Umlageverfahren


Kurz & einfach erklärt:

Umlageverfahren verständlich & knapp definiert

Das in den Sozialversicherungen verbreitete Umlageverfahren bedeutet, dass die Beiträge der Beitragszahler direkt an die Leistungsempfänger fließen. In der Rentenversicherung findet das unter dem Schlagwort Generationenvertrag statt: Die Jüngeren bezahlen die Renten der Älteren.

Der Begriff Umlageverfahren bezeichnet eine Methode, wie sich Sozialversicherungssysteme finanzieren lassen. In Deutschland kommt sie insbesondere in der gesetzlichen Rentenversicherung zum Einsatz. Sie stellt das Gegenteil des Kapitaldeckungsverfahrens dar.

Grundsätzliche Funktionsweise des Umlageverfahrens

Beim Umlageverfahren verwenden die Sozialversicherungsträger die eingenommenen Beiträge unmittelbar zur Finanzierung der Leistungen. In der Rentenversicherung bedeutet dies, dass sie die Beiträge sofort als Renten an die Leistungsempfänger auszahlen. Nur einen kleinen Teil halten sie zurück, um eine Rücklage zu bilden. Damit verhindern sie Zahlungsschwierigkeiten bei überraschendem Sinken der Einnahmen oder Steigen der Ausgaben. Auch in Sozialversicherungszweigen wie der Arbeitslosenversicherung findet dieses Verfahren Anwendung. Die Einnahmen aller Beitragszahler leitet die Arbeitsagentur an die Leistungsberechtigten in der jeweiligen Höhe des Anspruchs weiter.

Unterschied zum Kapitaldeckungsverfahren

Das Kapitaldeckungsverfahren, auf dem unter anderem private Rentenversicherungen beruhen, funktioniert anders: Versicherte überweisen Geld, welches die Versicherungen am Kapitalmarkt anlegen. Das angesparte Vermögen entscheidet beim Renteneintritt über den Rentenanspruch, aus diesem Angesparten bezahlen die Versicherer die Rente. Bei einer fondsbasierten Rentenversicherung hängt die Rentenhöhe zum Beispiel wesentlich von der Wertentwicklung des Investmentfonds ab. Die Anspruchshöhe im Umlageverfahren basiert auf abweichenden Faktoren. Wichtig ist, wie viel Beiträge die Versicherungsträger einnehmen. Fehlt es in der gesetzlichen Rentenversicherung aufgrund einer hohen Arbeitslosigkeit über einen längeren Zeitraum an Geld, drohen Rentenkürzungen durch den Gesetzgeber.

Der demografische Wandel als Herausforderung

Das Umlageverfahren ist in der politischen Debatte umstritten. Die Befürworter erachten es als ein nachhaltiges Finanzierungsverfahren, während die Gegner auf Finanzierungsprobleme hinweisen und im Kapitaldeckungsverfahren eine renditeträchtigere Methode sehen. Der Streit entzündet sich vornehmlich an der Altersvorsorge. Der demografische Wandel hat die Rentenversicherung in den letzten Jahren vor erhebliche Probleme gestellt, da sich das Verhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentnern zugunsten der Leistungsempfänger verändert. Während seit geraumer Zeit geburtenschwache Jahrgänge in den Arbeitsmarkt eintreten, kommen geburtenstarke Jahrgänge in das Rentenalter. Die Ausgaben steigen stark an, die Einnahmen halten nicht mit.

Kritiker des Umlageverfahrens betrachten das Kapitaldeckungsverfahren als einzige Lösung. Mit der Riester- und Rürup-Rente als weitere Säule der Altersvorsorge hat der Gesetzgeber entsprechend reagiert. Er hat das Umlageverfahren zwar nicht abgeschafft, aber dessen Bedeutung durch die Kürzungen verringert und mit kapitalgedeckten Versicherungen ergänzt. Die Befürworter sprechen dagegen von einer vorübergehenden Problematik, die auf den Geburtenknick in den 1960ern und 1970ern zurückzuführen sei.

Damals gingen die Geburtenzahlen aufgrund moderner Familienplanung und der Einführung der Antibabypille schlagartig zurück, was sich nun in der Rentenversicherung manifestiert. Die Verteidiger des Umlageverfahrens argumentieren nun, dass sich das Verhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentnern nach einer Übergangsphase von zwei bis drei Jahrzehnten wieder verbessere. Zusätzlich meinen sie, dass sich die Beitragssituation durch folgende Maßnahmen deutlich entspannen könne:

  • höhere Erwerbsquote bei Frauen
  • mehr Beschäftigte und damit Beitragszahler durch Zuwanderung
  • Lohnsteigerungen: Die Beiträge berechnen sich an der Gehaltshöhe, sodass
  • Lohnerhöhungen die Einnahmen der Versicherung erhöhen.
  • Einbezug von Gruppen, die bisher nicht in die Rentenversicherung einzahlen: Das betrifft
  • vor allem Selbstständige und Beamte.
  • zwischenzeitliche, moderate Erhöhung der Beiträge
  • höhere staatliche Zuschüsse für das Rentensystem

Rentenversicherung - Zusammenfassung:

  • Finanzierungsmethode für Sozialversicherungen
  • unmittelbare Verwendung der Beiträge für Leistungen
  • Gegenteil des Kapitaldeckungsverfahrens
  • demografischer Wandel stellt Finanzierung in Frage

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