Ratingverfahren

Kurz & einfach erklärt:

Ratingverfahren verständlich & knapp definiert

Ein Ratingverfahren ist eine Methode zur Beurteilung von Merkmalen. Dabei wird eine Skala angelegt, anhand deren die Merkmale dann eingestuft werden. So kann auch eine Rangreihenfolge erstellt werden.

Interne und externe Ratingverfahren dienen der Bonitätsbewertung (siehe Bonität) eines potenziellen Kreditnehmers. Die dabei ermittelte Ratingnote wird je nach angewandetem Verfahren in Buchstaben oder Zahlen ausgewiesen. Die Ratingnote drückt dabei die statistische Ausfallwahrscheinlichkeit auf der Basis von objektiv ermittelten Faktoren aus. Das Ratingverfahren wird ergänzend zur Jahresabschlussanalyse bei der Kreditwürdigkeitsprüfung angewandt und mit den dort erhaltenen Ergebnissen kombiniert. 

Definierung der Ausfallwahrscheinlichkeit

Im Sinne der Bankenaufsicht ist ein Kredit bereits dann ausgefallen, wenn die Rückzahlung als gefährdet gilt. Der gefährdete Kredit muss dabei vom Kreditgeber nicht endgültig abschreiben. Die Ausfallwahrscheinlichkeit stellt also nicht dar, dass der beurteilte Kreditkunde den vergebenen Kredit tatsächlich nicht zurückzahlt. Vielmehr ist es eine Aussage, wie viel Prozent der ebenso benoteten Kredite ausfallen werden. 


Beispiel: Eine fiktive Ratingnote von 8 birgt eine Ausfallwahrscheinlichkeit von 5%. Dies bedeutet, dass 5 von 100 vergebenen Krediten in den nächsten 12 Monaten ausfallen werden. Welche 5 Kredite davon im einzelnen betroffen sind, kann durch das Ratingverfahren nicht definiert werden. 

Ziele des Ratingverfahren

Mit dem Einsatz eines Ratingverfahren zur Kreditwürdigkeitsprüfung werden vier grundlegende Ziele verfolgt. 

Objektive Kreditentscheidung

Die Vergabe des Kredites stützt sich auf einheitliche Faktoren, welche für den Kunden nachvollziehbar dargestellt werden. Die Ermittlung der Faktoren erfolgt durch mathematisch-statische Verfahren, welche sich auf vergangene, branchenbezogene Beobachtungen beziehen. 

Risikogerechte Preisbildung

Die Ausfallwahrscheinlichkeit, welche sich aus dem Rating ergibt fließt in die Berechnung des angebotenen Kreditzinssatz ein. Hierbei führt eine schlechte Ratingnote zur einer Zinssatzerhöhung, welche das Ausfallrisiko verdeutlicht. Eine gute Ratingnote und ein entsprechend geringes Ausfallrisiko vermindern den Kreditzins. 

Risikomanagement 

Jedes kreditgebende Institut legt eine Mindestnote fest, welche im Ratingverfahren zu erreichen ist. Wird diese nicht erreicht, erfolgt keine Kreditvergabe. So erfolgt eine Risikosteuerung und in Folge dessen ein umsetzbares Risikomanagement für das gesamte Kreditgeschäft. 

Bankaufsichtsrechtliche Vorgaben

Die Ausfallwahrscheinlichkeit ist durch die Bankenaufsicht definiert. Daher ist die im Ratingverfahren ermittelte Ausfallwahrscheinlichkeit des Kredites hier ausschlaggebend. Anhand der Ermittlung erfolgt die Berechnung der Eigenkapitalunterlegung, welche für kreditgebende Institute vorgeschrieben ist. 

Welches Ratingverfahren eingesetzt wird und welche Fakten zur Ratingnotenberechnung verwendet werden, hängt vom kreditgebenden Institut ab. Zudem gibt es Ratingagenturen, welche externe Ratingverfahren anbieten und dem Kreditgeber die Ergebnisse zur Verfügung stellen. 

Inhalt des Ratingverfahren im Firmenkundenbereich

Bei der Kreditvergabe im Firmenkundenbereich werden zwei Ratingbestandteile für das Gesamtverfahren benötigt. Hier besteht das Ratingverfahren aus dem Finanzrating und dem qualitativen Rating. 

Finanzrating

Das Finanzrating des zu beurteilenden Unternehmens ergibt sich aus der Jahresabschlussanalyse. Im Rahmen der Bilanzanalyse werden Kennzahlen ermittelt, welche zur Bonitätsbeurteilung im Brachen – und Zeitvergleich dienen. Hierbei werden besonders die Eigenkapitalquote, die Umsatzrentabilität, der Cashflow und der Anlagendeckungsrad berücksichtigt. 

Qualitatives Rating

Der zweite Bestandteil des verwendeten Ratingverfahrens wird auf der Basis der Kundenbefragung erstellt. Die vom Kunden zur Verfügung gestellten Informationen dienen der Erkenntnisgewinnung und werden mittels eines im Vorfeld erstellten Fragebogens verarbeitet. Hierbei werden unter die Schwerpunkte Branchenprognose und Produktpalette im Bezug auf das Unternehmen gelegt. Zudem erfolgt die persönliche Beurteilung des Geschäftsführers oder des Führungsstabes unter Berücksichtung von Faktoren wie der Schulbildung und weiterführenden Qualifikationen. 

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Themen: Börse

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