Schneeballsystem


Kurz & einfach erklärt:

Schneeballsystem verständlich & knapp definiert

Der Begriff "Schneeballsystem" wird für Geschäftsmodelle verwandt, deren Funktionsfähigkeit wesentlich auf einer exponentiell wachsenden Teilnehmerzahl beruht. Oft - aber nicht zwangsläufig - handelt es sich um ein mehrstufiges System. Fast immer tragen die Teilnehmer durch eigene finanzielle Beiträge (Kapitaleinlagen, Gebühren, Provisionen) zum Funktionieren des Systems bei. Da das Modell auf Wachstum angewiesen ist, hat sich der Vergleich mit einem Schneeball, der beim Hinunterrollen am Hang immer größer wird, als Bild eingeprägt - daher die Bezeichnung "Schneeballsystem".
Der Aufbau eines Schneeballsystems
Da es bei den meisten Geschäftsmodellen natürliche Grenzen des Wachstums gibt, trägt fast jedes Schneeballsystem den Keim des Untergangs in sich. Wenn nicht mehr genügend neue Teilnehmer gewonnen werden können, die mit ihren Beiträgen das System finanzieren und am Laufen halten, kollabiert das Geschäftsmodell. Sehr viele Schneeballsysteme sind auf Betrug angelegt. Das ist der Grund, warum Schneeballsysteme in der Regel verboten sind. Eine harmlose Variante, die nach dem gleichen Prinzip funktioniert, ist der klassische Kettenbrief.

Abgrenzung zu Strukturvertrieb und Multi-Level-Marketing

Legale Modelle, die ähnlich aufgebaut sind wie ein Schneeballsystem, finden sich bei Strukturvertrieben und im Bereich des Multi-Level-Marketings. Solche Pyramidensysteme sind aber theoretisch auch dann funktionsfähig, wenn das Wachstum sich abschwächt oder sogar ganz ausbleibt. Der erfolgreiche Verkauf bzw. die Vermarktung von Produkten oder Leistungen steht im Vordergrund, weniger die Finanzierung durch immer neue Teilnehmer. Allerdings können die Grenzen zu einem betrügerischen Schneeballsystem fließend sein.

Schneeballsystem und Ponzi-Schema

Ein Spezialfall eines Schneeballsystems ist das sogenannte Ponzi-System oder Ponzi-Schema. Häufig werden die Begriffe "Schneeballsystem" und "Ponzi-System" synonym verwandt. Manchmal wird das Ponzi-Schema aber auch als eigenständiges System neben dem Schneeballsystem gesehen. Charles Ponzi war ein italienischer Einwanderer, der in den 1920er Jahren in den USA ein großes Vermögen ergaunerte. Dabei lockte er seine Kunden mit phantastischen Rendite-Versprechen (50 Prozent Rendite in 45 Tagen, Verdoppelung des Einsatzes in drei Monaten).
Das Ponzi-System fand zahlreiche Nachahmer

Dabei ging und geht es bevorzugt um vermeintlich renditeträchtige Finanzanlagen. Am Anfang erhalten die Teilnehmer dabei tatsächlich die in Aussicht gestellten Ausschüttungen, um weitere Anleger anzulocken. Die Ausschüttungen werden aber nicht durch Gewinne aus dem eingesetzten Kapital finanziert, sondern durch die Einlagen neu gewonnener Anleger. Der Initiator des Ponzi-Systems profitiert selbst durch die Zweckentfremdung von Anlegergeldern zu seinen Gunsten. Sobald nicht mehr genügend neue Teilnehmer hinzukommen, bricht das Ponzi-System zusammen.

Mehrstufigkeit ist oft Voraussetzung

Mit anderen Schneeball-Systemen hat das Ponzi-System gemeinsam, dass immer mehr Teilnehmer erforderlich sind, die mit ihrem Geld die Funktionsfähigkeit aufrechterhalten. Beim Ponzi-Schema interagieren die Teilnehmer unmittelbar mit dem Initiator des Systems, das ist bei "normalen" Schneeballsystemen nicht unbedingt der Fall. Hier ist eher ein mehrstufiger Aufbau typisch, bei dem die Teilnehmer einer Stufe mit ihren Beiträgen die Erträge auf höhergelagerten Stufen finanzieren. Der eigentliche Initiator bleibt dabei oft verborgen, es besteht immer nur Verbindung zur nächsthöheren Stufe.

Solche Schneeballsysteme werden häufig im Zusammenhang mit Produktvertrieb initiiert. Dabei sollen überteuerte oder wenig attraktive Produkte verkauft werden. Um das Produkt verkaufen zu dürfen, ist ein einmaliges Investment erforderlich (Lizenzerwerb, "Einkauf" der Ware). Jeder Teilnehmer ist dabei neben dem eigenen Produktverkauf gehalten, neue Teilnehmer zu werben, die mit in den Vertrieb einsteigen. Zum Teil dürfen die Produkte auch nur an weitere System-Teilnehmer verkauft werden. Jeder Teilnehmer erhält für die Teilnehmer-Werbung auf nachgelagerten Stufen einen "Erfolgsanteil". Das ist gleichzeitig ein Anreiz, neue Teilnehmer zu gewinnen. Am meisten profitiert, wer am längsten dabei ist - im Zweifel der Initiator. Verlierer sind vor allem Teilnehmer auf den letzten Stufen.

Spektakuläre Schneeball- und Ponzi-Systeme

Es gibt zahlreiche Beispiele für Schneeball- und Ponzi-Systeme. Hier eine kleine Auswahl:
  • die Spitzedersche Privatbank von Adele Spitzeder in der Gründerzeit gilt als ältestes Beispiel eines Ponzi-Systems in Deutschland und wurde noch vor dem Ponzi-Fall "erfunden"
  • der größte Fall eines Ponzi-Schemas ist das vom ehemaligen Börsenmakler Bernard L. Madoff aufgebaute System. Unter Vorspiegelung von Hedgefonds wurden Anleger um rd. 65 Mrd. US-Dollar geschädigt
  • das Geschäftsmodell des ehemaligen Unternehmens FlowTex im badischen Ettlingen (Verkauf von Horizontalbohrmaschinen über ein Leasing-Modell) funktionierte wie ein Schneeballsystem
  • als Schneeballsystem wird auch der frühere Dresdner Finanzdienstleister Infinus AG gesehen, der Genussrechte und Orderschuldverschreibungen über den Grauen Kapitalmarkt vertrieb

Zusammenfassung Schneeballsystem

  • Schneeballsysteme basieren auf einer exponentiell wachsenden Zahl von Teilnehmern, die das System aufrechterhalten und finanzieren
  • oft steht eine betrügerische Absicht dahinter, daher sind Schneeballsysteme in der Regel verboten
  • viele Schneeballsysteme funktionieren mit einem mehrstufigen Aufbau, ein Sonderfall ist das Ponzi-System

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