Kapital (Definition)

Dem Begriff „Kapital“ kommen unterschiedlichsten Bedeutungen zu. Volkswirte sprechen von Kapital neben Arbeit und Boden als drittem gesamtwirtschaftlichen Produktionsfaktor. In der Betriebswirtschaftslehre taucht der Begriff als Eigen- oder Fremdkapital in Unternehmensbilanzen auf. Umgangssprachlich ist von Kapital die Rede, wenn größere Geldmengen beschrieben werden.

Kapital im volkswirtschaftlichen Sinne

In der Volkswirtschaftslehre ist Kapital ein Produktionsfaktor. In diesem Zusammenhang beschreibt das Kapital einer Volkswirtschaft den Bestand an Produktionsmitteln, der zur Herstellung von Gütern oder Dienstleistungen verwendet werden kann (Kapitalstock). Dazu zählt nicht nur Geld:

  • Maschinen
  • Werkzeuge
  • Firmengebäude
  • Infrastrukturen wie Computersysteme oder erstellte Prozesse


Die beiden weiteren Produktionsfaktoren in der Volkswirtschaftslehre sind Arbeit und Boden. Letzterer ist durch natürliche Gegebenheiten wie etwa die räumliche Größe eines Staates oder die Verfügbarkeit von Bodenschätzen fest vorgegeben.
Der Faktor Arbeit ist hingegen deutlich variabler: er fasst alle potenziell Erwerbstätigen Personen einer Volkswirtschaft zusammen.

Die Kombination aus Arbeit, Kapital und Boden ergibt vereinfacht gesprochen das Bruttoinlandsprodukt bzw. die potenzielle Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft. Dabei gilt, dass Arbeit und Kapital bis zu einem gewissen Grad gegeneinander ausgetauscht werden können. Das beste Beispiel hierfür ist die Industrialisierung: mussten vor 150 Jahren noch zahlreiche Bauern ein Feld bewirtschaften, ist das heute dank Maschinen – also Kapital – von einer einzelnen Person zu bewältigen.

Kapital im betriebswirtschaftlichen Sinne

Auch in der Betriebswirtschaftslehre hat Kapital einen hohen Stellenwert. In Bilanzen steht Kapital auf der Passivseite und bezeichnet ausgewiesene Ansprüche an das Vermögen eines Unternehmens. Wer beispielsweise Aktien besitzt, ist Kapitalgeber für eine Aktiengesellschaft und hat einen Anspruch auf die Beteiligung an Unternehmensgewinnen bzw. die Rückzahlung seines Kapitals bei Verkauf des Wertpapiers.

Das Kapital eines Unternehmens ist besonders bei der Gründung von entscheidender Bedeutung. Hier wird es in der Regel in Form von Geld in den neuen Konzern eingebracht, damit anschließend mit der Produktion begonnen werden kann.

Abzugrenzen vom Kapital ist die Liquidität. Sie beschreibt die Möglichkeit eines Unternehmens, seinen Forderungen gegenüber Dritten ordnungsgemäß nachzukommen. Ein Beispiel soll den Unterschied zwischen Kapital und Liquidität verdeutlichen:

  • Ein Unternehmen kauft Waren bei einem Lieferanten für 15.000 Euro ein. Der Lieferant übergibt die Güter anschließend und stellt eine Rechnung, die innerhalb von zwei Wochen beglichen werden muss.
  • Das Unternehmen verfügt über viel Eigenkapital, insgesamt mehr als 3 Millionen Euro. Das Problem: das Eigenkapital ist in Form von Maschinen und Gebäuden vorhanden. Diese drei Millionen Euro sind für das Unternehmen also nicht direkt verfügbar – sofern keine Maschinen oder Gebäude verkauft werden.
  • Die Begleichung der Rechnung des Lieferanten kann nur durch Kapital erfolgen, das eine hohe Liquidität, also Verfügbarkeit, aufweist. Das Unternehmen muss mindestens 15.000 Euro in Form von Bargeld oder täglich verfügbaren Sichteinlagen besitzen, um die Forderungen begleichen zu können.
  • Ist die Liquidität nicht vorhanden, droht dem Unternehmen die Insolvenz – obwohl bilanziell betrachtet drei Millionen Euro Eigenkapital aufgeführt sind.

Arten von Kapital

Sowohl in der Betriebswirtschaftslehre als auch im volkswirtschaftlichen Sinne existieren wichtige Abgrenzungen zwischen Kapitalarten. In der BWL ist vor allem zwischen Fremdkapital und Eigenkapital zu unterscheiden:


  • Die Differenzierung zwischen den Kapitalarten ist in der rechtlichen Stellung der Kapitalgeber begründet.
  • Eigenkapitalgeber partizipieren am Gewinn des Unternehmens und belassen ihr Kapital in der Theorie für einen unbestimmten Zeitraum im Konzern. Im Falle einer Unternehmensinsolvenz haben Eigenkapitalgeber keinen Anspruch auf Rückzahlung des investierten Kapitals. Beispiele: Einbringung von Privatvermögen in Einzelunternehmen, Kauf von Aktien, Beteiligung an einer GmbH
  • Fremdkapitalgeber stellen ihr Kapital hingegen nur für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung. Sie erhalten ihr Kapital vollständig und inklusive einer Gegenleistung – in der Regel einem Zins – zurück. Sollte das Unternehmen Insolvenz anmelden müssen, werden die Forderungen von Fremdkapitalgebern durch die Insolvenzmasse gedeckt. Beispiele: Bankkredite, Unternehmensanleihen


Im volkswirtschaftlichen Sinne ist zwischen Realkapital und Humankapital zu unterscheiden, wobei beide Begriffe ebenfalls in der Betriebswirtschaftslehre verwendet werden. Das Realkapital beschreibt alle Produktionsmittel wie Maschinen oder Werkzeuge sowie Geld, da dieses direkt zur Finanzierung von Produktionsmitteln eingesetzt werden kann.

Humankapital ist hingegen das Leistungspotenzial der Arbeitskräfte, das durch Ausbildung und Erziehung entstanden ist. Es ist nicht mit dem Faktor Arbeit zu verwechseln, erhöht aber gleichzeitig die Leistungsfähigkeit dieses Produktionsfaktors.

Beispielsweise kann die Ertragskraft von Arbeitern durch ein hohes Maß an Schulbildung oder beruflicher Ausbildung gefördert werden, wofür zunächst hohe finanzielle Aufwendungen – also Kapitaleinsatz – nötig werden. Aus diesem Grund und weil Humankapital schwierig zu messen ist, grenzen Volkswirte den Begriff gesondert ab.

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