Kann man mit Nachhaltigkeit investieren und gibt es Geldanlagen mit gutem Gewissen?

In den vergangenen Jahren hat sich der Markt mit sogenannten "grünen" Investments sehr dynamisch entwickelt. Wer nachhaltig investieren möchte, hat insbesondere die "political correctness" und ethisch vertretbare Geldanlagen im Blick. Trotzdem soll natürlich auch die Rendite stimmen und das Risiko möglichst gering sein, auch wenn die Definition von nachhaltigen Investitionen besagt, dass gerade Rendite und Risiko hier weniger eine Rolle spielen und der Schwerpunkt auf ökologische, ethische und soziale Aspekte gelegt wird. Doch wie passt das alles zusammen? Und wie findet man das richtige Anlageprodukt in diesem mittlerweile besonders breit gefächerten Markt?

Was bedeutet nachhaltig Investieren?

Alles zum Thema nachhaltig investieren
Nachhaltige Investitionen (sustainable investments) haben den Anspruch, nicht nur den drei rein ökonomischen Kriterien Rendite, Volatilität und Liquidität, sondern auch dem vierten Kriterium Nachhaltigkeit zu entsprechen. Für die Ermittlung und Bewertung der Nachhaltigkeit von Unternehmen und Ländern werden Indikatoren bezogen auf Soziales, Ökologie, Ethik und Unternehmensführung herangezogen (ESG = Environment, Social & Governance).

Dabei muss man jedoch unterscheiden zwischen "nachhaltigen" und "verantwortlichen Investments", denn die sogenannten verantwortlichen Investments schließen oft nur die negativsten Verstöße gegen internationale Standards oder die umstrittensten Branchen aus, während nachhaltige Investments ein gesellschaftlich verantwortliches Gesamtkonzept (SRI = Socially Responsible Investment) verfolgen. Hierzu gehören beispielsweise faire Arbeitsbedingungen und Bezahlung, Klima- & Umweltschutz, Wahrung der Menschenrechte usw. zur Schaffung und Bewahrung lebenswerter Bedingungen für heutige und künftige Generationen. Die Bewertung von nachhaltigen Investments kann hunderte ESG-Kriterien enthalten, die z.B. vom Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) definiert werden.

Aktuelle Entwicklung von nachhaltigen Investments

Marktberichte über die Entwicklung von nachhaltigen Investments gehen dabei in eine vielversprechende Richtung. Nach den Erhebungen des FNG im Jahr 2016 erhöhte sich das Wachstum im Vergleich zum Vorjahr 2015 um 29% in den deutschsprachigen DACH-Staaten Deutschland, Österreich und der Schweiz auf insgesamt 419,5 Mrd. EUR, wobei die Investitionen in Deutschland um 15% auf 157 Mrd. EUR gestiegen sind. Zu berücksichtigen ist hier das hohe investierte Vermögen in der Schweiz, weshalb Deutschland auf einen vergleichsweise geringen Anteil am Gesamtvolumen kommt.

Kann man mit Nachhaltigkeit sicherer investieren?

Nachhaltig investieren heißt nicht automatisch, weniger Rendite zu erzielen. Im Vergleich zu klassischen Anlageprodukten liegt die Rendite zum Teil sogar über dem Gewinn der konservativen Geldanlagen, Aktien & Co. Allerdings gilt auch hier: Hohe Renditen bedeuten immer ein hohes Risiko. Auch nachhaltig investieren kann sehr spekulativ sein.

Inzwischen kommen auch Banken der steigenden Nachfrage nach den "grünen" Investments immer mehr nach, doch nicht immer handelt es sich dabei um echte nachhaltige Wertekonzepte, sondern lediglich um Unternehmen mit geschicktem Öko-Marketing. Hier gilt es, sich als Anleger genau über das Wertekonzept zu informieren.

Darüber hinaus tobt unter den zahlreichen Solar- und Ökostrom- und Windparkunternehmen ein heftiger Wettbewerb und wer nachhaltige Werte durch z.B. erneuerbare Energien verfolgt, muss nicht zwangsläufig gleichzeitig auch betriebswirtschaftlich zielführend denken und handeln können. Traurige Beispiele hierfür sind u.a.die spektakulären deutschen Insolvenzen von Prokon oder den Solar-Anbietern Solarworld und Q-Cells, deren Aktionäre exorbitante Totalverluste erlitten haben.

Riskant können – wie auch bei den klassischen Investitionen – auch Beteiligungen in Start-ups statt in etablierte Unternehmen sein, denn die Hürde, mittel- und langfristig profitabel arbeiten zu können, ist bei jungen Unternehmen in der Startphase noch nicht genommen, auch wenn die Nachhaltigkeit des Unternehmens vorbildlich ist.
Wichtig: Auf eine breite Risikostreuung achten

In jedem Fall sollten Anleger auf eine breite Risikostreuung achten, d.h. wer nur in bestimmte Branchen, Anlageklassen oder Einzelunternehmen investiert, erhöht damit automatisch sein Anlagerisiko, z.B. wenn eine ganze Branche schwächelt oder ein Unternehmen Insolvenz anmeldet, in welches ausschließlich und mit hohem Kapital investiert wurde. Je breiter das eigene Anlage-Portfolio in Bezug auf Unternehmen, Anlageklassen, Branchen und Ländern aufgestellt ist, desto geringer das Risiko.

Wie findet man das passende Anlageprodukt für nachhaltige Investitionen?

Wie findet man das das passende Anlageprodukt?
Um für sich als Anleger das passende, nachhaltige Anlageprodukt zu finden, kann das "Gütesiegel" des FNG als Entscheidungsbasis helfen. Da nachhaltige Geldanlagen mit breiterer Risikostreuung im Gegensatz zu Investitionen in Einzelunternehmen mit höherem Risiko besonders als Fonds gefragt sind, versieht das FNG diese mit Auszeichnungen zwischen ein bis drei Sternen. Mit dem Gütesiegel werden Fonds hinsichtlich Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung bewertet.

Die bisher höchste Auszeichnung mit drei Sternen erhielten von 34 im deutschsprachigen Raum zugelassenen Fonds, die sich für das FNG-Siegel zertifizieren ließen, der "Erste WWF Stock Environment" (Erste Bank Österreich), "Triodos Pioneers Fund" und & "Triodos Equity" (beide Triodos).

Von der Auszeichnung unabhängig ist aber die Wirtschaftlichkeit und Rendite, d.h. die Performance der Fonds findet in den Bewertungskriterien und im Hinblick auf die künftige Entwicklung keine Berücksichtigung. Hierfür müssen Anleger selbst Vergleiche anstellen, um sowohl die Risikostreuung im eigenen Portfolio, aber auch die finanziellen Entwicklungsmöglichkeiten der jeweiligen Anlageprodukte zu beurteilen. FNG bewertet lediglich die Nachhaltigkeit.

Fazit zu nachhaltigen Investments

Nachhaltig investieren lässt eine Vielzahl von eigenen Schwerpunkten und Kriterien des persönlichen Nachhaltigkeits-Wertekonzepts zu, ohne auf lukrative Renditen verzichten zu müssen. So können Anleger ihre "grünen" Geldanlagen beispielsweise mit besonderem Schwerpunkt auf den Klimaschutz, faire Arbeits- und Handelsbedingungen oder die Förderung von behinderten Menschen nach den ESG-Kriterien auswählen.

Dem Nachhaltigkeits-Ideal nach den ESG-Kriterien entsprechen weltweit nur vergleichsweise wenige Unternehmen und Staaten. Als Investoren können Anleger dabei Einfluss auf die Entwicklung der Nachhaltigkeit nehmen und Unternehmen als Aktionäre unterstützen, die wiederum verantwortungsvoll und zukunftsorientiert arbeiten und ihrerseits ihren Einfluss geltend machen können.

Wer nachhaltig investiert, findet zahlreiche Anlageprodukte, die jedoch nicht immer auch wirklich dem nachhaltigen Wertekonzept entsprechen. Cleveres Marketing mit "Öko-Anstrich" beweist dabei keineswegs die tatsächliche Nachhaltigkeit eines Unternehmens.

Hilfreich ist es deshalb, die für den Anleger persönlich in Frage kommenden Anlageprodukte nicht nur mit den eigenen Zielsetzungen der Nachhaltigkeit wie z.B. dem Schwerpunkt Soziales, sondern auch mit den offiziellen Bewertungskriterien für nachhaltig arbeitende Unternehmen als vollständiges Gesamtbild abzugleichen. Wer mit ökologisch erzeugtem Kakao handelt, muss nicht zwangsläufig auch die Kakaobauern fair bezahlen. Börsennotierte Großkonzerne wie z.B. Nestlé arbeiten in verschiedenen Bereichen auch ganz entgegen der Nachhaltigkeit. Nachhaltig investieren heißt auch immer, die betreffenden Unternehmen oder Länder kritisch zu hinterfragen, inwieweit das Gesamtkonzept nachhaltig ist.
Fonds mit breiterer Risikostreuung eignen sich gut

Alternativ eigenen sich aber nicht nur einzelne Unternehmen, sondern insbesondere Fonds mit breiterer Risikostreuung für nachhaltige Investitionen. Für weiterführende Informationen und die objektive Auswahl von nachhaltigen Investment-Möglichkeiten im deutschsprachigen Markt mit dem FNG-Gütesiegel eignet sich nicht nur FNG, sondern auch die Zeitschrift Öko-Test mit ebenfalls unabhängien Tests & Bewertungen der nachhaltigen Anlageprodukte.

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