Herstellungskosten

Die Herstellungskosten fallen bei der Herstellung bzw. Produktion eines Gutes an. Sie setzen sich zusammen aus: (in den Klammern stehen die gängigen Abkürzungen der einzelnen Kostenarten)


+ Materialeinzelkosten (Roh- Hilfs- Betriebsstoffe) (MEK)
+ Materialgemeinkosten (MGK)
+ Fertigungskosten (FEK)
+ Fertigungsgemeinkosten (FGK)
+ Fremde Lohnarbeit (FrLA)

= aktivierungspflichtige Herstellungskosten

+ Verwaltungsgemeinkosten 

= aktivierungsfähige Herstellungskosten 

Was genau beispielsweise unter Materialgemeinkosten zu verstehen ist, wird in der Kostenarten Übersicht geklärt.

Herstellungskosten berechnen im Detail

Info: Was sind Herstellungskosten?

Als Herstellungskosten werden alle Kosten bezeichnet, die im Rahmen der Produktion eines Anlageguts anfallen, das anschließend selbst verwendet wird. Dabei definiert der Gesetzgeber genau, welche Kostenpunkte aktiviert werden dürfen.

Im deutschen Handelsgesetzbuch sind die Herstellungskosten eindeutig definiert. Grundsätzlich sollen diese Kosten dazu dienen, einen Basis für die Abschreibung von selbst hergestellten Vermögenswerten zu schaffen. Das Problem hierin besteht vor allem in den Gemeinkosten, weil sich diese teilweise nur schwer auf die einzelnen Produkte umrechnen lassen. Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber ein genaues Schema entwickelt, anhand dessen sich die Herstellungskosten berechnen lassen:

Pflicht zur Aktivierung:


All diese Kostenpunkte müssen vom Unternehmen bei der Ermittlung der Herstellungskosten berücksichtigt werden. Somit gilt es insbesondere, die Fertigungs- und Materialgemeinkosten genau auf das jeweilige Wirtschaftsgut umzurechnen.


Wahlrecht bei der Aktivierung:

  • freiwillige Sozialkosten, Aufwendungen für die betriebliche Altersversorgung (herstellungsbezogen)
  • freiwillige Sozialkosten, Aufwendungen für die betriebliche Altersvorsorge (nicht herstellungsbezogen)
  • allgemeine Verwaltungskosten, die grundsätzlich der Produktion zugerechnet werden können
  • allgemeine Verwaltungskosten, die nicht in direktem Zusammenhang mit der Produktion stehen
  • Zinsen für Fremdkapital, das rein für die Herstellung des Vermögensgegenstands genutzt wurde


Das Wahlrecht besteht auch deshalb, weil die Ausgaben teilweise nur mit einem enormen Aufwand auf die einzelnen Produkte umzurechnen sind. Um sich diesen Aufwand zu sparen, können Unternehmen auf die Anrechnung der Kostenpunkte verzichten.

Verbot zur Aktivierung:


Bei diesen Kostenpunkten handelt es sich aus Sicht des Gesetzgebers nicht um Kostenpunkte, die in direktem Zusammenhang mit dem hergestellten Vermögenswert stehen.

Unterschied zwischen Herstellungskosten und Herstellkosten

Auch wenn sich die Begriffe Herstellungskosten und Herstellkosten stark ähneln, so sind sie doch nicht synonym zu verwenden. Bei den Herstellkosten handelt es sich um einen Begriff der Kosten- und Leistungsrechnung, der sehr klar definiert ist. Herstellkosten bestehen aus:

  • Materialkosten
  • Fertigungskosten


Es existieren keine Wahlrechte
, so dass die Herstellkosten immer nach demselben Muster berechnet werden. Das ist bei den Herstellungskosten anders, hier hat das Unternehmen verschiedene Wahlrechte, was insbesondere die Gemeinkosten der Verwaltung betrifft. Werden diese Wahlrechte genutzt, so fallen die Herstellungskosten immer größer aus als die Herstellkosten.

Weil es sich bei den Herstellkosten aber um eine interne Kennzahl von Unternehmen handelt, können hier kalkulatorische Kosten in die Berechnung einbezogen werden. Das ist bei den im HGB definierten Herstellungskosten ausdrücklich nicht erlaubt.

Zusammenfassung: Unterschied Herstellungskosten und Herstellkosten

Herstellungskosten sind im HGB klar definiert, die Herstellkosten sind eine Kennzahl der internen Kosten- und Leistungsrechnung.

Abschreibung der Herstellungskosten

Eine besondere Bedeutung haben die Herstellungskosten vor allem deshalb, weil die selbst geschaffenen Wirtschaftsgüter auf deren Basis abgeschrieben werden. Insofern haben die Unternehmen ein Interesse daran, diese Kosten so hoch wie möglich ausfallen zu lassen, weshalb die Wahlrechte für die vorgestellten Kostenpunkte in aller Regel genutzt werden. Wie hoch die einzelnen Abschreibungsraten ausfallen, hängt dann wiederum von der gesetzlich angedachten Nutzungsdauer der Güter ab, die sich der AfA-Tabelle entnehmen lässt. Ein Beispiel:

  • Ein Unternehmen produziert eine Maschine, die anschließend selbst genutzt wird.
  • Für diese Maschine können Herstellungskosten von 100.000 Euro geltend gemacht werden.
  • Laut der AfA-Tabelle liegt die vorgesehene Nutzungsdauer der Maschine bei genau 5 Jahren.
  • Damit beträgt jede Abschreibungsrate genau 20.000 Euro.

Beispiel für die Ermittlung der Herstellungskosten

Ein Unternehmen, das LKW produziert, stellt die Fahrzeuge auch für den Eigenbedarf her. Hiermit werden dann beispielsweise Materialien transportiert. Einem solchen LKW sind grundsätzlich folgende Kosten direkt zuzuordnen:

  • Materialkosten von 20.000 Euro
  • Fertigungslohn in Höhe von 5.000 Euro


Hinzukommen allerdings weitere Fertigungsgemeinkosten, etwa für Mitarbeiter, die an mehreren Maschinen arbeiten oder die Produktion an sich managen. Zudem gibt es Materialgemeinkosten wie beispielsweise für den Strom, der bei der Produktion verbraucht wird. Insgesamt belaufen sich diese Gemeinkosten pro LKW auf weitere 10.000 Euro.

Das Unternehmen möchte allerdings bei den allgemeinen Verwaltungskosten sein Wahlrecht geltend machen, um die Herstellungskosten weiter zu erhöhen. Laut den Daten des Controllings liegen die zurechenbaren Verwaltungskosten bei 2.000 Euro, so dass sich insgesamt Herstellungskosten von 37.000 Euro ergeben. Diese können in der Bilanz aktiviert werden und dienen als Basis für die Abschreibungen.

Herstellungskosten – Definition & Erklärung – Zusammenfassung

  • Herstellungskosten fallen für selbst geschaffene Vermögenswerte an und sind im HGB definiert
  • Im Gegensatz dazu sind die Herstellkosten ein Begriff der internen Kosten- und Leistungsrechnung
  • Für die Ermittlung der Herstellungskosten dürfen auch Gemeinkosten umgerechnet werden
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