Alles über Markteintrittsbarrieren und die verschiedenen Arten einfach und verständlich erklärt!

Markteintrittsbarrieren hindern Unternehmen daran, neu als Anbieter auf einem Markt aufzutreten. Es gibt sehr unterschiedliche Kategorien für solche auch als Marktschranken oder Marktbarrieren bezeichneten Hürden.

Welche Arten von Markteintrittsbarrieren gibt es?

Markteintrittsbarrieren können sehr unterschiedlicher Natur. Der Staat kann durch Gesetze Barrieren errichten. Einige Barrieren entstehen durch die Eigenschaften der Produktion geradezu automatisch. Wieder andere Hürden werden von etablierten Unternehmen gegen potenzielle neue Wettbewerber extra in Stellung gebracht.

Rechtliche Markteintrittsbarrieren

Rechtliche Markteintrittsbarrieren sind zu beachten
Markteintrittsbarrieren können rechtlicher Natur sein: Der Gesetzgeber könnte die Produktion oder den Verkauf bestimmter Güter auf einzelne Unternehmen beschränken und diesen damit eine monopolartige Stellung einräumen.

In der Praxis häufig anzutreffen sind Markteintrittsbarrieren in Gestalt von Patenten, Markenrechten und Lizenzen. In vielen Ländern werden z. B. Glücksspiele und Sportwetten stark reguliert. Um Leistungen in diesem Bereich anbieten zu dürfen, sind staatliche Lizenzen erforderlich.

Patente räumen ihrem Inhaber die temporäre Alleinverwertung von bestimmten Produkten ein. Besonders häufig sind Patente in der Pharmaindustrie anzutreffen. Ein bestehendes Patent stellt eine sehr hohe Markteintrittsbarriere dar.

Größenvorteile der etablierten Konkurrenz

Stellt ein Unternehmen eine relativ kleine Stückzahl eines Gutes her, können die Stückkosten abhängig vom Produktionsprozess und weiteren Faktoren sehr viel höher ausfallen als bei einer größeren Produktionsmenge. Ein neu auf den Markt tretendes Unternehmen muss deshalb im Vergleich zu den etablierten Wettbewerbern zu höheren Stückkosten produzieren. In der Konsequenz müssen die Produkte entweder zu höheren Preisen verkauft oder schnelles Wachstum mit Verlusten finanziert werden.
Positive Skaleneffekte (Economies of Scale)

Von besonderer Bedeutung sind hier Produktionsprozesse mit positiven Skaleneffekten. Ein positiver Skaleneffekt bedeutet, dass eine Erhöhung des Einsatzes aller Produktionsfaktoren um eine Einheit zu einer Ausweitung der Produktion um mehr als eine Einheit führt. Dies ist gleichbedeutend mit sinkenden Grenzkosten bei steigender Produktion. Liegen positive Skaleneffekte für unbegrenzte Produktionsmengen vor, handelt es sich um ein natürliches Monopol. Liegt in einem Markt ein natürliches Monopol vor, sind die Durchschnittskosten am niedrigsten, wenn die gesamte Produktion durch einen Anbieter hergestellt wird. Beispiele für positive Skaleneffekte gibt es in großer Zahl. Der Erfolg der Arbeitsteilung beruht darauf, dass Massenproduktion zu niedrigeren Kosten führt.

Verbundeffekte (Economies of Scope)

Tritt ein ganz neu gegründetes Unternehmen auf den Markt und stellt es nur ein Produkt her, kann es keine Verbundeffekte realisieren. Ein Verbundeffekt liegt vor, wenn durch die parallele Herstellung mehrerer Produkte Kostenvorteile auftreten. Die Produktion von mehreren Produkten führt zu niedrigeren Produktionskosten als die Produktion von einem Gut. Ein typisches Beispiel für Verbundeffekte ist die Automobilindustrie. Produziert ein Hersteller bereits dutzende von Modellen, wird die Herstellung eines zusätzlichen Modells kostengünstiger sein  als die Herstellung eines gleichartigen Modells durch einen neuen Wettbewerber. Der bereits am Markt positionierte Hersteller kann z. B. Ressourcen effizienter einsetzen und Teile bestehender Modelle in das neue Modell verbauen. Verbundeffekte sind damit ebenso wie positive Skaleneffekte eine potenzielle Markteintrittsbarriere.

Dichtevorteile (Economies of density)

Dichtevorteile lassen sich am einfachsten am Beispiel eines Paketdienstes darstellen. Verfügt ein neu auf den Markt eintretender Paketdienst nur über sehr wenige Kunden, erhöhen sich die Produktionskosten für das Gut "Paketauslieferung" deutlich. Der Grund: Für jede Auslieferung müssen sehr viel mehr Arbeitszeit und Fahrzeugabnutzung eingesetzt werden, als wenn sehr viele Kunden auf engem Raum beliefert werden könnten.

Differenzierungsvorteile

Die bereits am Markt etablierten Unternehmen verfügen über Vertriebskanäle, die neuen Konkurrenten womöglich nicht oder nur sehr eingeschränkt zugänglich sind. Ein Beispiel für solche Differenzierungsvorteile ist ein Bestattungsunternehmen in einem kleinen ländlichen Dorf. Der Inhaber des Bestattungsunternehmens verfügt über persönliche Kontakte zu Kirche und Friedhofsverwaltung und hat damit sehr direkten Zugriff auf den größten Teil der Nachfrage. Ein neu auf den Markt tretendes Bestattungsunternehmen ohne diesen Vertriebskanal könnte nur sehr schwer Marktanteile gewinnen. Der fehlende Zugriff auf die maßgeblichen Vertriebskanäle stellt in diesem Beispiel eine hohe Markteintrittsbarriere dar.

Starke Kundenbindung

In manchen Märkten besteht eine sehr hohe Kundenbindung. Diese erschwert es neu auf den Markt eintretenden Anbietern, rasch Marktanteile zu gewinnen. Ein Beispiel für einen Markt mit einer solchen Kundenbindung ist der Markt für private Krankenversicherungen (in Deutschland). Versicherte sammeln in ihren Verträgen Altersrückstellungen an, die im Fall eines Wechsels zu einem anderen Versicherer nicht übertragen werden können. Bei einem Wechsel wären die  Altersrückstellungen verloren. Aus Sicht der Kunden ist der Anreiz für einen Wechsel deshalb stark abgeschwächt und die Kundenbindung stark erhöht. Für neue Versicherer stellt dies eine hohe Eintrittsbarriere dar, weil der Zugewinn von Marktanteilen durch "Abwerben" nur begrenzt möglich ist.

Absolute Vorteile der Konkurrenz

Absolute Vorteile der Konkurenz sollten beachtet werden
In manchen Märkten verfügen etablierte Anbieter über absolute Vorteile, die durch neue Wettbewerber nur sehr schwer oder gar nicht zu kompensieren sind. Das ist z. B. der Fall, wenn nur die bereits am Markt existierenden Unternehmen über einen oder mehrere Produktionsfaktoren verfügen  bzw. der Zugriff auf diesen Faktor für Dritte nur sehr schwer möglich. Beispiele dafür finden sich im Bergbau, wo Abbaurechte ein wesentlicher Produktionsfaktor sind. Bestimmte Stoffe wie z. B. Uran oder Kobalt kommen nur sehr begrenzt vor. Die Verträge über den Abbau werden zwischen Unternehmen und Staaten zumeist über sehr lange Zeiträume geschlossen.

Ist für die Produktion eines Gutes sehr spezielles Know-How erforderlich, benötigen Unternehmen entsprechende Kapazitäten in ihrer Belegschaft. Die Produktion von Feuerschutzkleidung z. B. ist nur durch Mitarbeiter mit speziellen Kenntnissen und Erfahrungen möglich. Diese Mitarbeiter sind typischerweise bei den bereits etablierten Akteuren am Markt beschäftigt. Neue Anbieter müssten dieses Personal entweder aufwändig abwerben oder anderweitig beschaffen. Der Zugriff auf geeignete Beschäftigte stellt damit ebenfalls eine mögliche Markteintrittsbarriere dar.

Eigenschaften von Markteintrittsbarrieren

Markteintrittsbarrieren erschweren es neu auftretenden Anbietern, erfolgreich einen Markt zu erschließen. Damit sind die Barrieren aus Sicht der bereits am Markt etablierten Unternehmen ein Vorteil, aus Sicht neuer Akteure dagegen ein Nachteil.

Markteintrittsbarrieren führen nicht zwingend zu höheren Preisen und Produzentenrenten, auch wenn dies auf den ersten Blick naheliegt. Hinter den Barrieren kann durchaus ein Markt existieren, der einem vollkommenen Wettbewerbsmarkt nahekommt. Die Barrieren wirken zunächst im Verhältnis zwischen bestehenden und neuen Anbietern und nicht im Verhältnis von Angebot und Nachfrage.

Hat ein neuer Akteur bestehende Markteintrittsbarrieren überwunden, profitiert er selbst von den Barrieren.

Markteintrittsbarrieren müssen von Wettbewerbsvorteilen unterschieden werden. Eine Markteintrittsbarriere schützt per definitionem alle Anbieter, die bereits auf einem Markt tätig sind. Der Schutz wirkt gegen potenzielle neue Wettbewerber. Ein Wettbewerbsvorteil ist dagegen ein Vorteil, der aus spezifischen Eigenschaften eines Unternehmens hervorgeht. Ein Wettbewerbsvorteil kann gegen potenzielle neue Akteure bestehen, wirkt aber auch im Wettbewerb mit der etablierten Konkurrenz.

Wie werden Markteintrittsbarrieren überwunden?

Die Analyse von Markteintrittsbarrieren ist typischerweise Gegenstand der Konkurrenzanalyse. Barrieren können grundsätzlich überwunden werden. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ein neuer Autohersteller könnte größenbedingte Kostennachteile z. B. durch die Inkaufnahme anfänglicher Verluste (Investitionen) ausgleichen. Zudem könnte er versuchen, neue Marktsegmente zu besetzen und dadurch schneller Marktanteile zu gewinnen.
Disruptiver Ereignisse/Technologien gegen Markteintrittsbarrieren

Markteintrittsbarrieren können durch das Auftreten disruptiver Ereignisse/Technologien zu Fall gebracht werden. Ein häufiger genanntes Beispiel ist die Automobilindustrie. Durch die Umstellung der Produktion auf Elektromotoren könnten neue Anbieter Marktanteile gewinnen. Zum einen sind Markenstärke- und Bindung bei neuen Produkten nicht so ausgeprägt. Zum anderen fallen auch die Kostenvorteile der etablierten Hersteller geringer aus, weil deren anfängliche Stückzahl im E-Auto-Bereich ebenfalls gering ist und Verbundvorteile aufgrund wesentlicher Produktionsunterschiede zu anderen Modellen nur begrenzt wirken.

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