Handelsbilanz Definition


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Generell handelt es sich bei einer Bilanz um eine Gegenüberstellung von Vermögenswerten und Schulden eines Unternehmens. Wie der Name schon sagt, wird die Handelsbilanz nach handelsrechtlichen Gesichtspunkten erstellt.


Ergebnis der Handelsbilanz ist die Ermittlung des wirtschaftlichen Erfolgs eines Wirtschaftsjahres. Im Gegensatz dazu ist das Ziel der Steuerbilanz, den steuerlichen Unternehmensgewinn darzustellen.

Handelsbilanz (BWL) Gesetzliche Grundlagen

In Deutschland sind die Kriterien für die Aufstellung einer Handelsbilanz im Handelsgesetzbuch (HGB) festgelegt.

Für Personengesellschaften und Einzelunternehmen gelten §§ 238 bis 263 HGB. Das bedeutet: Eine Handelsbilanz muss erstmalig bei der Aufnahme des Handelsgewerbes und dann beim Ende eines jeden Geschäftsjahres unter Beachtung der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung (GoB) in deutscher Sprache aufgestellt und von sämtlichen persönlich haftenden Gesellschaften unterschrieben werden.

Diese allgemeinen Regeln gelten auch für  Kapitalgesellschaften. Zusätzlich sind aber noch §§ 264 bis 335 HGB anzuwenden.

Hier müssen zusätzlich noch die wirklichen Vermögens- Finanz- und Ertragsverhältnisse des Unternehmens dargestellt werden. Der Zeitraum der Bilanzerstellung ist auf die ersten drei Monate nach Ende des Geschäftsjahres beschränkt. Für kleine Kapitalgesellschaften verlängert sich diese Aufstellungsfrist auf höchstens sechs Monate.

Handelsbilanz im volkswirtschaftlichem Kontext 

Die Handelsbilanz ist Teil der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und spiegelt das Ergebnis von Im- und Exporten eines Landes wieder. Sie liefert somit eine Kennzahl für den Außenhandel und stellt Zahlungsforderungen oder auch Schulden  eines Landes dar. Andere Begriffe für die Handelsbilanz sind zudem Warenbilanz, Außenhandelsbilanz oder auch Warenhandelsbilanz. Dabei kann die Handelsbilanz auf Monatsbasis oder als Jahresergebnis geführt werden. Grundsätzlich hat jedes Land seine eigenen Erfassungsmethoden, so dass bei einem Vergleich zweier Länder starke Abweichungen auftreten können. Dies liegt an unterschiedlichen Programmen, aber auch an der Notwendigkeit von Schätzungen sowie Schwund durch Meldepflichtschwellen. Oftmals findet  auch eine Unterbewertung der Güter statt, so dass nicht der reale Preis wiedergegeben wird. Auch schwankende Wechselkurse verfälschen die Bilanz.


Die Handelsbilanz ist dabei Teil der Leistungsbilanz bzw. Zahlungsbilanz. Auf Grundlage der Ergebnisse der Handelsbilanz können politische Entscheidungen getroffen und begründet werden.

Pflicht zur Erstellung

Deutschland ist verpflichtet, eine Handelsbilanz zu erstellen und diese zu veröffentlichen. Für die Fertigung der Bilanz ist das Statistische Bundesamt in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesbank zuständig. Vor der Veröffentlichung müssen die Daten jedoch noch einmal korrigiert werden, und zwar in Bezug auf die Transportdienstleistungen sowie Veredelungs- und Lagergeschäfte. Eine Bewertung von Im- und Exporten erfolgt grundsätzlich nach den Incoterms FOB und CIF. FOB steht für free on board. Dieser Wert erfasst den Warenpreis bis zur Grenze. Der Wert CIF beinhaltet zudem noch die Versicherungs- und Transportkosten zwischen den Zollgrenzen.

Die Struktur der Handelsbilanz

Grundsätzlich besteht die Handelsbilanz aus einer Gegenüberstellung von Soll und Haben. Im Soll werden dabei die Warenexporte erfasst, im Haben die Warenimporte. Dabei erfolgt innerhalb der Im- und Exporte noch eine weitere Aufgliederung nach Warengruppen wie

  • Rohstoffen
  • Fertigwaren
  • Nahrungsmitteln.

Im Ergebnis stehen drei Resultate zur Verfügung. Zum einen kann die Handelsbilanz ausgeglichen sein. Dies würde bedeuten, dass die Zahl der Importe der Höhe der Exporte entspricht und weder Forderungen noch Verbindlichkeiten vorliegen. Dieser Ausgang ist eher unrealistisch. Im besten Falle ergibt die Handelsbilanz einen positiven Wert. Dies würde bedeuten, dass das Land mehr Waren exportiert als importiert. Hier wird auch von einem Handelsbilanzüberschuss gesprochen. Der Saldo steht hier im Haben. Die Folge eines Handelsbilanzüberschusses ist bilanztechnisch ein Kapitalexport bzw. positiver Nettoexport. Im Gegensatz zum Handelsbilanzüberschuss kann auch eine negative Handelsbilanz bestehen und somit ein Handelsbilanzdefizit. Hier würden die Importe den Wert der Exporte übersteigen. Somit sind die Verbindlichkeiten höher als die Forderungen gegenüber dem Ausland. Dies wiederum führt zu einem Kapitalimport oder auch negativen Nettoexport.

Die direkten Folgen eines Handelsbilanzüberschusses können zum einen positiv, aber auch negativ sein. Eine positive Folge wäre der Rückgang der Arbeitslosigkeit. Zudem steigt die Wettbewerbsfähigkeit durch Investitionen. Negativ kann sich eine verstärkte Abhängigkeit von konjunkturellen und politischen Maßnahmen des Partnerlandes auswirken.

Bei einem Handelsbilanzdefizit hingegen liegen Verbindlichkeiten gegenüber einem Partnerland vor. Dies führt zum einen zu Zinskosten. Zudem steigt der Bedarf an ausländischer Währung und es entsteht ein Überangebot der eigenen Währung. Infolgedessen wird versucht, den Euro abzuwerten. Die zu exportierenden Güter werden für das Partnerland günstiger. Ein Anstieg der Exporte wäre die Folge. Die Importe hingegen würden abnehmen. Erfolgt dies in einem ausgeglichenen Verhältnis, so verbessert sich die Handelsbilanz ( Marshall-Lerner-Bedingung).  Eine Folge dessen kann zudem der Rückgang der Arbeitslosigkeit sein. Die Erfolge der Euro-Abwertung erfolgen natürlich nicht immer sofort, da hier unterschiedlichste Faktoren Einfluss nehmen. Insofern kann es passieren, dass sich die Handelsbilanz zunächst verschlechtert, bevor sie sich wieder erholt. Dies spiegelt die sogenannte J-Kurve wieder.

Was wirkt sich alles auf die Handelsbilanz aus?

Auch hier wird wieder unterschieden zwischen den Einflüssen, die sich auf den Export auswirken und denen, die den Import betreffen.

Das Exportvolumen ist grundsätzlich von vielen Faktoren abhängig. Hierzu zählen unter anderem

Der Import wird ebenso beeinflusst durch oben genannte Punkte. Hinzu kommen noch

  • das BIP
  • die Binnennachfrage
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