Insolvenzbilanz


Kurz & einfach erklärt:

Insolvenzbilanz verständlich & knapp definiert

Die Insolvenzbilanz ist eine Form der Finanzberichtserstattung, die Voraussetzung ist, ein Insolvenzverfahren einzuleiten. Im Rahmen der Bilanzierung wird eine aktuelle Bestandsaufnahme von Vermögensgegenständen und Verbindlichkeiten erstellt, um die Fortführungschancen der von der Insolvenz betroffenen Unternehmung bewerten zu können.

Bei der Insolvenzbilanz handelt es sich um eine Form der Finanzberichterstattung bzw. Rechnungslegung, die zwingend vorgeschrieben ist und umfangreichen gesetzlichen Regelungen unterliegt. Hauptziel der Insolvenzbilanz ist die aktuelle Bestandsaufnahme der Vermögensgegenstände und Verbindlichkeiten, um eine Entscheidung hinsichtlich der Fortführungschance des Unternehmens treffen zu können.

Ohne Bestandsaufnahme ist kein Insolvenzverfahren möglich


In der öffentlichen Meinung oder Berichterstattung wird eine Insolvenz oftmals gleich gesetzt mit der Zerschlagung und Betriebseinstellung eines Unternehmens. Dies ist aber nicht richtig! Beim Insolvenzverfahren kann unterschieden werden zwischen den Insolvenzverfahren mit dem Ziel der Geschäftsfortführung und dem Insolvenzverfahren, bei dem mangels Zukunftsaussicht für das Unternehmen lediglich die Verbindlichkeiten in einem geordneten Verfahren bedient werden müssen.

Die Insolvenzbilanz bzw. Vermögensaufstellung ist ein wesentliches Hilfsmittel und unterstützt den vom Gericht bestellten Insolvenzverwalter bei seiner Tätigkeit. Diesem Vermögensverzeichnis werden die Forderungen der Gläubiger gegenüber gestellt, die auf eine gesetzlich geregelte Art und Weise in eine Reihenfolge gebracht werden.

Bei der Bedienung der Ansprüche werden die im Vermögensverzeichnis bzw. der Insolvenzbilanz verzeichneten Gegenstände in folgende Kategorien aufgeteilt:


 

  • Vermögensgegenstände, die aufgrund bestehender Rechte der Gläubiger aus der allgemeinen Insolvenzmasse ausgesondert werden
  • Verwertbare bzw. der Insolvenzmasse zuzuordnende Vermögensgegenstände
  • Forderungen und Guthaben bei Banken und Kreditinstituten bzw. Barmittel

Ziel dieser Bestandsaufnahme ist eine möglichst gerechte Bedienung aller Gläubiger, die ihre Forderungen rechtsgültig angemeldet haben und deren Ansprüche sich dann im Verteilungsverzeichnis gem. § 188 InsO wiederfinden.

 

Weitere Funktionen der Vermögensaufstellung bzw. Insolvenzbilanz


Die exakte Erfassung des Vermögens des sich in Insolvenz befindlichen Funktionen kann neben einer rein abwicklungstechnischen Funktion weitere Funktionen erfüllen, die sich sogar positiv auf die Fortführungschance eines Unternehmens auswirken können. Der Insolvenzverwalter kann insbesondere bei Gläubigern mit höheren Forderungen nachhaken, wie es denn mit Teilzahlungsvergleichen oder einem teilweisen Forderungsverzicht aussieht. Dies mit der nachvollziehbaren Argumentation, dass bei einer Fortführung langfristig eine höhere Tilgung der Forderungen zu erwarten ist als bei einer sofortigen Insolvenz. Deshalb kann die Insolvenzbilanz auch Startpunkt der Gesundung bzw. der Sanierung eines Unternehmens sein.

Auch im Hinblick auf die Verhandlungen mit dem Betriebsrat können die Zahlen wichtige Argumente liefern: Ist das Unternehmen nicht komplett überschuldet und hat nur einen vergleichsweise geringen monatlichen Verlust? Dann kann der Insolvenzverwalter mit dem Betriebsrat über einen Sanierungstarifvertrag verhandeln und das Unternehmen dank geringerer Löhne und erhöhter Wettbewerbsfähigkeit in Zukunft profitabler arbeiten.

Zusammenfassung Insolvenzbilanz - die unterschiedlichen Funktionen erfüllt:

 

 

  • Sie ist Basis für ein ordnungsgemäßes Insolvenzverfahren
  • Sichert durch strukturierte Abbildung der Vermögensgegenstände ein geordnetes Verfahren
  • Kann Fundament für einen Neubeginn bzw. eine Fortführung sein

 



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