Stagflation

Kurz & einfach erklärt:

Stagflation verständlich & knapp definiert

Der Begriff Stagflation setzt sich aus den Wörter Stagnation und Inflation zusammen. Er bezeichnet eine Inflation, die mit wirtschaftlichen Stillstand einhergeht.

Stagflation setzt sich als Kunstwort aus den Begriffen Stagnation und Inflation zusammen und bedeutet, dass diese beiden volkswirtschaftlichen Phänomene in einem Währungsgebiet zeitgleich auftreten. Als Beispiel für eine Phase der Stagflation verdienen die 1970er Erwähnung, als viele Volkswirtschaften unter dem Ölpreisschock litten.

Grund für eine Stagflation

Ausgelöst wird eine Stagflation durch einen Angebotsschock, der die Produktionskosten in der Wirtschaft schlagartig erhöht. 1973 sowie 1979/1980 lag die Ursache im sprunghaften Anstieg des Ölpreises, so erhöhte sich der Preis 1973 innerhalb von zwei Tagen von etwa 3 US-Dollar pro Barrel auf über 12 US-Dollar. Bei einer solchen Kostenexplosion reagieren viele Unternehmen mit sofortigen Sparmaßnahmen, sie drosseln die Produktion.

Infolgedessen reduziert sich bei gleicher Nachfrage in kurzer Zeit das Angebot, dadurch steigen die Preise und damit die Inflationsrate. Andere Firmen geben die gestiegenen Produktionskosten zumindest teilweise an die Verbraucher weiter, auch das wirkt inflationär. Zugleich führt das nicht zu Wirtschaftswachstum, welches meist in Verbindung mit Inflation auftritt. Das liegt an der gedrosselten Produktion. Die damit verbundenen Entlassungen führen zudem zu einer steigenden Arbeitslosigkeit.

Verschärfung durch Lohn-Preis-Spirale

Die Inflationserwartung kann die Stagflation noch verstärken. Gewöhnlich orientieren sich Gewerkschaften in Tarifverhandlungen an der Inflationsrate, sie wollen die Löhne um mindestens diesen Wert steigern. Bei einer Stagflation bedeutet das jedoch hohe Lohnerhöhungen für Unternehmen, die bereits durch einen Angebotsschock unter massivem Kostendruck stehen. Sie können diese Lohnsteigerungen nicht durch Produktivitätsgewinne wettmachen. Die Folge ist, dass sie die gestiegenen Lohnkosten über Preissteigerungen finanzieren wollen oder weitere Einsparungen vornehmen. Beides verschärft die Stagflation.

Stagflationsgefahr gering

Das Risiko einer Stagflation liegt niedrig, das zeigt das Beispiel Ölpreisschock. Es müssen außergewöhnliche Ereignisse eintreten, um eine Stagflation in Gang zu setzen. Es bedarf eines ungewöhnlich heftigen Kostenanstiegs bei einem Gut, welches Produktionsbetriebe in der gesamten Wirtschaft für ihre Geschäftstätigkeit benötigen: Hierfür kommt in diversifizierten Volkswirtschaften nur Energie infrage. Inzwischen spielt dieser Faktor aufgrund energieeffizienter Technologien zudem eine geringere Rolle als in den 1970ern. Zusätzlich gab es damals noch eine stärkere Abhängigkeit von Öl, heute findet sich in vielen Ländern ein hoher Anteil alternativer Energien.

Stagflation - kurz zusammengefasst:

  • gleichzeitiges Auftreten von Stagnation und Inflation
  • Ölpreiskrisen in den 1970ern als Beispiel
  • Ursache: Angebotsschock, starke Erhöhung der Produktionskosten
  • hohe Lohnsteigerungen verschärfen Stagflation
  • Wahrscheinlichkeit einer Stagflation gering

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Themen: VWL

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