Überliquidität

Kurz & einfach erklärt:

Überliquidität verständlich & knapp definiert

Bei einer Überliquidität überschreiten die Geldreserven eines Unternehmens den tatsächlichen Bedarf. Da ein Zinsverlust droht, wenn der Kapitalüberschuss nicht gewinnbringend investiert wird, versuchen Unternehmen eine Überliquidität zu vermeiden. Dies geschieht am ehesten durch eine langfristige Investitionsplanung.

Bei einer Überliquidität übersteigen die verfügbaren Geldmittel eines Unternehmens den optimalen Liquiditätsgrad. Damit stehen einer Firma mehr Barmittel zur Verfügung, als sie für die Begleichung kurzfristiger Verbindlichkeiten tatsächlich benötigt. Wird dieser Kapitalüberschuss nicht gewinnbringend investiert, droht ein Zinsverlust. Ziel einer jeden betriebswirtschaftlichen Finanzplanung ist es folglich, solch eine Überliquidität vorausschauend zu vermeiden.

Der optimale Liquiditätsgrad


Liquidität stellt eine der wichtigsten unternehmerischen Kennziffern dar. Anhand dieser Zahl lässt sich erkennen, wie es um die Zahlungsfähigkeit einer Firma bestellt ist.

Grundsätzlich muss jedes Unternehmen über genügend liquide Mittel verfügen, um Löhne, Lieferantenkosten, laufende Kredittilgungen sowie sonstige Betriebskosten begleichen zu können. Im Wesentlichen geht es darum, alle offenen Forderungen bedienen zu können, ohne dabei das Anlagevermögen anzutasten müssen.

Zusätzlich baut man Reserven auf, um bei unerwartetem Zahlungsausfall oder Zahlungsverzögerungen dennoch alle laufenden Kosten bestreiten zu können. Die Höhe des empfehlenswerten Geldpolsters hängt von der Branche und der Betriebsgröße ab.

Der optimale Liquiditätsgrad ist allerdings konjunkturellen Schwankungen unterworfen. In wirtschaftlichen Krisenzeiten erhöht sich beispielsweise der Bedarf an Geldreserven. Die Unternehmen fahren Ausgaben zurück und nutzen die Einnahmen zum Aufbau von Rücklagen, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein.

Wie Überliquidität entsteht


Was in einer wirtschaftlich schwierigen Phase sinnvoll ist, kann sich bei einer darauffolgenden Konjunkturerholung als Bumerang erweisen. Hat ein Unternehmen in dieser Zeit gewaltige Geldreserven angehäuft, ohne sie in der Krise anzurühren, steht die Geschäftsführung nun vor einem Problem. Denn diese Geldmenge muss nun so schnell wie möglich in sinnvolle Investitionen fließen.

Im Normalfall investiert man Bilanzüberschüsse in neue Mitarbeiter, Maschinen, Liegenschaften oder Firmenkäufe. Doch diese Investitionsvorhaben sind mit einer gewissen Vorlaufzeit verbunden. Wenn man während einer Wirtschaftskrise alle Planungen eingestellt hat, kommt es nun zu einem Investitionsstau.

Obwohl die Überliquidität zunächst keine unmittelbare Bedrohung für das Unternehmen darstellt, verliert die Firma mit jedem weiteren Monat, der verstreicht, an Rentabilität. Dies kann sich mittelfristig auch auf die Bewertung des Unternehmens durch Finanzanalysten auswirken. Im Extremfall bricht der Aktienkurs ein, Investoren springen ab und die Finanzierung neuer Investitionsvorhaben wird deutlich teurer.

Zur Überliquidität rechnet man im Übrigen auch ungenutzte Immobilien oder Grundstücke, die ein Unternehmen in seinem Portfolio hortet, statt sie gewinnbringend zu veräußern. Genauso kann man eine nicht ausgeschöpfte Kreditlinie als Überliquidität bezeichnen.

Strategien zum Abbau einer Überliquidität


Aktiengesellschaften haben den Vorteil, dass sie eine eventuelle Überliquidität durch eine kurzfristige Dividendenausschüttung auflösen können. Dadurch gibt man den Anlegern einen wichtigen Anreiz für weitere Investitionen. Manche Unternehmen nutzen die Überschüsse, um eigene Aktienpakete zurückzukaufen. Dies macht Sinn, wenn die Aktie an der Börse unterbewertet ist.

Andere Betriebe verwenden das Kapital, um bestehende Schulden mit einer Sondertilgung abzulösen. So kann das Unternehmen die Zinsersparnis als Gewinn verbuchen. Die wirkungsvollste Maßnahme bleibt jedoch, beizeiten Pläne für notwendige Investitionen zu erstellen und sie im Bedarfsfall hervorzuholen.

Zusammenfassung Überliquidität:



  • bei Überliquidität überschreiten die Geldreserven eines Unternehmens den tatsächlichen Bedarf
  • ungenutzte überliquide Mittel schmälern die Rendite
  • in wirtschaftlichen Krisenzeiten ist eine Überliquidität jedoch sinnvoll
  • Überliquidität lässt sich am ehesten durch eine langfristige Investitionsplanung verhindern

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