Kapitalflussrechnung mit Beispielen, direkte / indirekte Methode, Berechnung


notes Inhalte

Wenn wir das Wort „Kapitalflussrechnung“ verstehen wollen, zerlegen wir es einfach in seine Bestandteile. Prinzipiell besteht es aus den Begrifflichkeiten „Kapital“, „Fluss“ und „Rechnung“. Wir fassen den ersten und zweiten Begriff zu „Kapitalfluss“ zusammen und legen den letzten Begriff „Rechnung“ daneben. Also „Kapitalfluss“ „Rechnung“. Es geht also um ein Rechnungsverfahren, welches den Kapitalfluss (Zu- und Abfluss von Zahlungsströme) eines Unternehmens darstellt.

Der schlaue BWLer weiß, dass zum Kapital auch materielle Vermögensgegenstände, wie etwa Maschinen, Bauwerke, Fuhrpark usw. gehören. Daher wird die Kapitalflussrechnung auch als Cashflow-Rechnung oder Geldflussrechnung bezeichnet, weil eben nur die Zahlungsströme transparent dargestellt werden sollen.

Gemäß ihrer Definition ist die Kapitalflussrechnung ein „Instrumentarium zur Abbildung der Zahlungsströme im Unternehmen“. Die Kapitalflussrechnung ist in ihrer Eigenschaft also klar zahlungsstromorientiert und stellt somit eine sinnvolle Ergänzung zur Bilanz und zur Gewinn- und Verlustrechnung im Jahresabschluss dar.


Der Cash-Flow

Da im Dokument häufig von dem s.g. Cash-Flow die Rede ist, soll an dieser Stelle kurz der Begriff Cash-Flow geklärt werden.
Der Cashflow ist die Differenz bzw. der Saldo zwischen Ein- und Auszahlungen von Geldern oder Finanzmitteln in einem Unternehmen.

Bsp. Die DJ-Metalery hat in der aktuell betrachteten Periode diverse Einzahlungen von Kunden und sonstigen Geldgebern (z.B. Aktionären) i.H.v. 220.000,00 Euro zu verbuchen. Diesen Einzahlungen i.H.v. 220.000,00 Euro stehen aber Auszahlungen (z.B. an Lieferanten, Mitarbeiter, Banken, Leasinggesellschaften) von 150.000,00 Euro entgegen. Der Cash-Flow beläuft sich damit auf (220.000,00-150.000,00=) 70.000,00 Euro.

„Der Cashflow ist insbesondere für die Beurteilung der Liquiditätssituation von Unternehmen von Bedeutung.“ Das heißt nichts Anderes, als dass das Unternehmen mit Hilfe des Cash‑Flows seine flüssigen finanziellen Mittel bestimmen kann.

Lebensnahe Beispiele für den Cash-Flow

Im Folgenden werden drei Beispiele aufgezeigt, die Ihnen das Verständnis des Cashflows nochmals verdeutlichen sollen.

Cash-Flow Beispiel 1: Das Wasserglas

Sie können sich den Cash-Flow auch vorstellen wie ein Wasserglas, welches Sie nicht komplett leertrinken. Sie trinken immer etwas Wasser aus dem Glas heraus (das sind die Auszahlungen, die das Unternehmen leistet) und schütten immer etwas Wasser nach (das sind die Einzahlungen, die an das Unternehmen geleistet werden). Das im Glas verbleibende Wasser ist der Cash‑Flow (dieses sind die flüssigen Finanzmittel des Unternehmens).

Cash-Flow Beispie 2: Die Regentonne

Vielleicht haben Sie einen Garten, den Sie u.a. mit Regenwasser bewässern. Stellen Sie sich vor, die Regentonne ist am Anfang der betrachteten Periode (z.B. ein Monat) zu dreiviertel (oder 75 Prozent) voll, was 75 Liter Wasser entsprechen soll. In unserem Beispiel sind diese 75 Liter nun die Finanzmittel am Anfang der Periode. Nun entnehmen Sie der Tonne dreimal in der Woche 10 Liter Wasser, um den Garten zu bewässern. D.h. am Ende der Woche befinden sich nur noch (75 Liter – 30 Liter [=3 ⋅ 10 Liter)] 45 Liter in der Tonne. In der ersten Woche regnet es 10 Liter, in der zweiten Woche regnet es 50 Liter, in der dritten Woche regnet es 20 Liter und in der vierten Woche rechnet es nochmals 30 Liter.

Nun berechnen wir einmal, viel Wasser am Ende des Monats (der betrachteten Periode) im Wasserfass vorhanden ist, bzw. wie hoch der hier symbolisch dargestellte Cash-Flow ist.



Beispiel Wasserfass
Wasser am Anfang der Periode 75 Liter
Wasserzufluss 10 Liter
50 Liter
20 Liter
30 Liter
Summe des Wasserzuflusses 110 Liter
Summe Wasserabfluss: 4 Wochen, pro Woche 30 Liter, also 120 Liter
Wasser am Ende der Periode 65 Liter


Beispiel Unternehmen
Zahlungsmittel am Anfang der Periode 75 T€
Einzahlungen 10 T€
50 T€
20 T€
30 T€
Summe der Einzahlungen 110 T€
Summe Auszahlungen; 4 Wochen, pro Woche 30 T€, also 120 T€
Finanzmittel am Ende der Periode 65 T€

Anmerkung: Um unser Beispiel noch etwas praxisnäher zu gestalten, wurde in der rechten Tabelle einfach die Zahlen auf ein fiktives Unternehmen angewendet und in T€, also Tausend €uro dargestellt.

Das noch im Fass verbleibende Wasser (rechte Tabelle) beträgt 65 Liter. Diese 65 Liter stehen also zum bewässern des Gartens als flüssige(s) Wasser zur Verfügung. Anders ausgedrückt, der Cashflow (linke Tabelle) beträgt 65 T€. Dieses Geld steht dem Unternehmen als flüssige finanzielle Mittel zur Verfügung.
Das folgende Bild soll Ihnen den Begriff des Cash-Flows nochmals veranschaulichen.

Der_Cash_Flow

Cash-Flow Beispiel 3: Das Konto des Studenten

Ein letztes und weiteres Beispiel, wie Sie sich den Cash‑Flow vergegenwärtigen können ist das Girokonto eines Studenten. Stellen Sie sich vor, der Student Peter Meyer erhält von Seinen Eltern am 5. des Monats eine Zahlung von 400,00 Euro. Außerdem leitet er an der Uni noch ein Tutorium, wofür er Stundenweise den Mindestlohn 8,50 Euro erhält. Das Tutorium findet dreimal pro Woche zweistündig statt, außerdem erhält der Student für jedes Tutorium eine Vorbereitungs- und Nachbereitungszeit von jeweils einer Stunde vergütet, sodass er für ein Tutorium ins Gesamt vier Stunden vergütet (1 Stunde Vorbereitung + 2 Stunden Tutorium + 1 Stunde Nachbereitung) bekommt.

Für die WG Zahlt Peter-Meyer 210,00 Euro warm. An Lebensmitteln veranschlagt er pro Woche 30,00 Euro. An Büchern und sonstigen Lehrmitteln, worunter auch Druckerpatronen und Papier fallen, benötigt er finanzielle Mittel von ca. 10 Euro pro Woche. Für Internet und Mobilfunkvertrag fallen ebenfalls nochmals 50 Euro pro Monat an. Nun berechnen wir mal, welche flüssigen Mittel Peter Meyer am Ende des Monats zur Verfügung hat. Wir gehen davon aus, dass er am Monatsanfang noch ein Restguthaben von 220,00 Euro auf dem Konto hat. Der Einfachheit halber gehen wir davon aus, dass der fleißige Student alle seine Gutschriften und Zahlungen über sein Girokonto erhält bzw. leistet.

Aus der nachfolgenden Berechnung geht hervor, das Peter Meyer Einnahmen i.H.v. 808,00 Euro und Auszahlungen i.H.v. 460 Euro hat, sodass ihm die Möglichkeit des Sparens von 348 Euro für sonstige unerwartete Ausgaben bleibt.


Nr. Girokonto Stundent
1 Zahlungsmittel am Anfang der Periode 220,00 €
2 Unterstützung der Eltern 400,00 €
3 3 x pro Woche 4 Stunden zu je 8,50 € x 4 Wochen, da ein Monat 4 Wochen hat 408,00 €
4 Zahlungseingänge (Nr. 2+3) 808,00 €
5 Miete 210,00 €
6 Lebensmittel 30 € x 4 Wochen 160,00 €
7 Lehrmittel 40,00 €
8 Mobilfunk und Internet 50,00 €
9 Summe der Auszahlungen (Nr. 5+6+7+8) 460,00 €
10 Differenz aus Ein- und Auszahlungen (Nr.4-9) 348,00 €
11 Finanzmittel am Ende der Periode (Nr. 1+10) 568,00 €

Wichtige Anmerkung zu allen drei Beispielen

Im weiteren Verlauf dieses Artikels wird noch deutlich werden, wie wichtig Barmittel für ein Unternehmen sind. Außerdem werden Sie noch auf die Aussage „Cash is King“ stoßen. In allen drei Beispielen gingen wir davon aus, dass die Einzahlungen garantiert pünktlich geleistet werden.

Stellen Sie sich am Beispiel von Peter Meyer vor, dass er treu und brav sein Tutorium abhält, aber die Uni - aus welchen Gründen auch immer - die Zahlungen nicht oder erst verspätet leisten. Dann tritt auch noch der Fall ein, das die Eltern - ebenfalls, aus welchen Gründen auch immer - die monatliche Zahlung auf 300,00 Euro reduzieren, aber versprechen das Geld so bald als möglich nachzuzahlen. So entstehen bei Peter Meyer Forderungen gegenüber seinen Eltern und seinem Arbeitgeber der Universität. D.h. ihm steht das Geld zu, er hat es aber nicht. Die Kosten hingegen entstehen ihm dauerhaft weiter. Wenn diese Situation, das sowohl Eltern, als auch Uni nicht oder erst sehr verspätet zahlt, sind irgendwann seine verbliebenen Barmittel - im Beispiel 568,00 Euro – aufgebraucht und er kann seine Kosten nicht mehr decken. Irgendwann kann er seine Miete nicht mehr zahlen oder ist nicht mehr in der Lage sich Lernmittel zu beschaffen, weil ihm das Geld fehlt bzw. ausgegangen ist. Schlimmstenfalls müsste er das Studium abbrechen.

Dieses einfache Beispiel von Peter Meyer können wir auch problemlos auf eine Unternehmenssituation übertragen.

Beispiel: Die DJ-Metalery verfügt über Barmittel von 1.200.000,00 Euro. Pro Monat hat das Unternehmen Fixkosten von ca. 200.000,00 Euro. Es nutzt dem Unternehmen rein gar nichts, wenn es seine Produkte am Markt absetzt, die Kunden am Markt (also andere Unternehmen) nicht zahlen. Eine gewisse Zeit, kann die DJ-Metalery die Fixkosten noch aus den Barmitteln decken, aber spätestens nach (1.200.000,00 : 200.000,00 =) sechs Monaten ist das Unternehmen zahlungsunfähig. Die DJ-Metalery ist also genauso wie unser Student Peter Meyer darauf angewiesen, dass die Kundenforderungen (bei Peter Meyer sind das die zu erwartenden Gelder der Eltern und der Universität) von den Kunden auch beglichen werden. Sollten diese langfristig ausbleiben, muss das Unternehmen schließen!

Sinn und Zweck der Kapitalflussrechnung für ein Unternehmen

Prinzipiell könnte man die Frage stellen, wofür ein Unternehmen überhaupt die Kapitalflussrechnung braucht, es hat doch schließlich die Bilanz sowie das Gewinn- und Verlustkonto. Diese Fragestellung soll am nachfolgenden Beispiel veranschaulicht werden.

Die DJ-Metalery ist ein Unternehmen, welches in der Produktion von Stahlrohren für den Hochhaus- und Brückenbau tätig ist, dessen Produkte international vermarktet werden. Die DJ‑Metalery weist zum Stichtag (31.12.xx) folgendes Gewinn- und Verlustkonto aus:

Das_Gewinn__und_Verlustkonto_der_DJ_Metalery

Aus dem Gewinn- und Verlustkonto der DJ-Metalery ist zu erkennen, dass diese einen Überschuss von 1.850.000,00 Euro erwirtschaftet hat. Aber ist das Geld in dieser Höhe tatsächlich bereits im Unternehmen (angekommen)? Die Aufwendungen sind i.d.R. anhand von Belegen in genau der entstandenen Höhe nachzuweisen. Bei den Erträgen sieht das jedoch ein wenig anders aus. Stellen wir uns vor, dass ein Unternehmen Leistungen erbracht hat, diese dem Kunden in Rechnung stellt, der Kunde dafür aber -aus welchem Grund auch immer- nicht zahlt. Die im G&V Konto ausgewiesenen Umsatzerlöse hat das Unternehmen in jedem Fall realisiert.

Beispiel: Die DJ-Metalery erstellt Stahlrohre im Wert von 1.250.000,00 für ein chinesisches Unternehmen, welches auf den Bau von Innenstadt-Hochhausbauten spezialisiert ist und überwiegend in Peking agiert. Dummerweise gerät das Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten, sodass es statt den geforderten 1.250.000,00 lediglich 800.000,00 Euro zahlen kann. Die restlichen 450.000,00 Euro (1.250.000,00-800.000,00) werden auf unbestimmte Zeit vom Unternehmen zurückbehalten.

Das obige Beispiel zeigt, dass das Unternehmen zwar Umsatzerlöse generiert hat, diese jedoch nicht als tatsächliche Einzahlungen im Unternehmen verbuchen kann.

Auch die Bilanz eines Unternehmens sagt nichts über dessen Zahlungsströme (Cashflows) aus.

Die besondere Bedeutung der Kapitalflussrechnung wurde in der Literatur von Charan und Useem mit der Aussage „Cash is King“ dargestellt. Cash is King kann verstanden werden als, „Barmittel sind für das Unternehmen von königlicher bzw. besonderer Bedeutung“. Das heißt nichts anderes, dass Unternehmen zahlungsunfähig werden können, wenn ihnen die Barmittel ausgehen. Das Ausgehen dieser Barmittel hat nicht unbedingt etwas mit falschem wirtschaften zu tun, sondern kann auch einfach an zahlungsunfähigen bzw. zahlungsunwilligen Kunden liegen.

Beziehen Sie doch eine solche Situation einfach mal auf sich. Stellen Sie sich vor, Sie haben einen festen Arbeitsplatz bei Firma X. Obwohl Sie täglich „treu und brav“ Ihre Arbeit verrichten, zahlt das Unternehmen, aus welchen Gründen auch immer, Ihnen plötzlich keinen Lohn bzw. kein Gehalt. Kurzfristig können Sie Ihre privaten Verbindlichkeiten, z.B. Miete, Lebensmittel, Versicherungen, etc. noch aus eigenen angesparten Mitteln decken. Langfristig hätten sie jedoch ein Problem und nicht etwa deshalb, weil Sie über Ihre Verhältnisse gelebt haben, sondern, weil Ihr Arbeitgeber (im Falle der DJ-Metalery ist das der Kunde in Person des in Peking tätigen Unternehmens) nicht mehr zahlungsfähig oder zahlungswillig ist.


Ziele der Kapitalflussrechnung (Cash-Flow)

Prinzipiell hat die Kapitalflussrechnung das Ziel, die folgenden drei Zahlungsströme bzw. Cashflows darzustellen.

  1. Cash-Flow aus operativer Tätigkeit
  2. Cash-Flow aus Investitionstätigkeit
  3. Cash-Flow aus Finanzierungstätigkeit
  4. Finanzmittel am Ende der Periode

Wie diese Ermittlung erfolgt, wird im folgenden Kapitel „Aufbau und Inhalt der Kapitalflussrechnung“ dargestellt.

Aufbau und Inhalt der Kapitalflussrechnung

Um die Darstellung der Cashflows bzw. Zahlungsströme abzubilden, kann das Unternehmen zwei Möglichkeiten wählen. Die erste Möglichkeit ist die direkte Methode, die zweite Möglichkeit ist die indirekte Methode. Im Folgenden wird zwischen der indirekten und direkten Methode unterschieden. Es folgt jetzt eine sehr theoretische Darstellung, wie diese auch der Literatur zu entnehmen ist. Allerdings wird die folgende Theorielast im Anschluss mit einigen praxisorientierten Beispielen verdeutlicht. Sofern Sie also die Theorie nicht sofort verstehen, entspannen Sie sich, im weiteren Verlauf wird es deutlicher.

Kapitalflussrechnuung - Die indirekte Methode

In der Praxis findet die indirekte Methode überwiegend Anwendung, weil die Cashflows mit Hilfe des Jahresabschlusses der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) ermittelt werden können. Speziell nutzt die indirekte Methode den Jahresabschluss und korrigiert diesen durch das Hinzufügen der nicht zahlungswirksamen Aufwendungen. Unter nicht zahlungswirksamen Aufwendungen versteht man z.B. Bildung von Rücklagen oder Rückstellungen, Bestandsminderungen an Fertigen und oder Unfertigen Erzeugnissen. Zudem werden zahlungsunwirksame Erträge herausgerechnet. Bei den zahlungsunwirksamen Erträgen handelt es sich u.a. um die Auflösung von Rückstellungen oder um die Entnahmen aus Rücklagen.

Nach dem Herausrechnen der nichtzahlungswirksamen Erträge und Aufwendungen ergibt sich der Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit bzw. der „Cash-Flow aus der operativen Tätigkeit“. Im Anschluss an diesen Rechnungsschritt, wird der Cashflow für die Investitionstätigkeit gebildet. Um diesen nun bilden zu können, wird die Summe der Einzahlungen aus dem Abgang von Anlagevermögen (z.B. verkauft die DJ-Metalery einen alten Schweißroboter) ermittelt und werden um die Summe der Auszahlungen für den Erwerb von (neuem) Anlagevermögen (z.B. die DJ-Metalery beschafft, aufgrund des Verkaufs des alten Schweißroboters einen neuen innovativen Schweißroboter, der den dreifachen Produktionsoutput realisieren kann) reduziert. Ist der „Cash-Flow aus Investitionstätigkeit“ nun ermittelt, bestimmt man den Cashflow der Finanzierungstätigkeit. Um diesen bestimmen zu können, werden die Einzahlungen in das Grundkapital oder Einzahlungen aus der Kreditaufnahme summiert und um Auszahlungen an die Gesellschafter oder Kredittilgungen reduziert. Damit hat man den „Cash-Flow aus Finanzierungstätigkeit“ ermittelt.

Beispiel: Die Gesellschafter der DJ-Metalery bringen aus ihrem Privatvermögen 250.000,00 Euro in das Unternehmen ein. Außerdem wird noch ein Kredit in Höhe von 50.000,00 Euro bei der Hausbank aufgenommen. Zusätzlich fließen aber an die Anteilseigner Renditen i.H.v. 35.000,00 Euro ab. Außerdem werden Kreditraten bzw. Kreditschulden i.H.v. 15.000,00 Euro getilgt. Die Summe der Einzahlungen beläuft sich also auf (250.000,00 durch die Gesellschafter + 50.000,00 durch Kreditaufnahme bei der Hausbank =) 300.000,00 und die Auszahlungen belaufen sich auf (35.000,00 Renditezahlungen + 15.000,00 Kreditraten =) 50.000,00 Euro. Die dem Unternehmen hinzugeflossenen finanziellen Mittel belaufen sich nun auf (300.000,00-50.000,00) 250.000,00 Euro.

Will man nun den Finanzmittelbestand am Ende der Periode berechnen, muss man nun die drei gebildeten Cashflows addieren (Cashflow aus operativer Tätigkeit + Cashflow aus Investitionsmöglichkeit + Cashflow aus Finanzierungsmöglichkeit). Die nun gebildete Summe wird mit dem periodenanfangsbestand an Finanzmittel addiert und man erhält nun den Finanzmittelbestand am Ende der Periode. Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass selbstverständlich jegliche Wechselkursschwankungen (z.B. bei Zahlungen aus dem Ausland bzw. bei Zahlungen mit anderen Währungen) korrigiert werden müssen.

Kapitalflussrechnung - Die direkte Methode

Nachdem wir uns nun mit der Berechnung unter der Anwendung der indirekten Methode beschäftigt haben, wollen wir uns nun der direkten Methode zuwenden. Bei der direkten Methode berechnen sich die Cash-Flows aus den Veränderungen interner Ein- und Auszahlungen. Dazu werden die Einzahlungen von Kunden (z.B. zahlt ein Kunde der DJ-Metalery eine Rechnung i.H.v. 119.000,00 Euro für die gelieferten Stahlrohre) und sonstige interne Einzahlungen addiert und um sonstige Auszahlungen (z.B. die DJ-Metalery zahlt ihrem Rohstofflieferanten der Stahl-united-Consulting eine Rohstoffrechnung über gelieferten Stahl i.H.v. von 23.800,00 Euro) reduziert. Dieses Ergebnis stellt nun den Cash-Flow der laufenden Geschäftstätigkeit bzw. den „Cash-Flow aus operativer Tätigkeit“ dar. Wie auch bei der indirekten Methode wird nun der Cash-Flow der Investitionsmöglichkeit gebildet. Dazu werden, genauso wie bei der indirekten Methode, die Einzahlungen aus dem Abgang von Anlagevermögen (z.B. verkauft die DJ-Metalery einen alten Schweißroboter) gebildet und um die finanziellen Abgänge für Investition in das neue Anlagevermögen (z.B. die DJ-Metalery beschafft, aufgrund des Verkaufs des alten Schweißroboters einen neuen innovativen Schweißroboter, der den dreifachen Produktionsoutput realisieren kann) reduziert. Die Ermittlung des Cash-Flows der Finanzierungsmöglichkeit wird in der hier beschrieben direkten Methode, genauso wie bei der indirekten Methode berechnet. Um diesen ermitteln zu können, werden die Einzahlungen in das Grundkapital oder Einzahlungen aus der Kreditaufnahme summiert und um Auszahlungen an die Gesellschafter oder Kredittilgungen reduziert.

Beispiel: Die Gesellschafter der DJ-Metalery bringen aus ihrem Privatvermögen 250.000,00 Euro in das Unternehmen ein. Außerdem wird noch ein Kredit in Höhe von 50.000,00 Euro bei der Hausbank aufgenommen. Zusätzlich fließen aber an die Anteilseigner Renditen i.H.v. 35.000,00 Euro ab. Außerdem werden Kreditraten bzw. Kreditschulden i.H.v. 15.000,00 Euro getilgt. Die Summe der Einzahlungen beläuft sich also auf (250.000,00 + 50.000,00 =) 300.000,00 und die Auszahlungen belaufen sich auf (35.000,00 + 15.000,00=) 50.000,00 Euro. Die dem Unternehmen hinzugeflossenen finanziellen Mittel belaufen sich nun auf (300.000,00-50.000,00) 250.000,00 Euro.

Auch der Finanzmittelbestand wird genauso wie bei der indirekten Methode ermittelt. Dazu muss man nun die drei gebildeten Cashflows addieren (Cashflow aus operativer Tätigkeit + Cashflow aus Investitionsmöglichkeit + Cashflow aus Finanzierungsmöglichkeit). Die nun gebildete Summe wird mit dem Periodenanfangsbestand an Finanzmittel addiert und man erhält nun den Finanzmittelbestand am Ende der Periode. Auch an dieser Stelle sei natürlich der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass selbstverständlich jegliche Wechselkursschwankungen (z.B. bei Zahlungen aus dem Ausland bzw. bei Zahlungen mit anderen Währungen) korrigiert werden müssen.

Gegenüberstellung der direkten und indirekten Methode

Um nun die triste Theorie etwas klarer zu strukturieren, schauen wir uns nun eine schematische Gegenüberstellung dieser beiden Methoden an.

Indirekte Methode Direkte Methode
+ Jahresüberschuss bzw. (-) negativer Jahresüberschuss bei Verlust. + Einzahlung von Kunden
- Zuschreibungen auf Gegenständen des Anlagevermögens - Auszahlungen an Lieferanten
+ Abschreibungen auf Gegenstände des Anlagevermögens + sonstige Einzahlungen (jedoch keine Investitions- und Finanzierungstätigkeiten)
+ Zunahme von Rückstellungen + sonstige Auszahlungen (jedoch keine Investitions- und Finanzierungstätigkeiten)
- Abnahme von Rückstellungen = Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit
- sonstige zahlungsunwirksame Erträge + Einzahlungen aus Abgängen von Gegenständen des Sachanlagevermögens.
+ sonstige zahlungswirksame Aufwendungen - Auszahlungen für Investitionen in das Sachanlagevermögen
- Gewinne aus Anlagenabgängen + Einzahlungen aus Abgängen von Gegenständen des immateriellen Anlagevermögens.
+ Verlust aus Anlagenabgängen - Auszahlungen für Investitionen in das immaterielle Anlagevermögen
- Zunahme der Vorräte, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie anderer Aktiva, die nicht der Investitions- und Finanzierungstätigkeit zuzuordnen sind. + Einzahlungen aus Abgängen von Gegenständen des Finanzanlagevermögens
+ Abnahme der Vorräte, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie anderer Aktiva, die nicht der Investitions- und Finanzierungstätigkeit zuzuordnen sind. - Auszahlungen aus Investitionen in das Finanzanlagevermögen
+ Zunahme der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie anderer Passiva, die nicht der Investitions-oder Finanzierungstätigkeit zuzuordnen sind + Einzahlungen aus dem Verkauf von konsolidierten Unternehmen und sonstigen Geschäftseinheiten
- Abnahme der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie anderer Passiva, die nicht der Investitions-oder Finanzierungstätigkeit zuzuordnen sind - Auszahlungen aus dem Erwerb von konsolidierten Geschäftseinheiten
= Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit + Einzahlungen aufgrund von Finanzmittelanlagen im Rahmen der kurzfristigen Finanzdisposition
+ Einzahlungen bzw. Verluste (bei Verlusten natürlich mit negativen Vorzeichen) aus Anlagenabgängen. - Auszahlungen aufgrund von Finanzmittelanlagen im Rahmen der kurzfristigen Finanzdisposition
- Auszahlungen bzw. Investitionen, die in das Anlagevermögen getätigt werden. = Cashflow aus der Investitionstätigkeit
= Cashflow aus der Investitionstätigkeit + Einzahlungen aus Eigenkapitalzuführungen (z.B. Kapitalerhöhungen)
+ Einzahlungen die auf Kapitalerhöhungen oder Zuschüsse der Gesellschafter zurückzuführen sind. - Auszahlungen an Unternehmenseigner und Minderheitsgesellschafter (z.B. Dividenden, Erwerb eigener Anteile, Eigenkapitalrückzahlungen, sonstige Ausschüttungen)
- Auszahlungen an Gesellschafter, z.B. Dividenden. + Einzahlungen aus der Begebung von Anleihen und der Aufnahme von Krediten
+ Einzahlungen, die auf die Aufnahme von Kredite zurückzuführen sind. - Auszahlungen aus der Tilgung von Anleihen und Finanzkrediten
- Auszahlungen, die zur Tilgung von Krediten, z.B. Raten- oder Zinszahlungen zurückzuführen sind. + Einzahlungen aufgrund von Finanzmittelanlagen im Rahmen der kurzfristigen Finanzdisposition
= Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit - Auszahlungen aufgrund von Finanzmittelanlagen im Rahmen der kurzfristigen Finanzdisposition
Zahlungswirksame Veränderungen der Finanzmittelbestände (hierunter versteht man die Summe aus den drei Cashflows, also = Cashflow aus der Investitionstätigkeit
1. Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit  
2. Cashflow aus der Investitionstätigkeit  
3. Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit  
Man addiert also die drei Cashflows oder anders ausgedrückt, man rechnet sie zusammen.  
+ / - Wechselkursbereinigungen bzw. sonstige Veränderungen des Finanzmittelbestandes. + Einzahlungen aus Eigenkapitalzuführungen (z.B. Kapitalerhöhungen)
+ Finanzmittelbestand am Anfang der Periode - Auszahlungen an Unternehmenseigner und Minderheitsgesellschafter (z.B. Dividenden, Erwerb eigener Anteile, Eigenkapitalrückzahlungen, sonstige Ausschüttungen)
= Finanzmittelbestand am Ende der Periode + Einzahlungen aus der Begebung von Anleihen und der Aufnahme von Krediten
  - Auszahlungen aus der Tilgung von Anleihen und Finanzkrediten
  = Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit
  Zahlungswirksame Veränderungen der Finanzmittelbestände (hierunter versteht man die Summe aus den drei Cashflows, also
  4. Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit
  5. Cashflow aus der Investitionstätigkeit
  6. Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit
  Man addiert also die drei Cashflows oder anders ausgedrückt, man rechnet sie zusammen.
  + / - Wechselkursbereinigungen bzw. sonstige Veränderungen des Finanzmittelbestandes.
  + Finanzmittelbestand am Anfang der Periode
  = Finanzmittelbestand am Ende der Periode
Tabelle 3

Anmerkung zur Tabelle 3 bzw. zur Darstellung der direkten und indirekten Methode
In der Literatur oder in anderen Quellen finden Sie i.d.R. eine der Abbildung 3 abweichende Darstellung dahingehend, dass Einzelne Punkte zusammengefasst sind.

Beispiel
In der folgenden Darstellung ist nochmal ein Ausschnitt der Abbildung 3 dargestellt.
  Darrstellung hier im Artikel Allgemeine Darstellung in der Literatur
  Indirekte Methode Indirekte Methode
1 + Jahresüberschuss bzw. (-) negativer Jahresüberschuss bei Verlust. + Jahresüberschuss bzw. (-) negativer Jahresüberschuss bei Verlust.
2 - Zuschreibungen auf Gegenständen des Anlagevermögens - Zuschreibungen / + Abschreibungen auf Gegenstände des Anlagevermögens
3 + Abschreibungen auf Gegenstände des Anlagevermögens - Zuschreibungen / + Abschreibungen auf Gegenstände des Anlagevermögens


Es steht außer Frage, dass natürlich die Punkte 2 und 3 zusammengefasst werden können. In der Abbildung 3 wurde darauf jedoch bewusst verzichtet, um ein sauberes Schemata zu erzeugen, welches die Zu- und Abschreibungen gesondert darstellt. Wenn Sie, wie in diesem Beispiel dargestellten Zuschreibungen und Abschreibungen jedoch miteinander verrechnen, so wie es die Literatur auch in ihren Schemata vorsieht, ist das vollkommen in Ordnung. Die Darstellungen in diesem Artikel sollen Ihnen helfen, Darstellungen in der Literatur leichter nachvollziehen zu können.
Fazit: Wie Sie es rechnen ist Ihnen überlassen, wichtig ist, dass Sie am Ende zum korrekten Ergebnis der Cash-Flows kommen.

Der Vollständigkeit halber ist dem Anhang nochmal ein Schema beigefügt, wie Sie dieses auch in der Literatur bzw. in anderen Internetquellen finden können.

Zusammenfassung zur Tabelle 3
Der Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit informiert das Unternehmen über die erwirtschafteten finanziellen Mittelzuflüsse, sowie über die finanziellen Mittelabflüsse, die durch die Umsatztätigkeit oder die Verwertung von Unternehmensleistung (z.B. bei der DJ‑Metalery die Produktion der Stahlrohre) generiert wurden.

Der Cashflow aus der Investitionstätigkeit lässt erkennen, welche flüssigen Mittel das Unternehmen im Investitionsbereich generiert hat. Dieser Cash-Flow ist i.d.R. negativ, da zumeist mehr Mittelabflüsse in Investition (z.B. kauft die DJ-Metalery einen neuen Schweißroboter für 100.000,00 Euro) zu verzeichnen sind, als Mittelzuflüsse aus dem Verkauf bzw. dem Abgang von
ehemaligen Investitionsobjekten (z.B. verkauft die DJ-Metalery einen alten Schweißroboter für 10.000,00 Euro über Buchwert).
Dieser bestimmt sich nun, indem wir einfach die Gewinne bzw. Verluste aus dem Abgang von Anlagegütern von den Investitionen in Anlagegüter subtrahieren (minus-rechnen), wie auch in Tabelle 3 dargestellt.
Anmerkung: Gewinne aus Anlagenabgängen entstehen, wenn eine Anlage über dem aktuellen Buchwert verkauft wird.
Bsp. Laut Buchhaltung der DJ-Metalery hat der Schweißroboter SL900k einen Restbuchwert von 8.000,00 Euro. Aufgrund der, in der Branche bekannten Zuverlässigkeit des Gerätes, lässt sich das Gerät jedoch für 15.000,00 Euro nach China absetzen. In diesem Falle entsteht ein Gewinn aus dem Anlagenabgang i.H.v. (15.000,00 - 8.000,00) = 7.000,00 Euro.

Genauso kann aber auch ein Verlust entstehen.

Bsp.: Laut Buchhaltung der DJ-Metalery hat der Schweißroboter K800sl noch einen Restbuchwert von 10.000,00 Euro. Dieser Schweißroboter lässt sich aber aufgrund mangelnder Nachfrage für nur 8.000,00 Euro nach Osteuropa verkaufen. Dadurch entsteht ein Verlust aus Anlagenabgängen von (10.000,00 - 8.000,00 =) 2.000,00 Euro.

Am Ende summiert man die Gewinne und Verluste aus den Anlagenabgängen
In unserem Beispiel der DJ-Metalery ist damit ein Gewinn durch Anlagenabgänge i.H.v. (7.000,00 Euro Gewinn - 2.000,00 Euro Verlust) 5.000,00 Euro entstanden.

Wäre jetzt noch von der DJ-Metalery eine Investition in Anlagegütern, z.B. in den Kauf einer neuen Stahlpresse oder den Kauf eines neuen Scheißroboters getätigt worden, z.B. i.H.v.
120.000,00 Euro so hätten wir an dieser Stelle, gemäß Abbildung 3, einen Cash-Flow aus Investition von (5.000,00 - 120.000,00 =) -115.000,00 Euro.

Der Cash-Flow aus Finanzierung zeigt auf, welche flüssigen Geldmittel das Unternehmen durch die Finanzierung von außen erhält, bzw. welche Geldmittel nach außen für die zur Verfügung gestellten Geldmittel fließen. Zu beachten ist, das zur Finanzierung neben dem Erhalten von Geldern (z.B. von Inhabern die dem Unternehmen Geld aus privatem Vermögen beisteuern, durch Aufnahme von Krediten bei der Bank, etc.) auch die Ausschüttung von Geldern für die bereitgestellten Finanz- bzw. Geldmittel im Zusammenhang gesehen werden muss (z.B. Renditeausschüttung an Inhaber bzw. Dividendenzahlungen, Rückzahlungen von Krediten und Zinszahlungen an Banken, etc.).

Bsp. Die drei Inhaber der DJ-Metalery schießen dem Unternehmen aus eigenen Geldmitteln folgende Summen für anstehende Projekte zu:

Name Einzahlungsbetrag
Jäger 20.000,00
Müller 10.000,00
Hauser 5.000,00
Summe 350.000,00

Es steht nun außer Frage, dass Kapitalgeber (z.B. Inhaber, Aktionäre, etc.) nicht nur Geld aus gutem Willen in das Unternehmen einfließen lassen. Diese erhoffen sich durch die Investition eine Rendite.
Bsp. Die DJ-Metalery schüttet an all Ihren Aktionäre Dividende und sonstige Auszahlungen i.H.v. 50.000,00 Euro aus.

Zur Ermittlung des Cash-Flows aus Finanzierung ist neben den Einzahlungen von Eigentümern bzw. Gesellschaftern sowie der Dividendenleistungen an diese, auch die Kreditaufnahme zu berücksichtigen. Durch das Aufnehmen von Krediten fließen finanzielle Mittel in das Unternehmen ein. Aber auch in diesem Zusammenhang müssen die Rückzahlungen von Geldern in Form von Raten- und oder Zinszahlungen gesehen werden.

Bsp. Die DJ-Metalery nimmt zur Anschaffung einer neuen Stahlpresse ein Kredit i.H.v. 100.000,00 Euro bei der Invest-Bank sowie über 20.000,00 bei der Europa-Bank auf.
Zugleich leistet das Unternehmen für laufende Kredite, Anleihen und Zinsen summiert Auszahlungen i.H.v. 25.000,00 Euro.
Nun kann man leicht die Differenz aus den Ein- und Auszahlungen für Kredite und Anleihen bilden, indem man die Einzahlungen (Aufnahme von Krediten) von den Auszahlungen (Raten-, Zinszahlungen, etc.) subtrahiert. In unserem Beispiel beläuft sich die Differenz auf (100.000,00 Aufnahme bei der Invest-Bank + 20.000,00 bei der Europa-Bank als Einzahlungen – [minus] 25.000,00 Auszahlungen =) 95.000,00 Euro.


Finanzmittel am Ende der Periode
Schlussendlich interessiert das Unternehmen, in welcher Höhe am Ende der Periode Finanzmittel zur Verfügung stehen. Dazu werden einfach alle drei Cash-Flows zusammengerechnet und, sofern dieser Wert positiv ist, zu dem Finanzmittelwert, der am Anfang der Periode existiert hat, hinzuaddiert. Sofern die Summe der drei Cash-Flows negativ sein sollte, wird dieser Wert natürlich subtrahiert, also von dem Finanzmittelbestand am Anfang der Periode abgezogen.
Bsp. Nehmen wir fiktiv an, dass die DJ-Metalery die drei folgenden Cash-Flows aufweist

Cash-Flow Höhe
Cash-Flow aus laufender Geschäftstätigkeit 1.200.000,00
Cash-Flow aus Investitionen -800.000,00
Cash-Flow aus Finanzierung 55.000,00
Summe der Cash-Flows 455.000,00

Darüber hinaus verfügt das Unternehmen am Anfang der Periode über Finanzmittel i.H.v. 1.880.000,00 Euro. Sodass sich Finanzmittel am Ende der Periode i.H.v. (1.880.000,00 +455.000,00=) 2.335.000,00 Euro ergeben.

Kapitalflussrechnnung - Ausführliches Beispiel

Im Folgenden schauen wir uns ein ausführliches Beispiel von der DJ-Metalery an, wie der jeweilige Cash-Flow nach der indirekten Methode berechnet wird. Dieses Beispiel baut auf die vorhergehenden Darstellungen auf.

Indirekte Methode Situation Betrag
+ Jahresüberschuss bzw. (-) negativer Jahresüberschuss bei Verlust. Die DJ-Metalery hat laut G&V einen Jahresüberschuss i.H.v 1.850.000,00 Euro erzielt 1850000
- Zuschreibungen auf Gegenständen des Anlagevermögens Im letzten Jahr hatte die DJ-Metalery eine Maschine außerplanmäßig aufgrund eines vermuteten Defektes komplett abgeschrieben, dafür sind Abschreibungen i.H.v. 80.000,00 Euro entstanden. Mittlerweile konnte die Maschine jedoch kurzfristig repariert werden, sodass es für diese 80.000,00 Euro wieder zu einer Zuschreibung kommen muss. -80000
+ Abschreibungen auf Gegenstände des Anlagevermögens Die DJ-Metalery hat Abschreibungen i.H.v. 40.000,00 Euro auf das Anlagevermögen durchzuführen. 40000
+ Zunahme von Rückstellungen Rückstellungen nahmen i.H.v. 100.000,00 Euro für eine eventuelle Entschädigungsleistung zu. 100000
- Abnahme von Rückstellungen Eine Abnahme der Rückstellungen ist entsprechend nicht zu verzeichnen. - €
- sonstige zahlungsunwirksame Erträge Keine zahlungsunwirksamen Erträge. - €
+ sonstige zahlungswirksame Aufwendungen Keine zahlungsunwirksamen Aufwendungen. - €
- Gewinne aus Anlagenabgängen Aus dem Verkauf eines Schweißroboters konnte ein Gewinn i:H.v. 25.000,00 Euro erzielt werden, da dieser mit 25.000,00 Euro über Buchwert verkauft wurde. -25000
+ Verlust aus Anlagenabgängen Ein Firmen-PKW konnte aufgrund der hohen Kilometerleistung (über 300.000) nur 2.500,00 Euro unter Buchwert abgesetzt werden. 2500
- Zunahme der Vorräte, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie anderer Aktiva, die nicht der Investitions- und Finanzierungstätigkeit zuzuordnen sind. Eine Zunahme der Vorräte bzw. Zunahme gab es nicht. 200000
  Die gute Auftragslage sorgte jedoch für eine Zunahme der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen von 200.000,00  
+ Abnahme der Vorräte, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie anderer Aktiva, die nicht der Investitions- und Finanzierungstätigkeit zuzuordnen sind. Eine Abnahme an Vorräten konnte in den Lagern nicht verzeichnet werden. Den genannten Zunahmen stehen aus Lieferungen und Leistungen stehen keine Abnahmen gegenüber. - €
+ Zunahme der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie anderer Passiva, die nicht der Investitions-oder Finanzierungstätigkeit zuzuordnen sind Die gute Auftragslage sorgte für eine Zunahme an Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen i.H.v. 180.000,00 Euro. 180000
- Abnahme der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie anderer Passiva, die nicht der Investitions-oder Finanzierungstätigkeit zuzuordnen sind Eine Abnahme der Verbindlichkeiten sind entsprechend nicht zu verzeichnen. - €
= Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit   417.500,00 €
+ Einzahlungen bzw. Verluste (bei Verlusten natürlich mit negativen Vorzeichen à Einfache Rechnung: Einzahlungen - Verluste = positiv (+) oder eben negativ (-)) aus Anlagenabgängen. Es weder Einzahlungen noch Verluste zu verzeichnen. - €
- Auszahlungen bzw. Investitionen, die in das Anlagevermögen getätigt werden. Die DJ-Metalery hat in einen neuen Schweißroboter i.H.v. 95.000,00 Euro investiert. -95000
= Cashflow aus der Investitionstätigkeit   - 95.000,00 €
+ Einzahlungen die auf Kapitalerhöhungen oder Zuschüsse der Gesellschafter zurückzuführen sind. Die fünf Gesellschafter der DJ-Metalery brachten in das Unternehmen insgesamt 60.000,00 Euro aus ihrem Privatvermögen für die Investition in eine neue Produktionsmaschine mit eingebracht. 60000
- Auszahlungen an Gesellschafter, z.B. Dividenden. Auszahlungen an Dividenden wurden insgesamt 25.000,00 Euro geleistet. -25000
+ Einzahlungen, die auf die Aufnahme von Kredite zurückzuführen sind. Für weitre Investitionszwecke hat das Unternehmen einen Kredit i.H.v. 76.000,00 Euro aufgenommen. 76000
- Auszahlungen, die zur Tilgung von Krediten, z.B. Raten- oder Zinszahlungen zurückzuführen sind. Zins- und Rückzahlungen für bestehende Kredite wurden von der DJ-Metalery i.H.v. 17.000,00 Euro geleistet. -17000
= Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit   94.000,00 €
Zahlungswirksame Veränderungen der Finanzmittelbestände (hierunter versteht man die Summe aus den drei Cashflows, also Es ergibt sich folgende Summe aus den drei Cash-Flows 416500
1. Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit    
2. Cashflow aus der Investitionstätigkeit    
3. Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit    
Man addiert also die drei Cashflows oder anders ausgedrückt, man rechnet sie zusammen. 417500  
     
  -95000  
     
  94000  
  416500  
+ / - Wechselkursbereinigungen bzw. sonstige Veränderungen des Finanzmittelbestandes. Wechselkursbereinigungen sind nicht vorzunehmen - €
+ Finanzmittelbestand am Anfang der Periode Am Anfang der Periode ergibt sich laut G&V ein Finanzmittelbestand von 1.850.000,00 1850000
= Finanzmittelbestand am Ende der Periode   2.266.500,00 €

Kurze erklärende Anmerkung zum Beispiel
Sofern Sie sich über die Komponenten-Vorzeichen beim Cash-Flow aus laufender Geschäftstätigkeit wundern sollten, könnten Ihnen die folgenden kurzen Erklärungen noch hilfreich sein. Eventuell stellen Sie sich ja die Frage, warum „Abschreibungen auf Gegenstände des Anlagevermögens“ mit einem positiven Vorzeichen versehen sind, obwohl Aufwendungen im Gewinn- und Verlustkonto als Aufwendungen verbucht werden. Schließlich bucht man ja auch z.B. für Abschreibungen auf Technische Anlagen und Maschinen (TAM) i.H.v. 20.000,00 Euro

Absetzung für Abnutzung (AfA) an TAM 20.000,00 Euro


Erklärung: Steht den Abschreibungen etwa ein Geldabfluss gegenüber? Nein! Abschreibungen werden aus buchhalterischen Vorschriften her vorgenommen, zu einem tatsächlichen Geldabfluss kommt es jedoch nicht. Weil es „in den Büchern“ zu einem Aufwand kam, diesem Aufwand aber zu keinem Abfluss von finanziellen Mitteln führte, gilt es diese Höhe durch umgekehrtes Vorzeichen (+) zu neutralisieren.
Folgendes kann man sich in diesem Zusammenhang merken:
 Alle Erträge und Aufwendungen ohne Geldstrom mit umgekehrten Vorzeichen neutralisieren.


Kurze rechtliche Anmerkungen der Kapitalflussrechnung nach DRS

In der heutigen Zeit versteht es sich von selbst, dass alles, was ein Unternehmen für externe Interessenten (Banken, Gerichte, Steuerberater, etc.) aufstellt, nach einer entsprechenden Rechtsgrundlage zu erfolgen hat bzw. weitgehend erfolgen soll. Im Bereich des Rechnungswesens ist das zumeist der „Deutsche Rechnungslegungsstandard“ kurz DRS. Für die Kapitalflussrechnung gilt der DRS 21. Weitere Informationen dazu finden Sie in der einschlägig aktuellen Literatur, genauso wie in dem Artikel „DRS 21 near final Standard“.

Der Artikel zum DRS 21 wurde erst im Jahr 2014 erstellt. Eine Übersicht über die zentralen Änderungen zu den vorhergehenden Artikeln finden Sie hier. Eine allgemeine Übersicht zu den rechtlichen Angelegenheiten, welche auch in Abrissen das Handelsgesetzbuch (HGB) betreffen findet man auch in dem Wikipedia-Artikel, welcher im Literatur & Quellenverzeichnis angeführt ist.

Anhang

Die folgende Darstellung zeigt, wie das Schema der Kapitalflussrechnung in der Literatur dargestellt ist. Diese Darstellung bezieht sich auf DRS 2.

1   Periodenergebnis vor außerordentlichen Posten
2 ± Abschreibungen/Zuschreibungen auf das Anlagevermögen
3 ± Zunahme/Abnahme der Rückstellungen
4 ± sonstige zahlungsunwirksame Aufwendungen/Erträge
5 ± Verlust/Gewinn aus dem Abgang von Anlagevermögen
6 ± Abnahme/Zunahme der Vorräte, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
    sowie anderer Aktiva, die nicht der Investitions- oder Finanzierungstätigkeit zuzuordnen sind
7 ± Zunahme/Abnahme der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
    sowie anderer Passiva, die nicht der Investitions- oder Finanzierungstätigkeit zuzuordnen sind
8 ± Ein- und Auszahlungen aus außerordentlichen Positionen
9 = Cash-Flow aus laufender Geschäftstätigkeit (auch „operative cash flow“ genannt)
10   Einzahlungen aus Abgängen des Sachanlagevermögens
11 - Auszahlungen für Investitionen in das Sachanlagevermögen
12 + Einzahlungen aus Abgängen des immateriellen Anlagevermögens
13 - Auszahlungen für Investitionen in das immaterielle Anlagevermögen
14 + Einzahlungen aus Abgängen des Finanzanlagevermögens
15 - Auszahlungen für Investitionen in das Finanzanlagevermögen
16 + Einzahlungen aus dem Verkauf von konsolidierten Unternehmen und sonstigen Geschäftseinheiten
17 - Auszahlungen aus dem Erwerb von konsolidierten Unternehmen und sonstigen Geschäftseinheiten
18 + Einzahlungen aufgrund von Finanzmittelanlagen im Rahmen der kurzfristigen Finanzdisposition
19 - Auszahlungen aufgrund von Finanzmittelanlagen im Rahmen der kurzfristigen Finanzdisposition
20 = Cash-Flow aus der Investitionstätigkeit (auch „investive cash flow“ genannt)
21   Einzahlungen aus Eigenkapitalzuführungen
22 - Auszahlungen an Unternehmenseigner und Minderheitsgesellschafter
23 + Einzahlungen aus der Begebung von Anleihen und der Aufnahme von (Finanz-)Krediten
24 - Auszahlungen aus der Tilgung von Anleihen und der Rückführung von (Finanz-)Krediten
25 = Cash-Flow aus der Finanzierungstätigkeit (auch „finance cash flow“ genannt)
26   Zahlungswirksame Veränderungen des Finanzmittelfonds
    (Summe aus den Posten 9., 20. und 25.)
27 ± Wechselkurs-, konsolidierungskreis- und bewertungsbedingte Änderungen des Finanzmittelfonds
28 + Finanzmittelfonds am Anfang der Periode
29 = Finanzmittelfonds am Ende der Periode
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