser, das heißt, weniger ungleich verteilt werden, müssen diejenigen, die verhältnismäßig arm sind, die Chance auf mehr Einkommen haben. Das lässt sich mit verbesserten Aufstiegschancen erreichen, aber auch mit einer höheren Teilnahme an Erwerbstätigkeiten. Für den Bildungserfolg der Kinder ist gerade in Deutschland der Bildungsstand der Eltern maßgeblich. Je höher diese qualifiziert werden, desto mehr können sie später im Berufsleben verdienen. Auch betriebliche oder andere Weiterbildung kann dazu beitragen, dass das Einkommen steigt. Gerade Investitionen in Bildung und in die Integration in den Arbeitsmarkt zahlen sich aus. Steigen die Beschäftigungsverhältnisse und leisten die Arbeitnehmer jährlich mehr Arbeitsstunden, steigt auch das Einkommen. Damit sinkt die Ungleichheit und auch der Gini-Koeffizient.

Zusammenfassung Gini-Koeffizient

  • Der Gini-Koeffizient zeigt, wie gleich oder ungleich das Einkommen in einem Land oder einer Region verteilt ist.
  • Beträgt der Gini-Koeffizient 1, besitzt eine einzige Person das gesamte Einkommen. Je näher der Wert an 0 herankommt, desto größer ist die Gleichheit. Der Wert kann nicht nur in absoluten Zahlen, sondern auch in Prozent angegeben werden.
  • Der Gini-Koeffizient ist leicht verständlich und lässt einen Vergleich zwischen Ländern und Regionen einfach zu.


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