Tertiärer Sektor

Kurz & einfach erklärt:

Tertiärer Sektor verständlich & knapp definiert

Der tertiäre Sektor liegt in der 3-Sektoren-Hypothese der Volkswirtschaftslehre begründet. Er umfasst alle Dienstleistungen, die durch private oder öffentliche Akteure geleistet werden.

Der tertiäre Sektor umfasst alle Unternehmen und Freiberufler, die Dienstleistungen anbieten. Es handelt sich somit um alle, die keine Sachgüter produzieren. Insbesondere in volkswirtschaftlichen Statistiken und Studien wird dieser Zweig vom primären (vor allem Agrar- und Forstwirtschaft) und sekundären Wirtschaftssektor (Industrie) unterschieden.

Umfang des tertiären Sektors

Der Dienstleistungssektor zeichnet sich durch eine große Vielfalt aus. Zu ihm zählen zum Beispiel Handel, Verkehr, Immobilienvermietung, Finanzdienstleistungen und Tourismus. Auch den Öffentlichen Dienst, die Gesundheitsbranche und Sozialversicherungen rechnen Volkswirtschaftler dem tertiären Sektor zu. Die Bandbreite betrifft nicht nur die Branchen, sondern auch die Größe der Betriebe. Im tertiären Sektor finden sich viele freiberuflich arbeitende Menschen wie Architekten, Anwälte und Ärzte, zugleich gehören zu ihm Großkonzerne wie Banken und Versicherungen mit Zehntausenden Beschäftigten.

Tertiarisierung der Volkswirtschaft

In hoch entwickelten Volkswirtschaften lässt sich eine Tertiarisierung feststellen, der tertiäre Sektor gewann zunehmend an Bedeutung. Heute trägt er in Deutschland und in vielen anderen Staaten wie Großbritannien, Japan und den USA den größten Anteil zum Bruttoinlandsprodukt bei und beschäftigt die meisten Menschen. Bei beiden statistischen Kennzahlen hat der tertiäre Sektor den Industriesektor längst überholt. Deswegen entstand der Begriff der Dienstleistungsgesellschaft im Gegensatz zur Industriegesellschaft beziehungsweise Agrargesellschaft.

Effekte veränderter Unternehmensstrategien

Bei diesem Trend verdient aber Beachtung, dass er auch beträchtlich auf dem Outsourcing als verbreitete betriebswirtschaftliche Strategie beruht. Insbesondere Industriebetriebe haben viele Dienstleistungen, die sie früher intern organisierten, an Dritte ausgelagert. Das gilt für Tätigkeiten wie Kundenbetreuung, Logistik und Werbung. Erledigen Industrieunternehmen diese Aufgaben selbst, zählen sie in der volkswirtschaftlichen Berechnung zum sekundären Sektor. Übernehmen externe Dienstleister diese Tätigkeiten, tauchen die wirtschaftlichen Kenngrößen dagegen im tertiären Sektor auf. Beispiel Beschäftigungszahlen nach Wirtschaftssektoren in einer Stadt: Ein Industriebetrieb entlässt 1.000 Mitarbeiter der Kundenbetreuung, ein neu entstandenes Callcenter mit ebenfalls 1.000 Beschäftigten kümmert sich fortan darum. Die Beschäftigtenzahl im sekundären Sektor sinkt um 1.000, im tertiären Sektor steigt sie um die gleiche Anzahl.

Aussagekraft der Unterscheidung

Es ist umstritten, inwieweit der Begriff des tertiären Sektors in volkswirtschaftlichen Statistiken Sinn macht. Ein hoher regionaler Anteil des Dienstleistungssektors am Bruttoinlandsprodukt sagt zum Beispiel nichts über die vorhandene Wirtschaftskraft aus. Städte wie Frankfurt am Main und London weisen einen hohen Anteil auf, weil sie sich als Zentrum der Finanzbranche mit zahlreichen Großkonzernen mit vielen gut bezahlten Beschäftigten etabliert haben. In anderen Regionen basiert der hohe Dienstleistungs-Anteil dagegen auf Unternehmen mit niedrig bezahlten Mitarbeitern und geringer Wertschöpfung sowie einem schwachen Industriesektor.

Tertiärer Sektor in der Zusammenfassung:

  • Dienstleistungssektor
  • vielfältige Branchen und stark abweichende Größe der Marktteilnehmer
  • in starken Volkswirtschaften bedeutendster Sektor
  • Wachstum basiert auch auf Outsourcing von Dienstleistungen
  • Aussagekraft umstritten

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