Anleihen - was sind Anleihen?

Anleihen sind Wertpapiere, mit denen sich der Herausgeber (auch Emittent) genannt für einen meist im Voraus exakt geplanten Zeitraum finanzieren kann. Sein Interesse liegt daran, von Krediten der eigenen (Haus-) Bank noch unabhängiger zu werden und sich stattdessen am Kapitalmarkt zu finanzieren. Der Käufer einer Anleihe wiederum investiert deshalb in dieses Wertpapier, weil er sich einen Wertzuwachs erhofft. Dieser besteht aus den regelmäßigen Zinszahlungen und der Tilgungszahlung am Ende der Laufzeit.


Anleihen gehören - obwohl sie in der Presse und den Wirtschaftsnachrichten weniger Resonanz als Aktien finden - zu den ältesten an den Börsen gehandelten Wertpapieren. Bis vor einigen Jahren konnten Anlegerinnen und Anleger deutsche Staatsanleihen sogar im dortigen Schuldbuch bzw. einem Depot bei der früheren Bundesschuldenverwaltung (heute Bundesfinanzagentur) verwahren lassen.

Sinnhaftigkeit dieses Investmentvehikels für Anleger und Emittent/Herausgeber

Bei Geldanlagen sollten Sie die Sinnhaftigkeit bzw. den Anlageerfolg immer aus Sicht des Anlegers und auch des Herausgebers betrachten. Die Vorteile der Anleihen für den Herausgeber sind:

  • Unabhängigkeit der Finanzierung durch Banken
  • Planbarkeit des zeitlichen Anfalls der Raten, zudem meist auch eine Festzinsvereinbarung
  • Langfristorientierung der Finanzierung: Die Neuvereinbarung von Kreditlimits und -konditionen entfällt für alle Beträge, die per Anleihe finanziert sind
  • Der Anleihegläubiger gibt dem Unternehmen Fremdkapital. Hat also - anders als bei Aktien - keine Eigentümerposition inne
  • Großunternehmen können schneller wachsen und Marktanteile gewinnen, da Ihnen ohne die Anleihen die notwendigen Finanzmittel fehlen würden.
  • Die Rendite des eingesetzten Kapitals bei den Unternehmen ist meist wesentlich höher als es die bezahlten Zinsen sind. Damit sind Anleihen ein echtes Mittel für die Wertschöpfung. Immer wenn die ROCE (Rendite auf das eingesetzte Kapital = Return on capital employed) höher als die Kosten der Anleihe sind, dann ist es für das Unternehmen sinnvoll.

Die Anleihen bieten dem Anleger die folgenden Vorteile:

  • Die Anleihe unterliegt - wenn Sie bis zum Fälligkeits- bzw. Rückzahlungstermin keinerlei Schwankungen, sie wird in aller Regel zu 100 % vom Nennwert zurückbezahlt.
  • Die Verzinsung ist wesentlich höher als bei klassischen Sparformen wie dem Sparbuch
  • Durch die Auswahl eines als sicher geltenden Emittenten lassen sich gute Zinsen erwirtschaften. Entscheiden Sie sich als Anleger für eine Anleihe eines Emittenten mit schlechterer Bonität, so können Sie einen Zinszuschlag vereinnahmen.

Planbare Kapitalaufnahme bei beinahe unbegrenzter Flexibilität des Anlegers

Die bei Ausgabe des Wertpapiers festgezurrten Konditionen sind allerdings für den Anleger nicht zu 100 % bindend. Besteht vorzeitiger Kapitalbedarf, so können Sie als Anleger viele Staatsanleihen oder auch Anleihen von Großunternehmen weiterverkaufen. Allerdings nicht immer zu 100 % - je nachdem wie sich die Zinssituation entwickelt hat. Gegen einen kleinen Abschlag und die Transaktionsgebühren (meist 0,5 - 1,0 % vom Wert) sind Sie bei den meisten Anleihen schon in wenigen Tagen wieder liquide.


Deshalb sollten Sie als Anleger darauf achten, dass die Anleihe börsennotiert ist und auch entsprechend im Wertpapier-Depot des Anlegers verbucht wird. Und es sich nicht um eine Sonderform einer Privat-Platzierung handelt. Wenn Sie lang laufende Anleihen kaufen und trotzdem zeitlich flexibel bleiben möchten, dann können Sie Anleihen auch als eine Art "Bündel" kaufen: Ein Rentenfonds ist ein Portfolio aus Anleihen und kann börsentäglich verkauft werden.

Marktwirtschaft ohne Anleihen ist undenkbar - ganz unabhängig von der Zinshöhe

Wenn Sie die Anleihezinsen mit denen der Hochzinsphase vergleichen, dann werden Sie geringere Zinsen als beispielsweise vor fünf oder zehn Jahren feststellen. Allerdings sind Anleihen auch heute noch ein sehr beliebtes Anlagevehikel! Zwei Beispiele (eines aus der Staatsfinanzierung und eine Unternehmensfinanzierung können dies visualisieren):


  • Die aktuelle Bundesanleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren un deinem Volumen von 26 Milliarden Euro konnte problemlos am Markt aufgenommen werden (http://www.deutsche-finanzagentur.de/de/private-anleger/bundeswertpapiere/bundesanleihen/).
  • Auch der Autohersteller Daimler finanziert sich mit Anleihen bzw. festverzinslichen Wertpapieren. Die zwölfjährige Unternehmensanleihe (herausgegeben im Jahr 2016 und laufend bis 2028 (Wertpapierkennnummer A169NC)) gehört zu den Jumbo-Anleihen mit über 1 Milliarde Euro Emissionsvolumen bei einer einzigen Finanzierungsrunde. Hier konnte Daimler sogar 1,25 Milliarden Euro aufnehmen!

Anleihen sind deshalb nicht nur für Sie als Anleger und Kapitalsuchender (in Unternehmen) von Bedeutung, sondern für die gesamte Volkswirtschaft!

Anleihen unterscheiden sich auch durch Zins- und Rückzahlungsmodalitäten

In den Jahrhunderten der Ausgabe und des Handels mit festverzinslichen Wertpapieren wurde die Bandbreite der zur Verfügung stehenden Finanzierungsmöglichkeiten sukzessive erweitert. Die folgende Liste kann Ihnen beim Verstehen und Auswählen von Anleihen helfen, die exakt Ihrem Geldanlagebedarf entsprechen:


  • Wandelanleihe: Die Wandelanleihe ist eine Mischform meist aus Anleihe und Aktieninvestment. Der Emittent dieses Papiers bietet dem Anleger einen sehr attraktiven Zinskupon an. Allerdings erfolgt die Rückzahlung nicht in 100 Euro für 100 Euro Nennwert, sondern in einer bei Emission festgelegten Anzahl Aktien. Steigt die Aktie in diesem Zeitraum so ist die Rückzahlung auf 100 Euro gedeckelt. Sinkt Sie, so macht der Anleger einen Kursverlust äquivalent zur Aktie. Da es sich meist um Aktien von Großunternehmen wie der Deutschen Bank, BASF oder auch Lufthansa handelt ist dies eine Spekulation mit eingeschränktem Risiko.
  • Endfällige Anleihe ohne Zinszahlungen während der Laufzeit - auch Nullkuponanleihe genannt: Diese Anleihe war insbesondere bis zum Jahr 2009 sehr beliebt. Damals wurden die Zinserträge mit dem persönlichen Steuersatz versteuert und nicht dem geringen Abgeltungsteuersatz von 25 %! Aus diesem Grund wollten Anleger, die in Zukunft einen geringeren Steuersatz haben werden (beispielsweise während der Rentenphase) Zinserträge "nach hinten" schieben. Die Anleihe wurde abgezinst gekauft (beispielsweise für 80 Euro pro Hundert Euro Nennwert) und dann nach einigen Jahren zurückgezahlt. Der Zinsanteil wurde dann nicht in den Jahren 1 bis fünf, sondern erst im letzten Jahr versteuert. Allerdings wurden schon vor 2009 die Steuerregeln mehrfach geändert, so dass der Steuerstundungsvorteil dieses Instruments geringer wurde. Der Begriff Nullkupon ist noch aus der Zeit zu verstehen, als die Anleger die Zinsen nach jährlichem Einreichen eines Zinskupons erhielten. Bei diesem Instrument gibt es eben keine Zinscupons.
  • Anleihen mit variablen Zinsen: Mit diesen Anleihen partizipiert der Anleger auch an den Veränderungen der Zinsen am Anleihenmarkt. Die Zinsen werden dann definiert als ein Basiszins und ein Zuschlag. 3-Monats-Interbankenzins von London (LIBOR 3 Monate) plus ein halbes Prozent bedeutet dann eine Verzinsung, die immer um 0,50 % über diesem Marktzins liegt und zu festgelegten Zeitpunkten anzupassen ist.
  • Zinstreppen-Anleihe (insbesondere die früheren Bundesschatzbriefe): Diese Anleihen werden für den Anleger noch attraktiver gestaltet. Zwar zahlt diese Variante die Zinsen auch meist jährlich, allerdings hat nicht jeder Zinskupon bzw. jede Zinsverrechnung den gleichen Zinssatz. Stattdessen steigt dieser mit der Laufzeit an. Damit wird es attraktiver das Papier möglichst lange zu halten. Insbesondere dann wenn es - wie bei den früheren Bundesschätzen - eine Möglichkeit der vorzeitigen Rückgabe gibt.
Übersicht der Arten von Anleihen
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