Fertigungstiefe

Kurz & einfach erklärt:

Fertigungstiefe verständlich & knapp definiert

Die Fertigungstiefe gibt den Anteil der Produktion an, den ein Unternehmen selbst übernehmen kann. Folglich beschreibt eine größere Fertigungstiefe eine große Unabhängigkeit des Unternehmens an externe Firmen.

Die Produktion eines Gutes geschieht häufig nicht nur innerhalb einer eigenständigen Produktionskette. Vielmehr ist es notwendig, verschiedene Zwischenprodukte herzustellen, die wiederum nötig sind, um das entsprechende Gut zu produzieren. In diesem Fällen ist ein einzelnes Unternehmen häufig nicht allein in der Lage, das entsprechende Gut zu produzieren bzw. alle nötigen Arbeitsschritte auszuführen. 

Der Begriff der Fertigungstiefe eines Gutes gibt dabei an, wie viel der Produktion das Unternehmen selbst übernehmen kann

Dabei gilt: Je größer die Fertigungstiefe, desto unabhängiger ist das Unternehmen von externen Dienstleistungs- oder Zulieferfirmen. Mit höherer Fertigungstiefe steigen meist allerdings auch die Personalkosten des Unternehmens.

Fertigungstiefe berechnen

Kaum ein großes Produktionsunternehmen führt tatsächlich alle Produktionsschritte für das Endprodukt selbst durch. Vielmehr fokussiert es sich etwa darauf, die einzelnen Komponenten des Produkts zusammenzufügen und für die Forschung und Entwicklung zu sorgen. Wie hoch der Anteil der Eigenproduktion ist, gibt die sogenannte Fertigungstiefe an. Die Formel:

Fertigungstiefe in Prozent = (Eigenfertigung * 100) / Gesamte Fertigung

Die gesamte Fertigung setzt sich wiederum aus den Eigenleistungen und Fremdleistungen zusammen. Liegt die Fertigungstiefe bei 0 Prozent, so führt das Unternehmen weder die Produktion an sich noch eine Veredelung durch. Damit beschränkt sich der Konzern lediglich auf den Handel. Hingegen bedeutet die Fertigungstiefe von 100 Prozent, dass das Unternehmen ohne Zukäufe von Komponenten oder Rohstoffen eine vollkommen unabhängige Produktion durchführt.

Berechnung der Fertigungstiefe – Beispiel aus der Praxis

Vorab sollen kurz Vergleichswerte des Autoherstellers Porsche dargestellt werden. Bei den Sportwagenmodellen wie dem 911er und dem Boxster liegt die Fertigungsquote bei rund 20 Prozent, beim Panamera sind es 15 und beim Cayenne lediglich 10 Prozent. Hingegen ist beispielsweise Volkswagen ein Unternehmen mit einer vergleichsweise hohen Fertigungstiefe, weil der Konzern eine eigene Gießerei besitzt und viele Produktionsteile selbst herstellt.

Als Beispiel diene im Folgenden ein Produzent von Schlafzimmern. Folgende Fremdleistungen fallen im Unternehmen an:

  • Einkauf von Rohstoffen (Bearbeitetes Holz)
  • Zukauf kleinerer Teile wie etwa Scharniere


Allerdings wird das eingekaufte Holz noch selbst bearbeitet, auch die Lackierung an sich findet im Unternehmen statt. Letztlich kann der betrachtete Möbelhersteller so eine Fertigungstiefe von 70 Prozent aufweisen. Für die genaue Berechnung ist es erforderlich, den Wert der einzelnen Produktionsschritte bzw. produzierten Einzelteile zu kennen. Nur so lässt sich detailliert ermitteln, welcher Anteil des Endprodukts im Unternehmen produziert worden ist.

Fertigungstiefe – Definition & Erklärung – Zusammenfassung

  • Die Fertigungstiefe beschreibt, welcher Anteil eines Endprodukts beim Unternehmen selbst produziert worden ist
  • Kaum ein großes ProduktionsunternehmenKaum ein großes Produktionsunternehmen weist eine Fertigungstiefe von 100 Prozent auf
  • Oftmals werden vor allem Rohstoffe und kleinere Teile von externen Lieferanten bezogen

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Themen: Logistik

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