Großer Ratgeber rund um das Investieren in Rohstoffe: Märkte, Produkte und Strategien

Die Rohstoffmärkte versprechen Inflationsschutz und Partizipation am weltweiten Wirtschaftsaufschwung. Gleichsam sind viele Rohstoffe für Privatanleger noch immer ein Buch mit sieben Siegeln. Dieser Beitrag klärt auf: Welche Rohstoffe gibt es? Wo werden Rohstoffe gehandelt? Wie können Privatanleger in Rohstoffe investieren? Macht es überhaupt Sinn, Gold, Öl und Co. ins Portfolio aufzunehmen?

Welche Rohstoffe gibt es?

In den Bereich "Rohstoffe" fallen sehr viele unterschiedliche Stoffe. Aus der Perspektive von Anlegern erscheint eine Unterteilung in Edel- und Industriemetalle, fossile Brennstoffe und Agrarrohstoffe sinnvoll.

Edelmetalle

In diesem Ratgeber erfahren Sie alles zum Thema Investieren in Rohstoffe
Edelmetalle sind korrosionsbeständige Metalle. Insbesondere Gold und Silber werden seit sehr langer Zeit als Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel genutzt. Darüber hinaus werden auch Platin und Palladium häufiger gehandelt.

Edelmetalle gelten als Schutz gegen Inflation, da sie – anders als Papier- oder Buchgeld – nicht beliebig vermehrt werden können. Das Angebot an Edelmetallen ist begrenzt. Von einer Währungsreform sind Metalle nicht betroffen, von gesetzlichen Verboten dagegen potenziell schon. Edelmetalle gelten zudem als Krisenwährung: Ein Goldbarren lässt sich auch in Kriegs- und Krisenzeiten leicht transportieren, während Immobilien und andere Vermögensgegenstände womöglich zurückgelassen oder abgetreten werden müssen.

Ein Teil der Nachfrage nach Edelmetallen entstammt der Industrie. Platin wird z. B. im Automobilbau, Gold zur Schmuckherstellung verwendet.

Industriemetalle

Zu den Industriemetallen zählen Aluminium, Blei, Kupfer, Nickel, Zink, Zinn, Kobalt und Wolfram. Diese Metalle werden vor allem in der Industrie benötigt. Die weltweite Nachfrage hängt deshalb zum einen mit der globalen Konjunktur, zum anderen von einzelnen Entwicklungen in bestimmten Branchen ab. So könnte z. B. starkes Wachstum im Bereich der Elektromobilität die Nachfrage nach Kobalt erhöhen, da dieses für Akkus benötigt wird.

Fossile Brennstoffe

Fossile Brennstoffe sind insbesondere Kohle, Öl und Erdgas. Diese Stoffe werden zur Erzeugung von Elektrizität und Wärme sowie als Treibstoffe verwendet. Der Löwenanteil des weltweiten Energieverbrauchs wird durch fossile Brennstoffe gedeckt  - ca. 30 Prozent durch Öl und 26 Prozent durch Kohle.

Agrarrohstoffe

Agrarrohstoffe – im Kontext des Finanzsektors auch als Soft Commodities bezeichnet – sind landwirtschaftlich erzeugte Güter. Dazu zählen Rinder, Schweine, Getreide, Zucker, Baumwolle, Holz u.v.m.

Wo und wie werden Rohstoffe gehandelt?

Der wesentliche Teil des börslichen Rohstoffhandels entfällt auf Terminkontrakte (Futures), die an großen Börsenplätzen wie der Chicago Mercantile Exchange (CME) und der London Metal Exchange (LME).

An der CME sind Rohstoffe in die Kategorien Agrarrohstoffe, Energie und Metalle unterteilt. Im Bereich Agrarrohstoffe sind z. B. Getreide und Ölsaaten, Lebendvieh, Molkereierzeugnisse, Holz, Kaffee, Zucker, Baumwolle und Bio-Treibstoffe handelbar.

Das Segment der Energie-Futures an der Chicagoer Börse umfasst u.a. Öl, Erdgas, Kohle, raffinierte Produkte und Elektrizität handelbar.

Der Bereich Metalle umfasst Futures auf die Edelmetalle Gold, Silber, Platin und Palladium sowie Kontrakte auf Aluminium, Eisen, Kupfer und Uran.

Die deutsche Terminbörse Eurex bietet im Vergleich dazu nur eine bescheidende Auswahl an Derivaten auf Rohstoffe. Handelbar sind z. B. Kontrakte auf den Bloomberg Commodity Index sowie auf Gold- und Öl ETCs.

Wie können Privatanleger in Rohstoffe investieren?

Privatanleger sind bei Investitionen in Rohstoffe nicht auf die Terminkontrakte der großen Börsen angewiesen. Diese eignen sich mitunter auch wegen der großen Kontraktgrößen nur bedingt für private Konten. Zudem sind für die Teilnahme am Futures Handel spezielle Kenntnisse erforderlich. Für die meisten privaten Trader eignet sich eine der nachfolgend vorgestellten Alternativen deshalb besser.

Börsengehandelte Rohstoffe (ETCs)

Börsengehandelte Rohstoffe (Exchange Traded Commodities, ETCs) sind an der Börse gehandelte Wertpapiere, die sich auf einen einzelnen Rohstoff beziehen und dessen Preisentwicklung nahezu 1:1 abbilden. ETCs werden fortlaufend notiert und können genauso gehandelt werden wie Aktien und ETFs. Die Preisbildung ist transparent und die Kosten fallen niedrig aus.

Auch wenn die Ähnlichkeit zu ETFs auf den ersten Blick groß ist, gibt es einen wesentlichen Unterschied. Ein ETC ist eine unbefristete Schuldverschreibung des Emittenten und kein rechtliches Sondervermögen. ETCs sind somit einem Emittentenrisiko ausgesetzt. Einige ETCs sehen eine physische Besicherung vor. ETFs auf einzelne Rohstoffe sind aufgrund der gesetzlichen Vorgaben zur Diversifikation innerhalb eines ETFs nicht realisierbar.
Gold ETC

Das in Deutschland bekannteste Beispiel für einen ETC ist Xetra-Gold. Es handelt sich um eine Schuldverschreibung der Deutsche Börse Commodities GmbH. Eine Schuldverschreibung bezieht sich jeweils auf 1,0 Gramm Gold, die Notierung erfolgt in EUR. Xetra Gold wird fortlaufend gehandelt.

Der Handel wird durch Designated Sponsors gestützt. Der Spread zwischen Geld- und Briefkurs darf 1,0 Prozent nicht überschreiten. Management- oder Verwaltungskosten gibt es nicht. Die Emittentin erwirbt mit Emissionserlösen Gold in physischer Form sowie als Buchgold. Anlegern steht ein Auslieferungsanspruch zu. Bei der Auslieferung fallen allerdings Kosten an.

Rohöl ETC

ETCs auf Rohöl werden von diversen Anbietern in großer Zahl angeboten. Die Produkte unterscheiden sich anhand verschiedener Merkmale. Zum einen betrifft dies den spezifischen Ölpreis, auf den sich ein ETC bezieht – zumeist handelt es sich um Öl der Sorte Brent oder um WTI Öl.

Zum zweiten können Rohöl-ETFs den Ölpreis auf verschiedene Weise abbilden. Zumeist erfolgt die Abbildung über konkret benannte Futures mit ebenso konkret benannten Rollterminen oder über Swaps.

Zum dritten können Öl ETCs besichert oder unbesichert sein. Auch auf Swaps basierende Produkte können durch entsprechende Vereinbarungen mit den Swap-Partnern besichert sein. Rohöl-ETCs sind typischerweise mit jährlichen Verwaltungskosten im Bereich von ca. 0,50 Prozent verbunden. Bezieht sich ein ETC auf Öl-Futures, können beim regelmäßigen Umschichten in Folgekontrakte Rollkosten anfallen.

ETFs auf Rohstoffindizes

ETFs können sich auf breitere Rohstoffindizes beziehen, in denen eine Vielzahl von Rohstoffen vertreten ist. Nicht bei allen Produkten handelt es sich um konventionelle ETFs, häufig kommen auch Trust-Konstruktionen zum Einsatz.  Anleger sollten den zugrundeliegenden Index in jedem Fall vollständig verstehen.
S&P GSCI Commodity Index

Der S&P GSCI Commodity Index wurde 1991 durch Goldman Sachs erstmals berechnet und 2007 durch Standard & Poors übernommen. Der Basisindex enthält 24 Rohstoffe, die als Future an Warenterminbörsen gehandelt werden. Die Gewichtung orientiert sich an den Weltmarktanteilen der einzelnen Rohstoffe. Auf Rohöl der Sorten Brent und WTI entfallen z. B. fast 50 Prozent des gesamten Indexes, Gold macht lediglich 2,9 Prozent aus.

Aufgrund des starken Gewichts fossiler Brennstoffe ist der S&P GSCI Commodity Index in dieser Variante nur begrenzt interessant für Anleger, die ein breit aufgestelltes Investment im Rohstoffsektor suchen. Der S&P GSCI Rohstoffindex steht auch in verschiedenen abgeleiteten Varianten (Sub-Indizes) zur Verfügung. Diese Sub-Indizes sehen eine andere Gewichtung vor.

Bloomberg Commodity Index

Eine Alternative zum S&P GSCI ist der Bloomberg Commodity Index. Dieser wurden 1998 erstmals berechnet – damals noch als Dow Jones AIG Commodity Index. Enthalten sind 20 Rohstoff-Futures. Die Gewichtung fällt etwas anders als aus als beim S&P Index: Auf Energie entfällt knapp ein Drittel, Industriemetalle machen knapp ein Fünftel und Gold ca. ein Zehntel des Indexes aus. Mehr als 35 Prozent der Gewichtung entfallen auf Agrargüter und Lebendvieh.

Zertifikate

Zertifikate ermöglichen eine sehr unkomplizierte Partizipation an der Entwicklung eines Rohstoffpreises. Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen des jeweiligen Emittenten. Die Papiere können als einfache Partizipationszertifikate gestaltet oder mit einem zusätzlichen Mechanismus (z. B. Bonus-, Express- oder Discountzertifikat) ausgestattet sein. Der Handel mit Zertifikaten ist bei den meisten Brokern minimal teurer als der Handel mit Aktien. Dies ist auf die etwas höheren börsenplatzabhängigen Entgelte an den maßgeblichen Handelsplätzen Börse Frankfurt Zertifikate und Euwax zurückzuführen.

Aktien

Der Kauf von Aktien von Unternehmen mit Bezug zu Rohstoffen stellt eine indirekte Möglichkeit für Rohstoffinvestments dar. Investiert wird dann z. B. in Minenbetreiber, Explorer, Ölunternehmen u.v.m. Mit einem breit aufgestellten Aktienkorb kann ein Portfolio mit starkem Bezug zum Rohstoffsektor entwickelt werden. Allerdings ist stets zu berücksichtigen, dass neben den eigentlichen Rohstoffpreisen auch diverse andere Faktoren auf die Aktienkursentwicklung einwirken. Genannt seien z. B. Überkapazitäten, Produktionskosten, Kreditkosten, Handelssanktionen…

Futures

Futures sind der direkteste Weg für Rohstoffinvestments. Ein Future bezieht sich auf eine bestimmte Menge eines bestimmten Rohstoffs, der zu einem festgelegten Zeitpunkt zu einem festgelegten Preis gekauft (Longposition im Future) bzw. verkauft (Shortposition im Future) wird.

Futures sind unbedingte Termingeschäfte, d.h. der Käufer ist bei Fälligkeit theoretisch zur Abnahme der vereinbarten Menge und zur Zahlung des vereinbarten Kaufpreises verpflichtet. De facto existiert eine solche Verpflichtung regelmäßig nicht: Wer eine Longposition vor Fälligkeit „glattstellt“, indem zusätzlich eine Shortposition eröffnet wird, muss sich um die Abwicklung nicht kümmern.

Futures werden an Terminbörsen gehandelt. Dort gilt das Margin Prinzip: Trader hinterlegen nur einen Teil des gehandelten Marktwertes als Sicherheit. Daraus resultiert eine Hebelwirkung, die mit Chancen und Risiken verbunden ist. Für professionelle Marktteilnehmer ist der Handel mit Futures die erste Wahl: In keinem anderen Produkt sind die Kosten niedriger. So können auch Futures mit einem Kontraktwert von mehreren hunderttausend Euro für weniger als 5 EUR gehandelt werden. Zudem ist der Handel über Terminbörsen reguliert.

Einsteiger und Trader mit mittleren Erfahrungen und Kenntnissen sind an Terminbörsen dagegen an der falschen Adresse. Damit Abläufe und Risiken optimal verwaltet werden können, sind gewisse Kenntnisse erforderlich.

CFDs

CFDs sind im Rohstoffsegment geeignet für Privatanleger
Eine naheliegende Alternative zu Futures speziell für Privatanleger sind CFDs. CFDs im Rohstoffsegment beziehen sich sehr häufig sogar auf Futures. Ein CFD bildet seinen Basiswert nahezu 1:1 ab. Es gibt keine Laufzeitbegrenzung (bei CFDs auf Futures allerdings sehr wohl Rollvorgänge), der Kurs des Basiswertes ist der maßgebliche Faktor für den Wert des CFDs. Ähnlich wie bei Futures muss nur ein Bruchteil des Marktwertes als Margin hinterlegt werden, so dass Trader mit großen Hebeln operieren können. Die Kontraktwerte von CFDs sind häufig sehr viel geringer als die von Futures, was privaten Tradern entgegenkommt.

CFDs werden außerbörslich über spezialisierte Broker gehandelt. Deshalb ist ein Blick auf die Preisbildung bzw. das Geschäftsmodell des Brokers sehr wichtig. Im Idealfall lässt der Broker zu den Kursen regulierter Börsen handeln und lebt selbst ausschließlich von Kommissionen. Dieses Marktmodell wird als Direct Market Access (DMA) behandelt. Andere CFD Broker agieren als Market Maker und stellen selbst die Kurse. Dann sind zusätzliche Kosten innerhalb der Spreads die Regel.

Sind Rohstoff-Investments sinnvoll?

Die Gretchenfrage lautet: Sind Investments in Rohstoffe tatsächlich sinnvoll? Dafür sprechen jedenfalls Megatrends: Die Ressourcen sind begrenzt, die Weltbevölkerung und der Lebensstandard wachsen, wodurch eine steigende Nachfrage auf ein knappes Angebot trifft. Dieses grundsätzliche Überlegung spricht für steigende Rohstoffpreise in der langfristigen Betrachtung. Gleichwohl können die Preise für Rohstoffe zwischenzeitlich stark fallen, wie es etwa beim Rohöl der Fall war.

Inflationsschutz und Diversifikation

Wesentliche Beweggründe für Rohstoffinvestments sind Diversifikation und Inflationsschutz. Die Entwicklung der Rohstoffpreise – so wird häufig argumentiert – verlaufe anders als die Entwicklung an den Aktien- und Rentenmärkten. Deshalb eigneten sich Rohstoffe zur Diversifikation bzw. Beimischung zu einem Wertpapierportfolio. Geringe Korrelationen zu Aktien- und Rentenkursen lassen sich allerdings nur bei einigen Rohstoffen wie z. B. Gold beobachten. Andere Rohstoffe sind deutlich stärker abhängig von konjunkturellen Einflüssen – und damit Entwicklungen, die auch für Aktien und Renten sehr relevant sind.

Spezielle Risiken und Kosten in Verbindung mit Rohstoff-Investments

Investments in Rohstoffe können mit einigen speziellen Risiken und Kosten verbunden sein.
Das Glattstellungsrisiko

Futures auf Rohstoffe können grundsätzlich genauso gehandelt werden wie Financial Futures. Bei Futures auf Rohstoffe, die stark von Saisonalitäten und Wettereinflüssen bestimmt sind, kann es zu extremen Preisschwankungen kommen, etwa infolge eines Ernteausfalls. Dann können Futures möglicherweise nicht glattgestellt werden, was zu hohen Nachschusspflichten führen kann.

Lagerung und Versicherung

Wer Edelmetalle selbst lagert, trägt die Verlustrisiken durch Diebstahl, Raub etc. Diese Risiken sind versicherbar. Für den Versicherungsschutz fallen allerdings Kosten an. Zudem erfordert die Absicherung über eine Hausratversicherung die Lagerung in einem zertifizierten Safe. Alternativ dazu kann ein Schließfach bei einer Bank gemietet und der Inhalt versichert werden.

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