Fremdfinanzierung

Im Vergleich zur Innenfinanzierung kommt bei der Fremdfinanzierung das Geld von „FREMDEN“, d.h. externen Geldgebern. Die Kapital- bzw. Geldgeber werden dann auch Gläubiger des Unternehmens, weil sie diesem entsprechend Kapital bzw. Geld zur Verfügung gestellt haben.

Beispiel für die Fremdfinanzierung


Die FLJ-Design-Wood benötigt eine neue Hobelmaschine. Für diese Maschine wird ein Investitionsvolumen von 25.000,00 Euro veranschlagt. Dieses Geld hat die FLJ-Design Wood allerdings nicht kurzfristig zur Verfügung, sodass das Geld vollständig in Form der Außenfinanzierung fremd bei einer Bank (z.B. der Invest-Bank) als Kredit beschafft werden muss.

Im Beispiel findet die Fremdfinanzierung in Form eines Kredites statt, denn das Geld kommt von einem externen (fremden) Geldgeber. Dieser Geldgeber ist die Invest-Bank, die gleichzeitig Gläubiger des Unternehmens wird, weil sie dem Unternehmen die 25.000,00 Euro zur Verfügung gestellt hat.

In welchem Umfang ein Unternehmen Fremdkapital in Spruch genommen hat, kann mit der s.g. Fremdkapitalquote ermittelt werden. Diese Fremdkapitalquote ermittelt sich nach folgender Formel:

Fremdkapitalquote = Fremdkapital/Gesamtkapital

Kurzes Zahlenbeispiel: Ein treuer Hilfsstofflieferant der FLJ-Design-Wood verfügt über ein Gesamtkapital i.H.v. 1.270.000,00 Euro. Dieses Gesamtkapital setzt sich zusammen aus 720.000,00 Euro Eigenkapital und 550.000,00 Euro Fremdkapital.

Mit diesen Angaben lässt sich einfach die Fremdkapitalquote ermitteln

Fremdkapitalquote = 550.000,00/1.270.000,00≈0,433≈43,3 %


Die Eigenschaften der Fremdfinanzierung

Die Zeit, in der das geliehene Kapital zur Verfügung steht ist befristet. Erklärung: Das ist relativ einfach zu verstehen, denn eine Bank (im Beispiel die Invest-Bank) die Geld verleiht, will dieses Geld ja auch wieder zurückhaben. Zuzüglich zu dem geliehen Geld Fallen i.d.R. auch Zinsen an, die an die Bank gezahlt werden müssen.

Es besteht eine Rückzahlungspflicht des geliehen Geldbetrages zuzüglich der angefallenen Zinsen. Erklärung: In der Erklärung kann sich hier auch direkt an den letzten Punkt angeschlossen werden. Dort ist bereits dargestellt, dass die Geldgeber ihr Geld zurückhaben wollen und dafür eine entsprechende Zinsvergütung verlangen.
Aus den beiden letzten Punkten ist abzuleiten, dass die Geldgeber bzw. Gläubiger einen festen Anspruch auf die Rückzahlung des geliehenen Geldes haben.

die Haftung der Geldgeber bzw. Kreditinstitute ist im Gegensatz zu Aktionären bzw. Anteilseignern beschränkt.

Erklärung: Banken vergeben bzw. gewähren i.d.R. nur Kredite an Kunden (Unternehmen oder Privatperson), wenn diese auch über entsprechende Sicherheiten verfügen.
Beispiel: Wie oben dargestellt benötigte die FLJ-Design-Wood eine neue Hobelmaschine, die vollständig über einen Kredit finanziert werden musste. Sofern die FLJ-Design-Wood –aus welchen Gründen auch immer- nun zahlungsunfähig wird, bestünde theoretisch die Möglichkeit Anteile aus dem Anlagevermögen (z.B. Maschinen oder sogar speziell die Hobelmaschine) zu verkaufen. Die daraus resultierenden Erträge könnten dann an die Bank für die Tilgung des Kredites zurückgezahlt werden. [--Die Situation einer Insolvenz bzw. Insolvenzverwaltung bei Zahlungsunfähigkeit, soll hier vernachlässigt werden --]

Die Geldgeber bzw. Banken haben keine Mitwirkungsrechte in der Unternehmensleitung. Erklärung: Den Banken ist es i.d.R. gleichgültig, wie die Kunden die gewährten Kredite tilgen. Bei der Innenfinanzierung - wie weiter oben im Text dargestellt - ist das anders. Hier haben die Geldgeber durchaus Mitspracherechte in der Unternehmensleitung. Der Umfang des Mitspracherechtes ist von dem Umfang des zur Verfügung gestellten Kapitals abhängig.

Vorteile der Fremdfinanzierung

Die Zinsen, welche auf das Fremdkapital gezahlt werden müssen, dürfen vom Gewinn abgezogen werden. Sie stellen in buchhalterischer Hinsicht Aufwendungen dar und vermindern dadurch die Steuerlast, die auf den Gewinn gezahlt werden muss. Anmerkung: Im obigen Abschnitt „Nachteile der Innenfinanzierung“ wird die Gewinnminderung durch Zinszahlungen nochmals verdeutlicht.

Durch die Aufnahme von Fremdkapital kann der Output eines Unternehmens nachhaltig gesteigert werden. Dadurch steigt der Umsatz und abhängig von der Kostenstruktur auch der Gewinn. Sofern der Gewinn durch die Aufnahme von zusätzlichem Fremdkapital steigt, spricht man vom s.g. positiven Leverage-Effekt. In dieser Situation steigt auch die Gesamtkapitalrentabilität des Unternehmens. Anmerkung: Sowohl der Begriff „Leverage-Effekt“, als auch der Begriff „Eigenkapitalrentabilität“ wurde bereits auf diesem Internetportal an anderer Stelle erläutert.

Nachteile der Fremdfinanzierung

Das unternehmerische Risiko nimmt zu. Je höher die Fremdkapitalquote eines Unternehmens ist, desto größer ist die Gefahr, dass es in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zahlungsunfähig wird, wenn es die Kreditzinsen und –raten nicht mehr zahlen kann.

Durch immer weitere Kreditaufnahme steigt die Gefahr der Überschuldung des Unternehmens. Wie bereits im ersten Punkt dargestellt, steigt auch hier die Gefahr der Überschuldung.

Wichtige Anmerkung zur Fremdfinanzierung

Es gibt auch Arten der Fremdfinanzierung, die nicht zur Außenfinanzierung gehören. Ein Beispiel dafür ist die Finanzierung aus Rückstellungen. Eine Rückstellung wird für ein Ereignis gebildet, das eintreten kann (z.B. Gewährleistungsansprüche) oder sogar eintreten wird (z.B. Rückstellungen für freiwillig gezahlte Pensionen). Diese Rückstellungen werden für andere Personen (z.B. Kunden oder Mitarbeiter, die in Pension gehen) gebildet und damit für Fremde. Näheres ist dem Artikel zur Innenfinanzierung auf diesem Internetportal zu entnehmen.

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Kategorie: Finanzierungsarten

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