Finanzierung durch Kapitalfreisetzung

Finanzierung durch „Kapital-frei-setzung“. Die Bestandteile des Wortes verraten schon, um was es geht, nämlich um die Finanzierung aus freigesetztem Kapital. Wie dieses Kapital von einem Unternehmen freigesetzt werden kann, schauen wir uns im Folgenden einmal an.

Zu Beginn es wichtig zu wissen, dass kein neues Kapital geschaffen wird, sondern gebundenes Kapital (z.B. angelegte Gelder am Finanzmarkt) bzw. gebundenes Vermögen (z.B. Technische Ausstattungen und Maschinen) in finanzielle Mitteln freigesetzt bzw. flüssig gemacht wird. Ein Unternehmen hat die Möglichkeit Kapital frei zu setzen, indem es

Diese drei Möglichkeiten werden im Folgenden näher erklärt.

Verringerung der Kapitalbindung

Die Bindung des Kapitals im Vermögen kann ein Unternehmen beispielsweise durch die folgenden Maßnahmen reduzieren

Den Kunden wird ein kürzerer Zeitraum zur Zahlung gewährt, das Zahlungsziel wird also verkürzt.
Erklärung: Wenn die Kunden schneller Forderungen begleichen bzw. die Rechnungen bezahlen, ist das Geld für die Leistungen des Unternehmens (im Beispielunternehmen die produzierten Stahlrohre) auch schneller im Unternehmen und steht z.B. für Investitionszwecke zur Verfügung.

Das Unternehmen kann seine Vorräte an Roh- Hilfs- und Betriebsstoffen bzw. sonstige Vorräte verringern und dadurch seine Bestände optimieren. Dazu könnte ein Just in Time Lieferverfahren eingeführt werden.

Erklärung zu Just-in-time: Die Ware trifft im Unternehmen ein und wird nicht im Lager zwischengelagert, sondern sofort verarbeitet. Dazu ist die Einführung eines besonderen Bestellverfahrens notwendig, dass bei Bedarf sofort Neubestellungen auslöst. Würden diese Neubestellungen unterlassen, bestünde die Gefahr, dass Maschinen stillstehen und nicht produziert werden könnte. Die Folge davon wären finanzielle Ausfälle.

Erklärung zu diesem Punkt: Wenn ein Unternehmen die Bestände in seinem Lagers reduziert, werden dadurch auch die Kosten für das Lager reduziert.

Beispiel: Die DJ-Metalery hat gegenwärtig immer Rohstoffe im Wert von ca. 500.000,00 Euro im Lagerbestand. Ein Teil dieser 500.000,00 Euro, nämlich 320.000,00 Euro würde aber langfristig für die Neuinvestition in einen neuen Schweißroboter benötigt. Um diesen Schweißroboter finanzieren zu können, muss das Unternehmen seine Lagerbestände reduzieren, etwa auf 100.000,00 Euro. Damit hat das Unternehmen weniger Kapital in seinen Rohstoffen (welche zum Umlaufvermögen gehören) gebunden. Wenn dieser Differenzbetrag von 400.000,00 (=aktuell 500.000,00 Euro Lagerbestand - geplant 100.000,00 Euro Lagerbestand) freigesetzt worden ist, steht er der DJ-Metalery wieder für Investitionen, z.B. in den Schweißroboter zur Verfügung. Positiv an dieser Vorgehensweise wäre es außerdem, dass durch den Abbau des Lagerbestandes auch die Kosten für die Lagerhaltung reduziert werden könnten.

Leasing von Vermögensgegenständen

Anstatt Vermögensgegenstände des Anlagevermögens (z.B. Dienstwagen, Lieferwagen, EDV-Ausstattung, Maschinen) zu kaufen, könnte das Unternehmen diese Gegenstände auch leasen. Erklärung: Beim Kauf eines neuen Autos (z.B. Geschäftswagen für den Vorstand) fallen bei Neukauf die Kosten des Neuwagenpreises (z.B. 50.000,00) an. Sind diese 50.000,00 Euro ausgegeben, können sie nicht für andere Zwecke genutzt werden. Beim Leasing hingegen fällt eine monatliche Leasingrate (z.B. 400 Euro) an, sodass im Jahr ein Leasingaufwand von 4.800,00 Euro (=400 Euro ⋅ 12) entsteht. Somit hat das Unternehmen einen größeren finanziellen Handlungsspielraum, weil die finanziellen Aufwendungen (Leasing vs. Neukauf) geringer sind bzw. sich anders verteilen. Bei Neukauf fällt der hohe Preis einmalig an. Bei Leasing ist der hohe Betrag über einen vereinbarten Zeitraum verteilt zu zahlen. Daher muss beim Leasing beachtet werden, dass die Gebühren jeden Monat für die Dauer des Leasingvertrages fällig sind. Auch gilt es die speziellen Vertragskonditionen (etwa jährliche Fahrleistung, evtl. entstehende Folgen aufgrund von Beschädigungen, etc.) zu prüfen.

Beispiel zur Kapitalfreisetzung durch Reduzierung der Kundenforderungen Die DJ-Metalery hat - wie im obigen Beispiel dargestellt - einen Jahresumsatz von 2.300.000,00 Euro erzielt. Es dauert durchschnittlich zwei Monate bis Kunden ihre Rechnung begleichen. Das Bedeutet, dass im Umlaufvermögen bei dem Bilanzposten Forderungen aus Lieferungen und Leistungen ungefähr 383.333,00 Euro (=2.300.000,00 Euro ⋅(2/12) ;wobei 2/12 den Zeitraum von 2 Monaten pro Jahr (12 Monate) darstellen) gebunden sind. Wenn es nun möglich wäre, eine andere Zahlungsmodalität einzuführen und die Kunden müssten ihre Rechnungen innerhalb von einem Monat bezahlen, würde die Bindung des Kapitals in den Kundenforderungen auf ungefähr 191.667 Euro (=2.300.000,00 Euro⋅(1 )/12) sinken. Damit wäre aus der Reduktion der Kundenforderung 191.666 Euro (383.333,00-191.667,00) freigesetzt worden. Dieses freigesetzte Geld könnte dann z.B. wieder für Finanzierungen im Rahmen der Innenfinanzierung genutzt werden.

Veräußerungen von Anlagevermögensgegenständen - Auch Deinvestition genannt.

Investitionen in Gebäude oder Maschinen geht zumeist mit dem Erwerb und damit dem Besitz des Gebäudes bzw. der Immobilie oder der Maschine einher. Nun gibt es aber auch das Gegenteil, nämlich die Deinvestition, d.h. die Veräußerung bzw. den Verkauf von Gebäuden, Maschinen oder anderen Anlagevermögensgegenständen.
Beispiel: Die DJ-Metalery hat vor 25 Jahren ein Gebäude erworben, welches seit zwei Jahren leer steht. Dieses Gebäude ist bereits abgeschrieben und wird noch mit einem Erinnerungsbuchwert von 1 Euro in den Büchern (bzw. auf dem Konto Gebäude mit der Kontonummer 0520) geführt. Mit dem Gebäude kann man auf dem Markt aufgrund der aktuellen schlechten Zinspolitik für Geldanlagen einen Verkaufspreis von 80.000,00 Euro erzielen. Somit ergibt sich ein außerordentlicher Ertrag i.H.v. 79.999,00 Euro. Der Buchungssatz dazu lautet wie folgt:

Bank 80.000,00 an Gebäude 1,00
an außerordentliche Erträge 79.999,00


Bei dieser Art der Finanzierung spricht man von der Umschichtung von Vermögen. Das Vermögen wird umgeschichtet bzw. umgewandelt, nämlich von festen Gegenständen (z.B. Gebäude, Autos, Maschinen) in liquide flüssige Mittel.

Vorteile der Innenfinanzierung durch Kapitalfreisetzung

Das Unternehmen kann aus nicht genutzten Anlagegegenständen Geldmittel zur Finanzierung gewinnen. Durch diesen Prozess ist das Unternehmen unabhängiger gegenüber anderen Geldgebern, etwa Banken oder Aktionären. Auch können durch einen solchen Verkaufsprozess von Anlagegenständen Investitionen günstiger durchgeführt werden, als über die Finanzierung mit Hilfe von Krediten. Bei der Finanzierung durch Kredite fallen Zinsen an, die bei einer Finanzierung die durch eigene finanzielle Mittel geschultert wird, nicht anfallen. Möglicherweise können sogar Kosten durch den Verkauf abgebaut werden, etwa dann, wenn z.B. ein Gebäude veräußert wird, welches leer steht. Für ein solches Gebäude fallen i.d.R. Steuern und Versicherungen an. Nach dem Verkauf des Gebäudes würden diese Kosten nicht mehr anfallen.

Es versteht sich natürlich von selbst, dass diese Art der Kapitalfreisetzung nur möglich ist, wenn ein Unternehmen auch Anlagevermögen hat, welches es verkaufen bzw. veräußern kann.
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