Refinanzierungsrisiko


Kurz & einfach erklärt:

Refinanzierungsrisiko verständlich & knapp definiert

Ein Refinanzierungsrisiko entsteht dann, wenn liquide Mittel schnellstmöglichst benötigt werden, diese aber nur zu einem erhöhten Zinssatz beschafft werden können. Beispiele sind die ausbleibende Tilgung von Krediten oder nach Auslauf eines Festzinses die Erhöhung des Zinses eine Kredites.
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Das Refinanzierungsrisiko bezeichnet allgemein das Risiko, eine benötigte Anschlussfinanzierung nicht oder nur zu deutlich schlechteren Konditionen erhalten zu können. Es entsteht dann, wenn Vermögenswerte mit fremden Mitteln finanziert werden, die schneller zurückzuzahlen sind als der jeweilige Vermögenswert Kapital bindet. Dann sind später Ersatzfinanzierungen notwendig, deren Konditionen heute unsicher sind.

Im privaten Bereich treten Refinanzierungsrisiken insbesondere im Zusammenhang mit Immobilienfinanzierungen auf. Hierfür werden üblicherweise langfristige Hypothekendarlehen eingesetzt. Allerdings sind die Zinsen oft nicht über die gesamte Laufzeit fest, sondern werden nach Auslaufen einer Zinsbindungsfrist neu festgelegt. Wenn das Marktzinsniveau zwischenzeitlich gestiegen ist, kann die Anschlussfinanzierung nur zu höheren Zinsen erfolgen, was für den Kreditnehmer eine zusätzliche Kostenbelastung bedeutet.

Eine Möglichkeit zur Absicherung gegen solche Refinanzierungsrisiken bieten Forward-Vereinbarungen. Mit einer Forward-Vereinbarung werden die Konditionen der künftigen Anschlussfinanzierung bereits heute festgelegt. Dadurch wird das durch möglicherweise steigende Zinsen entstehende Refinanzierungsrisiko ausgeschlossen. Sollten die Zinsen allerdings sinken, hätte der Kreditnehmer das Nachsehen. Denn er müssten dann die Anschlussfinanzierung auch zu schlechteren Konditionen als am Markt üblich abnehmen.

Refinanzierungsrisiken bei Finanzdienstleistern


Refinanzierungsrisiken gehören zu den klassischen Risiken des Bankgeschäfts. Das Geschäftsmodell der Kreditinstitute besteht unter anderem darin, Einlagen ihrer Kunden und sonstige Fremdmittel mit kürzeren Laufzeiten längerfristig auszuleihen oder anzulegen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Fristentransformation. Die Banken wollen dabei davon profitieren, dass für längerfristig zur Verfügung gestelltes Kapital in der Regel höhere Zinsen gezahlt werden als für kurzfristig bereitgestellte Mittel. Die daraus resultierende Zinsdifferenz ist eine wichtige Ertragsquelle der Institute.

Steigen die Zinsen innerhalb eines überschaubaren Zeitraums relativ stark an, funktioniert dieses Modell aber nicht mehr. Dann müssen die Banken ihre längerfristigen Ausleihungen in zunehmendem Umfang mit teureren Mitteln refinanzieren, was die Ertragslage erheblich belastet. Am extremsten zeigt sich das Refinanzierungsrisiko dann, wenn Bankkunden in großem Umfang kurzfristig jederzeit verfügbare Gelder abrufen. Wegen der Fristentransformation kann dies zu erheblichen Liquiditätsschwierigkeiten führen. Diese Konstellation des "Bank Run" tritt vor allem in Krisenzeiten auf und kann für ein Geldhaus existenzbedrohend sein. Auch in anderen Bereichen der Finanzindustrie gehören Refinanzierungsrisiken zu typischen Geschäftsrisiken. Betroffen sind insbesondere Bausparkassen und Lebensversicherungen, aber auch andere Versicherungszweige.

Bei Unternehmen Refinanzierungsrisiken erkennen


Bei anderen Unternehmen wird das Refinanzierungsrisiko vor allem durch das jeweilige Finanzmanagement bestimmt. In der Regel bemüht man sich um fristenkongruente Refinanzierung. Das heißt, Investitionen mit langfristiger Kapitalbindung werden entsprechend langfristig refinanziert. Dadurch kann das Refinanzierungsrisiko minimiert werden. Um festzustellen, ob bei einem Unternehmen Refinanzierungsrisiken bestehen, werden im Rahmen der Bilanzanalyse bestimmte Bilanzstrukturen näher betrachtet. Besondere Bedeutung besitzen hier die Goldene Bilanzregel bzw. die Goldene Finanzierungsregel.

Zusammenfassung Refinanzierungsrisiko

  • das Refinanzierungsrisiko ist das Risiko, eine notwendige Anschlussfinanzierung nicht oder nur zu ungünstigen Konditionen zu erhalten;
  • im privaten Bereich tritt es vor allem bei Baufinanzierungen auf;
  • das Eingehen von Refinanzierungsrisiken ist ein Teil des Geschäftsmodells von Banken und anderen Finanzdienstleistern.


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