Desinvestitionen

Kurz & einfach erklärt:

Desinvestitionen verständlich & knapp definiert

Die Desinvestition ist das Gegenstück zur Investition. Anders als in Vermögensgegenstände zu investieren, werden diese also aufgelöst/veräußert. Im Gegenzug wird das darin gebundene Kapital freigesetzt, wodurch sich wiederum die liquiden Mittel des Unternehmens oder der Person steigern. In der Wirtschaft wird dieser Vorgang zu den sogenannten "Innenfinanzierungen" gezählt, da das zuvor gebundene Kapital nicht verloren geht, sondern lediglich in frei verfügbare (liquide) Geldmittel umgewandelt wird, welche dann wiederum an anderer Stelle neu verteilt und verwaltet werden.

Typische Gründe für Desinvestitionen in der Praxis

Eine Desinvestition ist in der Wirtschaft kein seltener Vorgang, wobei es vor allem Unternehmen sind, die diese häufiger nutzen. Bekannte Gründe, um bestehende Vermögenswerte aufzulösen, sind beispielsweise:

  • die Vermögenswerte sind unrentabel oder haben die Erwartungen bezüglich der Rendite nicht erfüllt
  • das Unternehmen möchte seine Rentabilität steigern, indem alte Vermögenswerte zu Gunsten anderer Anlagen mit höherer Rendite aufgelöst werden
  • es werden dringend liquide Mittel benötigt, die Aufnahme eines Kredits hierzu soll aber verhindert werden
  • bei Unternehmen können Anteilseigner und Aktionäre aus verschiedenen Gründen eine Abstoßung von Vermögenswerten fordern
  • ein Teil des Unternehmens (eine Sparte) wird verkauft
  • zum Erreichen steuerlicher Vorteile, was insbesondere Konzerne betrifft und in der Praxis als "Sale and Lease back" bezeichnet wird
Bei Privatpersonen ist eine Desinvestition mit keinen nennenswerten Nachteilen verbunden. Speziell bei Unternehmen muss aber abgewogen werden, ob diese durch die Veräußerung nicht teilweise handlungsunfähig werden, beispielsweise wenn eine wichtige Sparte oder ein Patent veräußert werden, die eigentlich weiterhin im Unternehmen benötigt werden. Die Innenfinanzierung muss aus Sicht des Unternehmens folglich in einer Form erfolgen, bei der die weitere Handlungsfähigkeit nicht eingeschränkt wird.

Voraussetzungen und Ablauf

Voraussetzungen und Ablauf von Desinvestitionen
Damit überhaupt Kapital freigesetzt werden kann, muss dieses zu einem vorherigen Zeitpunkt natürlich erst einmal in bestimmte Anlagen investiert worden sein. Weiterhin ist zu beachten, ob nicht unter Umständen vertragliche Bedingungen mit der Auflösung verletzt werden. Ist das der Fall, ist festzustellen, ob eine Desinvestition unter diesen Voraussetzungen überhaupt möglich ist und falls ja, wie eventuelle Vertragsstrafen die Rentabilität solch einer geplanten Auflösung beeinflussen.

Speziell bei Unternehmen werden die Desinvestitionen zudem immer an im Vorfeld definierte Ziele geknüpft, denn eine Umkehr von der Anlage hin zu liquiden Mitteln ist im Regelfall vor allem langfristig nicht sinnvoll, da reine liquide Mittel keine Verzinsung oder anderweitige Rentabilität erzielen. Weiterhin wird festgelegt, welcher reine Geldwert durch solch eine Auflösung unbedingt erzielt werden muss. Ist dieser nicht zu erreichen, werden die geplanten Desinvestitionen unter Umständen abgesagt oder verschoben. Ebenso wird diese Form der Innenfinanzierung bei Unternehmen oftmals von einem Rechtsbeistand begleitet. Teilweise ist noch eine Absegnung durch den Vorstand oder vergleichbare Institutionen im Unternehmen selbst notwendig.

Formen der Desinvestition

Das übergeordnete Ziel ist natürlich stets das Freisetzen von weiterem, nicht gebundenem Kapital. Weitere Gründe können aber ebenso in geplante Desinvestitionen einspielen und werden auch häufig genutzt. So ist es keine Seltenheit, dass ein Unternehmen sich von einer internen Sparte oder einem bestimmten Produkt und damit verbundenen Maschinen trennt, wenn dieses als ethisch bedenklich eingestuft wird. Das Unternehmen kann durch die Desinvestitionen so nicht nur Kapital freisetzen, sondern zugleich die eigene Reputation verbessern.

Auch politisch motivierte Desinvestitionen sind eine Form, bei der es vor allem darum geht, bestimmte Regionen und/oder Länder wirtschaftlich zu destabilisieren. Insbesondere institutionelle Anleger sehen sich mitunter politisch gedrängt, ihre Investitionen aus einem Unternehmen in einem Drittstaat zurückzuziehen, wenn der eigene Heimatstaat beispielsweise Sanktionen gegenüber diesem Drittstaat ausgestellt hat. Das Zurückziehen der Investition soll dann eine Art "Bestrafung" sein, idealerweise mit dem Zweck die wirtschaftliche Stabilität zu reduzieren, folglich also den Sinn dieser Sanktionen zu untermauern.

Die Ziele im Überblick

Eine Vielzahl von Zielen könnte den Ausschlag für nachfolgende Desinvestitionen geben. Nennenswerte Beispiele sind an dieser Stelle unter anderem:

  • geplante Finanzierungen, für die weiteres Geld benötigt wird
  • eine komplette Neustrukturierung von einem Portfolio oder einem Unternehmen
  • das Tilgen von aufgekommenen Schulden ohne Kreditaufnahme
  • Steigerung der Liquidität
  • Investitionen beliebiger Art
  • eine Unternehmensauflösung inklusive der Befriedigung der Gläubiger
Je nach den definierten Zielen können sich folglich verschiedene Vor- und Nachteile aus solchen Desinvestitionen ergeben, die es im Vorfeld abzuwägen gilt und die immer individuell von der Situation abhängig sind. Speziell bei Unternehmen ist zu berücksichtigen, dass vor allem große Konzerne nicht selten erst die Zustimmung durch eingesetzte Wächter (Kommissionen oder generell dem Staat) einholen müssen.

Zusammenfassung "Desinvestitionen"

  • Gegenstück zur Investition
  • gebundenes Kapital wird in frei verfügbare Geldmittel umgewandelt
  • kann von Privatpersonen und Unternehmen genutzt werden
  • an verschiedene Ziele geknüpft

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Themen: Wirtschaft

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