Zinsstrukturkurve


Kurz & einfach erklärt:

Zinsstrukturkurve verständlich & knapp definiert

Die Zinsstrukturkurve ist eine graphische Darstellung, um die Höhe des Zinssatzes in Abhängigkeit von einer Einflussgröße zu zeigen. Anhand der Zinsstrukturkurve lassen sich wirtschaftliche Entwicklungen beurteilen und Prognosen erstellen.

Als Zinsstrukturkurve wird allgemein eine grafische Darstellung bezeichnet, in der die Höhe des Zinssatzes in Abhängigkeit von einer Einflussgröße gezeigt wird. Die Analyse von Zinsstrukturkurven dient zur Beurteilung von wirtschaftlichen Entwicklungen sowie zur Erstellung von Prognosen. Darüber hinaus spielen Zinsstrukturen bei der Bewertung von Rentenpapieren und bestimmten Finanzderivaten eine wichtige Rolle.


Am häufigsten werden Zinsstrukturen in Abhängigkeit von der Laufzeit dargestellt, das ist aber keineswegs die einzige Möglichkeit. Nicht selten dienen auch das Risiko, die Anlageform oder andere Faktoren als Einflussgrößen bei der Abbildung. Die Darstellung von Zinsstrukturen erfolgt üblicherweise als zweidimensionale Grafik. In einem dreidimensionalen Modell kann die Abhängigkeit von zwei Einflußgrößen gezeigt werden. Im Folgenden wird vor allem auf die laufzeitabhängige Zinsstrukturkurve Bezug genommen, da sie die größte praktische Bedeutung besitzt.

Mögliche Zinsstrukturen - ein Überblick

Es gibt mehrere typische Zinsstrukturverläufe, die sich in diesem Kontext in der Realität beobachten lassen:


  • die steigende Zinskurve: hier steigen die Zinssätze bzw. Renditen von verzinslichen Einlagen oder Wertpapieren mit zunehmender (Rest)laufzeit. Das heißt, je länger das Kapital bei Anlagen gebunden ist, umso höher ist auch der Zinssatz, der dafür am Markt verlangt und gezahlt wird. Die steigende Zinskurve stellt den Regelfall dar, sie ist im Zeitablauf am häufigsten und längsten zu beobachten;
  • die flache Zinskurve: in diesem Fall gibt es keine laufzeitabhängigen Zinsunterschiede. Diese Konstellation tritt bevorzugt dann auf, wenn mit sinkenden Zinsen gerechnet wird;
  • die inverse oder fallende Zinskurve: bei dieser Situation treten bei längeren Laufzeiten niedrigere Zinssätze auf. Auch hier kann die Erwartung sinkender Zinsen als Erklärungsansatz dienen, es gibt aber auch andere Erklärungsmodelle. Inverse Zinskurven lassen sich oft im Vorfeld von drohenden Rezessionen feststellen und dienen insofern auch als Prognoseinstrument;
  • der Zinsbuckel: hier steigen die Zinssätze laufzeitabhängig auf ein Maximum an, um dann bei längeren Laufzeiten wieder abzusinken. Dadurch entsteht in der Zinsstrukturkurve ein "Buckel". Als Erklärung wird die Marktsegmentierungshypothese (s.u.) herangezogen.

Theoretische Erklärungsansätze für Zinsstrukturen

Es gibt in den Wirtschaftswissenschaften unterschiedliche Erklärungsversuche für Zinsstrukturen. Da es sich nicht um ausgefeilte Theoriegebäude, sondern eher um wissenschaftliche Mutmaßungen handelt, bezeichnet man sie als Hypothesen. Die einzelnen Hypothesen stehen nicht unbedingt im Widerspruch zueinander, teilweise ergänzen sie sich oder bieten eine andere Sichtweise. Folgende Hypothesen werden diskutiert:


  • die Erwartungshypothese: die Zinsstruktur wird von der Erwartung über die künftige Zinsentwicklung bestimmt. Werden höhere Zinsen erwartet, ergibt sich durch verstärktes Investment in kurzfristige Titel eine steigende Zinskurve. Werden sinkende Zinsen erwartet, flacht die Zinskurve ab oder wird sogar invers, weil die Anleger vermehrt längerfristige Papiere erwerben, um sich den höheren Zinssatz zu sichern.
  • die Liquiditätspräferenzhypothese: erklärt eine steigende Zinskurve durch die Unsicherheit, die Anleger Liquidität heute höher schätzen lässt als in der Zukunft. Längerfristige Investments werden daher nur bei Zahlung einer Liquiditätsprämie getätigt. Mit dieser Hypothese kann eine steigende Zinskurve auch bei stabiler Zinslage erklärt werden.
  • die Marktsegmentierungshypothese: sieht die einzelnen Laufzeitsegmente als unabhängige Märkte, für die sich separate Zinssätze je nach Angebot und Nachfrage bilden. Damit können unregelmäßige Zinsverläufe und Zinsbuckel erklärt werden.

Zusammenfassung Zinsstrukturkurve

  • Grafische Zinsdarstellung, meist laufzeitabhängig;
  • steigende, flache und inverse Zinskurven sowie Zinsbuckel;
  • unterschiedliche Hypothesen als Erklärung

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