Sparparadoxon

Kurz & einfach erklärt:

Sparparadoxon verständlich & knapp definiert

Das Sparparadoxon bezeichnet in der Volkswirtschaft einen Kreislauf, der durch hohe Sparquoten ausgelöst wird. Dadurch bedingt sinkt die Nachfrage nach Konsumgütern, wodurch Unternehmen Verluste erwirtschaften, Mitarbeiter entlassen und Löhne kürzen. Haushalte reagieren hierauf durch weiteres Sparen, um sich gegen die wirtschaftlich schlechten Zeiten abzusichern.

Teilnehmer einer Marktwirtschaft sparen häufig aus persönlichen und nachvollziehbaren Gründen. Allerdings kann das Sparen volkswirtschaftlich gesehen zu weniger Konsum und damit zu Umsatzeinbrüchen führen


Letztlich wiederum führt das zu weniger Produktion und folglich zu sinkenden Einkommen. Durch sinkende Einkommen kann der Teilnehmer letztlich jedoch weniger sparen. Sogar die Aufzehrung der Ersparnisse kann damit verbunden sein. 

Theoretisch sinkt das Produktionsniveau einer Volkswirtschaft so lange, bis das verbleibende Einkommen den Kosten des Lebensunterhalts der Menschen in der Volkswirtschaft entspricht. Dieser Kreislauf wird volkswirtschaftlich auch als Sparparadoxon bezeichnet.

Das Sparen in der Volkswirtschaft

Private Haushalte können ihr Geld aus volkswirtschaftlicher Sicht für zwei Dinge verwenden: Konsum und Sparen. Als Konsum wird dabei auch verstanden, wenn beispielsweise ein Haus gebaut oder ein Auto gekauft wird. All das Geld, das nicht verkonsumiert wird, wird automatisch gespart. Dabei sparen Haushalte einen umso größeren Teil ihres Einkommens, je höher dieses ausfällt. Ein Beispiel:

  • Ein finanziell schwacher Haushalt hat 1.000 Euro netto im Monat zur Verfügung. Nach der Bezahlung von Miete, Lebensmitteln, Kleidung und anderen, alltäglichen Gütern verbleiben nur noch 50 Euro. Diese werden für Luxusgüter ausgegeben.
  • Der gleiche Haushalt verfüge jetzt über 2.000 Euro. Dann erhöhen sich die Ausgaben für Miete, Lebensmittel und Kleidung nur unwesentlich. Zusätzlich werden zwar noch 600 Euro für Freizeit und Luxus ausgegeben, allerdings können jetzt 400 Euro pro Monat gespart werden.

Der Kreislauf des Sparparadoxons

Das Problem an dieser immer stärker steigenden Sparquote ist, dass das Geld dem Wirtschaftskreislauf auf kurze Sicht entzogen wird. Angenommen, alle Haushalte bekommen mehr Einkommen von ihren Arbeitgebern. Dann entschließen sie sich dazu, einen größeren Teil ihres Einkommens zu sparen als bisher. Hierdurch sinkt die gesamtwirtschaftliche Konsumnachfrage, was wiederum zu Einbußen bei den Unternehmen führt.

Folglich kommt es zu Lohnkürzungen oder Entlassungen, die die Sparquote aber nicht wieder senken. Vielmehr haben die privaten Haushalte Angst, ihren Lebensstandard in Zukunft nicht mehr halten zu können. Sie befürchten schlechte Zeiten und sparen daher noch mehr Geld, um auf eine mögliche Arbeitslosigkeit reagieren zu können. Das führt wiederum zu noch weniger Konsum, erneuten Entlassungen und weiterem Sparen. Beendet wird dieser Kreislauf erst dann, wenn das Lohnniveau so gering ist, dass die Haushalte kein Kapital mehr sparen können. Schließlich müssen aller Krisen zum Trotz weiterhin Nahrungsmittel gekauft und Mieten bezahlt werden.

Sparparadoxon – Definition & Erklärung – Zusammenfassung

  • Das Sparparadoxon entsteht durch eine zu hohe Sparquote
  • Diese sorgt für einen Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage
  • Dadurch erwirtschaften Unternehmen Verluste, entlassen Mitarbeiter und senken Löhne
  • Haushalte reagieren durch weiteres Sparen, um sich gegen wirtschaftlich schlechte Zeiten abzusichern

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Themen: VWL

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