Lohnt es sich mit einem Goldsparplan physisches Gold zu kaufen? Dieser verständliche Ratgeber klärt auf!

Gold gilt als "sichere Bank" in Krisenzeiten wie seinerzeit der Schweizer Franken. Als Wertsicherung nimmt das Edelmetall den höchsten Stellenwert unter den klassischen Geldanlagen ein. Wer in physisches Gold investiert, spekuliert aber oft auch auf langfristige Wertsteigerungen und vertraut auf einen idealerweise wertbeständigen Rohstoff, der von einem Börsencrash unabhängig ist, wenn Aktionäre über hohe Verluste klagen. Dass es allerdings in der Vergangenheit auch bei Gold immer wieder Preisrückgänge und -schwankungen gab, die den Wert der Geldanlage deutlich schmälern, wird dabei oft vergessen.

Kann man mit 50 EUR monatlich mit einem Goldsparplan wirklich Vermögen aufbauen? Lohnt es sich, in physisches Gold zu investieren und am Ende auf 10.000stel Gramm genaue Anteile an einem Goldbarren zu besitzen? Welche Arten von Goldsparplänen gibt es und wie erkennt man seriöse und unseriöse Anbieter?

Wie funktioniert ein Goldsparplan?

Mehr zur Funktionsweise eines Goldsparplans
Im Gegensatz zu einem "normalen" Sparplan handelt es sich bei einem Goldsparplan nicht um eine klassische Sparanlage mit fester Verzinsung, sondern um regelmäßige Gold-Investitionen, mit welchen physische Goldanteile über Banken, bei Edelmetallhändlern wie z.B. Degussa oder speziellen anderen Unternehmen, die Tresorgold lagern, erworben werden.

Ein Goldsparplan startet in der Regel mit einer Mindest-Spareinlage von 50 EUR monatlich. Damit eignet sich der Sparplan insbesondere für Kleinanleger. Alternativ lassen sich aber auch flexible Einzahlungen vereinbaren, die dann auch von Dritten vorgenommen werden können, z.B. für den Vermögensaufbau von Kindern.

Unterschieden wird zwischen drei unterschiedlichen Goldsparplan-Modellen:

  • Ansparmodell für den Kauf ganzer Goldbarren oder Münzen
  • Anteiliger Erwerb von Goldbarren (z.B. 1 kg Goldbarren)
  • Erwerb von Kleinstbarren (z.B. 0,5 g oder 1 g)
Die vorgenannten Modelle können auch miteinander kombiniert werden. Außerdem gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, denn Gold kann man nicht nur als Barren, sondern auch als Münze wie z.B. Krügerrand kaufen.

Der Haken bei Kleinstbarren: Der Verkaufspreis von Kleinstbarren von 0,5 oder 1 g ist beispielsweise weit teurer als der Goldpreis je Gramm und die Differenz kann unter Umständen sogar 25% betragen. Goldsparpläne, die den Erwerb von Kleinstbarren enthalten, lohnen sich deshalb eher nicht.

Mit der Spareinlage erwirbt der Depotinhaber beispielsweise auf 10.000stel Gramm genau ermittelte Anteile als Miteigentümer an einem Goldbarren, der 1 kg schwer ist und über einen Feingoldgehalt von 999,9/1.000 verfügt. Der Kauf erfolgt an den Handelstagen zum Referenzpreis des Verkaufskurses, wobei der eingegangene Sparbetrag in die kursgenaue Menge Gold konvertiert und dem Depot als Vermögenswert gutgeschrieben wird. Wer Gold auf diese Weise kauft, ist von der Umsatzsteuerzahlung übrigens befreit.

Allerdings kann nicht mit jeder Sparrate auch direkt jeden Monat Gold gekauft werden, denn der angesparte bzw. verfügbare Betrag für den Ankauf muss ausreichend sein, um die kleinste mögliche Gold-Einheit z.B. am 1 kg Goldbarren oder den ganzen Barren bzw. die Münze überhaupt erwerben zu können und eine Kauforder auszulösen. Es kann also sein, dass zunächst einige Zeit angespart werden muss, um Gold dann tatsächlich auch zu kaufen.
Goldsparpläne sind unbefristet

Goldsparpläne werden unbefristet abgeschlossen. Sie können unter Einhaltung einer vereinbarten Kündigungsfrist – üblicherweise beträgt diese einen Monat zum Ende des Kalendermonats – gekündigt werden. Der Sparplan kann also prinzipiell so lange durch Spareinlagen bedient werden, wie es der Depotinhaber wünscht. Der monatliche Sparbetrag wird meist per Lastschrift (SEPA-Raum) eingezogen, so dass der Sparplan-Kunde sich um die regelmäßigen Zahlungen nicht weiter zu kümmern braucht.

Physisches Gold über das Depot handeln

Man kann jedoch das Gold nicht nur über den Sparplan kaufen, sondern auch verkaufen. Das macht natürlich nur Sinn, wenn der Goldkurs steigt und der Depotinhaber einen Verkaufsgewinn erzielt, der Verkaufspreis zugunsten des Verkäufers also höher ist als der seinerzeitige Ankaufspreis. Verkäufe werden zum Referenzpreis des Ankaufskurses getätigt. Der Verkaufserlös wird dann dem Depot gutgeschrieben oder dem Depotinhaber auf sein Referenzkonto bei seiner Hausbank überwiesen.

Wo befindet sich das eigene Gold nach dem Kauf?

Wer Gold besitzt, möchte natürlich auch wissen, wo es sich befindet und ob es sicher im Tesor verwahrt wird, denn im Gegensatz zu Wertpapieren könnte Gold auch gestohlen werden. Nun wird kein individueller Goldbarren mit den entsprechenden Namen der jeweiligen Eigentümer versehen, sondern die Goldbarren werden üblicherweise in einem Sammellager verwahrt und sind gegen Diebstahl und Beschädigung versichert.

Dass man physisches Gold bei Kauf über den Goldsparplan besitzt, bedeutet nur, dass man Gold in Form "irgendeines" Barrens oder einer Münze im Sammellager oder Tresor besitzt, denn es geht ausschließlich um den reinen Materialwert des Edelmetalls, nicht um individuell zuzuordnende Goldprodukte.

Anders ist es jedoch beispielsweise beim sogenannten Wertlagersparen, wie es der deutsche Edelmetallhändler Degussa neben den beiden übrigen Varianten Goldsparplan und Goldsparen anbietet. Ziel des Anlegers ist es, Goldbarren oder Münzen zu kaufen bis man einen ganzen Goldbarren oder eine Münze besitzt. Jedes Goldprodukt, welches der Anleger als ein Stück vollständig erworben hat, wird entweder individualisiert unter seinem Namen gegen Gebühr im Kunden-Wertlager der Degussa deponiert oder per Wertkurier nach Hause bzw. in den eigenen Tresor des Kunden geliefert.

Was kostet ein Goldsparplan?

Was kostet ein Goldsparplan überhaupt?
Bei den Kosten für Goldsparplan-Depots gibt es erhebliche Preisunterschiede. Auch seriöse Anbieter verlangen teilweise hohe und umfangreiche Gebühren, wie z.B. die Sutor Bank, die eine Mindest-Depotgebühr von 14 EUR pro Halbjahr ansetzt, während Degussa-Depots kostenfrei geführt werden.

Bevor Gold gekauft werden kann, setzten einige Anbieter ein Mindest-Ansparsumme oder eine Mindest-Einzahlung als Einmalzahlung voraus. Hinzu kommen die Transaktionskosten, die für jeden Kauf und Verkauf fällig werden.

Meist jährlich werden die Lagerkosten abgerechnet und an den Kunden weitergegeben. Die Lagerung wird prozentual auf den durchschnittlichen monatlichen Lagerbestandswert des vorhandenen Goldsparplans des Kunden berechnet und beträgt bei Degussa z.B. 0,48% p.a.

Um die Höhe der Gesamtkosten und den tatsächlichen Wert bzw. die erforderliche Kurssteigerung über den Anlagezeitraum zu ermitteln, sollten Goldsparplan-Anleger in jedem Fall die Gebühren und nach Abzug die erforderliche Wertsteigerung unter realistischen Gesichtspunkten vergleichen. Ist nach Abzug der Gebühren eine Kurssteigerung des Goldpreises um beispielsweise 20% oder 25% notwendig, um keine Verluste zu verbuchen, ist der Anbieter zu teuer und ein so hoher Kursanstieg unrealistisch.

Seriöse Anbieter & schwarze Schafe unterscheiden

Für Goldsparpläne gibt es keine rechtlichen Vorgaben. Praktisch jeder kann als Vermittler oder Anbieter auftreten, denn Goldsparpläne unterliegen keiner Finanzmarktaufsicht und man benötigt auch keine Lizenz für den Vertrieb. Umso wichtiger ist es, seriöse Anbieter von den schwarzen Schafen im Markt zu unterscheiden.

Seriöse Goldsparplan-Produkte werden über Banken, namhafte Edelmetallhändler oder auf Tresorgold spezialisierte Unternehmen vertrieben.
Vorsicht bei hohen Abschlussprovisionen

Hellhörig sollte man insbesondere bei hohen Abschlussprovisionen werden. Am Ende bleibt vom erworbenen Gold kaum noch etwas an Vermögenswert übrig, weil Provisionen und Gebühren exorbitant hoch sind.

Vor- & Nachteile von Goldsparplänen

Vorteile:

  • Wertsicherung durch physisches Edelmetall
  • Niedrige Sparraten ab 50 EUR möglich
  • Kauf & Verkauf über das Depot
  • Handel mit offiziellen Referenzpreisen für An- und Verkauf von Gold
  • Langfristige Geldanlage auch für Kleinanleger
  • Jederzeit kündbar (Kündigungsfrist meist 1 Monat zum Monatsende)
Nachteile:

  • Hohe Depotgebühren, Abschluss-, Transaktionsgebühren & Vermittler-Provisionen möglich
  • Zusätzliche Kosten wie z.B. Lagerung
  • Als alleiniger Vermögensaufbau nicht geeignet, lediglich Beimischung zum Portfolio
  • Viele unseriöse Anbieter & Vermittler, keine Finanzmarktaufsicht

Fazit zum Goldsparplan

Goldsparpläne sind zwar aufgrund der niedrigen, monatlichen Sparraten für Kleinanleger interessant, eignen sich aber nicht zum alleinigen Vermögensaufbau, sondern nur als Beimischung zum sonstigen Anlageportfolio. Für den Aufbau von Vermögenswerten sind andere Geldanlagen wie Sparpläne mit fester Verzinsung oder Fonds-Sparpläne z.B. für junge Anleger wesentlich besser geeignet, zumal sie zu einem guten Teil auch als vermögenswirksame Leistungen für Arbeitnehmer zu besparen sind, was bei Goldsparplänen nicht der Fall ist.

Entscheidend ist insbesondere die Höhe der Gebühren und sonstigen anfallenden Kosten für den Goldsparplan. Hier gibt es gravierende Unterschiede zwischen den Anbietern, angefangen von Depotgebühren über Transaktionskosten für An- und Verkauf bis zu Mindest-Ansparsummen und gegebenenfalls Abschlussprovisionen.

Seriöse Anbieter wie Degussa, VR Bank, Sparkassen oder comdirect bieten Anspar- und andere Goldspar-Modelle ab bereits 50 EUR monatlicher Sparsumme, unterscheiden sich aber bei den Gebühren zum Teil erheblich. Vergleichen ist deshalb ein unbedingtes Muss.

Wer in Gold als physischen Rohstoff investieren möchte, sollte sich alternativ aber auch den ETC-Handel mit XETRA-Gold über die Börse anschauen.
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