Martingale Systeme


Kurz & einfach erklärt:

Martingale Systeme verständlich & knapp definiert

Der Begriff Martingale bezeichnet sowohl eine Spielstrategie im Glücksspiel oder Trading als auch das zugrunde liegende stochastische Prinzip. Martingale-Systeme basieren auf der Erhöhung (meist Verdopplung) des Einsatzes im Verlustfall. Als Strategie ist Martingale seit dem 18. Jahrhundert belegt. Martingale kam ursprünglich im Pharo und beim Roulette zum Einsatz. Auch im Trading mit unterschiedlichen Finanzprodukten findet die Strategie Anwendung.

Martingale-Strategie im Überblick

Begrifflich leiten sich Martingale-Systeme von der provenzalischen Stadt Martigues (Carmargue) ab. Die Einwohner galten als waghalsig, weshalb der geflügelte Ausdruck "jouga a la martegalo" für eine risikoreiche Spielweise steht. Dank der weiten Verbreitung in Spielen wie Pharo und Roulette leiteten sich Martingale-Theorien von der Spielstrategie ab. Diese stellen ein eigenständiges Teilgebiet der Wahrscheinlichkeitstheorie dar. Der Mathematiker Paul Lévy führte den Begriff in die Stochastik ein.

Martingale Systeme: Prinzip und Funktionsweise

Die bekannteste und am weitesten verbreitete Form der Martingale-Systeme ist das Verdoppeln oder Doublieren. Eine verbreitete Bezeichnung für die Martingale lautet daher Verdoppelungsstrategie. Das Prinzip besteht darin, in jedem Verlustfall den Einsatz im nächsten Spiel zu verdoppeln, bis ein Gewinn erzielt wird. Im Gewinnfall setzt der Spieler den Einsatz wieder auf das ursprüngliche Niveau. Kommt es zum Gewinn, werden zum einen die bisher entstandenen Verluste ausgeglichen und zum anderen entsteht ein Gewinn in Höhe des ursprünglichen Einsatzes.

Aufgrund des ursprünglichen Einsatzgebietes der Martingale im Roulette eignet sich dieses Glücksspiel zur Veranschaulichung der Funktionsweise. Ein Spieler setzt beispielsweise ein Stück auf Rot. Die Kugel bleibt auf Schwarz liegen. Der Spieler verliert entsprechend seinen Einsatz. Nun nimmt er seine erste Martingale-Progression vor und setzt zwei Stücke auf Rot. Er doubliert also seinen Einsatz. Landet die Kugel nun auf Rot, so gewinnt er die zwei Stücke.

Damit gleicht er den Verlust aus der ersten Runde aus und macht ein Stück Gewinn. Tritt in der zweiten Runde hingegen wieder ein Verlust ein, so würde der Martingale-Spieler in der dritten Runde vier Stücke auf Rot setzen, also den Einsatz erneut verdoppeln.

Theoretisch lässt sich dieses Spielstrategie beliebig lange fortsetzen. Der Spieler verdoppelt nach jedem Verlust den Einsatz und wird im Gewinnfall stets alles Verlorene ausgleichen und dazu ein Stück Gewinn erhalten. Bei mehreren Spielen in Folge steigt die Wahrscheinlichkeit, eines der Spiele zu gewinnen. Dies bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit, alle Spiele in Folge zu verlieren, mit der Anzahl der Spiele immer geringer wird. Der mögliche Gewinn ist in diesem Beispiel stets der gleiche (ein Stück), während der mögliche Verlust aufgrund der steigenden Einsätze immer größer wird.

In der Praxis stößt die Martingale aufgrund mehrerer Faktoren an ihre Grenzen. Die wichtigsten sind das zur Verfügung stehende Kapital sowie das Einsatz-Maximum (festgelegt durch die Spielbank).

Martingale-Systeme im Trading

Martingale-Strategien sind vielseitig anwendbar. Im Trading kommt die Martingale besonders auf Devisen-Märkten (Forex) zum Einsatz. Auch der Handel mit Aktien oder Hebelprodukten ist unter Nutzung einer Martingale möglich. Beim Beispiel Forex handelt der Trader mit Währungspaaren, er setzt also auf den Kursgewinn einer Währung gegenüber einer anderen.

Die Martingale lässt sich unabhängig von der Art der Währungspaare sowie von den Zeitfenstern anwenden.

Beim Handel mit Finanzprodukten wählt der Trader eine bestimmte Position und setzt eine Order unter Nutzung von Stop Loss und Take Profit im selben Abstand. Kommt es zum Verlust (Stopp Loss wird ausgelöst), verdoppelt er seinen Einsatz, wählt also eine doppelte Positionsgröße. Kommt es zum Gewinn (Take Profit wird ausgelöst), setzt der Trader eine neue Order mit ursprünglichem Einsatz. Auch hier steht der steigenden Gewinnwahrscheinlichkeit mit jeder Order ein immer größerer möglicher Verlust entgegen.

Martingale Systeme - Chancen und Risiken

In der Wahrscheinlichkeitstheorie stellt die Martingale ein sicheres System dar, da die Gewinnwahrscheinlichkeit schon bei wenigen Wiederholungen eine sehr hohe ist. Ein einziger Gewinn genügt zum Ausgleich aller vorherigen Verluste und zur Erzielung eines kleinen Gewinns. Schon nach wenigen Wiederholungen ist eine attraktive Eintrittswahrscheinlichkeit des gewünschten Ereignisses gegeben.

Zu berücksichtigen ist jedoch, dass die stete Verdoppelung des Einsatzes den möglichen Verlust ebenso schnell (exponentiell) anwachsen lässt. Die mögliche Gewinnsumme bleibt zudem gleich, während der mögliche Verlust unverhältnismäßig stark anwächst.

Das Verhältnis aus möglicher Gewinnsumme und möglicher Verlustsumme wird demnach mit jeder Wiederholung weniger attraktiv

Bei mehrmals wiederholtem Verlust ist das Startkapital schnell aufgebraucht, sodass der Totalverlust droht. Weiterhin stellen Einsatzlimits ein Problem dar. Die Martingale lässt sich nicht weiter anwenden, wenn der Einsatz ab einem gewissen Punkt nicht mehr verdoppelt werden darf. Ein Ausgleich bisher entstandener Verluste ist dann nicht mehr möglich. Unter der Voraussetzung, dass ein Spieler oder Anleger über ein unendliches Kapital verfügt und es keine Grenze für den maximalen Einsatz gibt, führt die Martingale auf sichere Weise zum Gewinn. Diese Voraussetzungen sind in der Praxis jedoch nicht gegeben, weshalb die Strategie als problematisch gilt.

Martingale Systeme Zusammenfassung

  • einfache Spielstrategie mit Erhöhung der Einsätze im Verlustfall
  • schnell wachsende Gewinnwahrscheinlichkeit bei mehreren Wiederholungen
  • schnell wachsender möglicher Verlust bei mehreren Wiederholungen
  • Martingale Systeme sind in der Praxis nur beschränkt anwendbar
  • erfordert hohes Startkapital

 


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