Finanzierung aus Bildung von Rückstellung - verständlich erklärt!

Bevor wir uns mit der Finanzierung aus Rückstellungen beschäftigen können, muss zunächst der Begriff der Rückstellungen geklärt werden. Das Wort „Rückstellungen“ lässt schon erahnen, um was es geht. Es wird etwas zurückgestellt, nämlich finanzielle Mittel für eine spätere Verwendung. Anders und einfacher gesagt, das Unternehmen spart für Ereignisse, die in der Zukunft eintreten können oder sogar eintreten werden.

Ereignisse die eintreten können, sind z.B. Ausgaben für Sachmängelhaftung. Macht ein Käufer innerhalb seiner gesetzlichen Gewährleistungsfrist ein Recht geltend, z.B. die Nachbesserung an einem fehlerhaft hergestellten Produkt, hat der Verkäufer (in unserem Beispiel die DJ-Metalery, die ihre Produkte direkt an den Endkunden absetzt) die Nachbesserung auf seine Kosten zu leisten.

Beispiele für die Finanzierung aus Bildung von Rückstellungen 

Beispiel 1 

Beispiel: Die DJ-Metalery liefert an einen Großkunden im Brückenbau legierte Stahlrohre(legiert heißt, dass die Stahlrohre mit einem Schutzmantel an Farbe überzogen sind, der die Rohre vor Rost bzw. sonstigem Verderb schützen soll) im Gesamtwert von 250.000,00 Euro. Ein halbes Jahr nach Einbau fällt auf, dass die Rohre nicht korrekt legiert worden sind, sodass diese wieder ausgebaut, nachgearbeitet und wieder eingebaut werden müssen. Dafür fallen Kosten i.H.v. 50.000,00 Euro an. Diese Kosten muss die DJ-Metalery tragen.

Genau für einen solchen Fall, wie dieser im Beispiel aufgezeigt worden ist, werden Rückstellungen gebildet. Der Gesetzgeber verlangt in § 249 Handelsgesetzbuch (HGB) sogar das Bilden von Rückstellungen.

Ereignisse, die eintreten werden, ist die Auszahlung von Pensionen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Manche Unternehmen bilden für Ihre Mitarbeiter s.g. Pensionsrückstellungen. Diese Pensionsrückstellungen werden dann zu entsprechender Zeit an die in den Ruhestand ausscheidenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgeschüttet. Pensionsrückstellungen sind im Vergleich zu „Rückstellungen für drohende Verluste“ nicht gesetzlich vorgeschrieben.

Beispiel 2

Beispiel 2

Beispiel
: Die DJ-Metalery ist ein Unternehmen mit langjähriger Tradition. Pro Jahr scheiden ca. zwei Mitarbeiter in den Ruhestand aus. Diesen Mitarbeitern wird dann in Form einer einmaligen entsprechend hohen Zahlung oder in Form einer dauerhaften Pension ein monatlicher Betrag von der DJ-Metalery ausgezahlt. Um diese freiwilligen Leistungen an seine ehemaligen Mitarbeiter zahlen zu können, muss die DJ-Metalery langfristig Rückstellungen bilden. Anders gesagt, dass Unternehmen muss diese Beträge langfristig ansparen, was es mit dem Bilden von Rückstellungen erreicht.

Rückstellungen gehören zum Fremdkapital, daher spricht man bei einer Finanzierung aus Rückstellungen auch von der s.g. Fremdfinanzierung. Das mag sich im ersten Moment komisch anhören, wird aber nach kurzen Überlegungen deutlich. Das Unternehmen bildet Geldrücklagen für andere Menschen oder Unternehmen bzw. Kunden, also für Fremde. Daher gehört das rückgestellte Kapital zu dem Fremdkapital. Wird über die Rückstellungen finanziert, so wird also auch mit fremden Kapital finanziert.

Rückstellungen werden je nach Art der Rückstellung nach folgendem einfachen Buchungssatz gebildet.

Aufwand an Rückstellungen (Betrag der in die Rückstellung fließen soll)


Wird beispielsweise eine Rückstellung für einen Steueraufwand gebildet, so lautet der Buchungssatz

Steueraufwand an Steuerrückstellungen (Betrag der in die Rückstellung fließen soll)


Ist in dem nächsten Geschäftsjahr eine Renovierung einer Werkshalle geplant und werden dafür 20.000,00 Euro benötigt, so lautet der Buchungssatz für die Bildung der Rückstellung wie folgt

Sonstiger Aufwand an sonstige Rückstellungen 20.000,00 €


Wer sich einen Überblick über die unterschiedlichen Arten der Rückstellungen verschaffen will, schaut sich im Kontenrahmenplan die Konten mit den Nummern 37xx ff. an Einen solchen Kontenrahmenplan findet man in jedem Rechnungswesen-Buch oder man klickt direkt hier (Link gesetzt am 07.07.2015 | xx steht für eine Zahl)

Der Finanzierungseffekt durch die Finanzierung aus Rückstellungen


Wie kommt es denn nun zu der Finanzierungswirkung bzw. den liquiden Mitteln aus Rückstellungen? Nun das ist relativ einfach. Rückstellungen können nur gebildet werden, wenn das Unternehmen auch Gewinne (Gewinn = Umsatz – Kosten) erzielt. Da diese Rückstellungen nicht sofort, sondern eher in der (fernen) Zukunft benötigt werden, steht dieses Geld, was in den Rückstellungen „vorhanden“ ist, kurzfristig, für anderweitige Investitionen zur Verfügung. Selbstverständlich muss das Unternehmen aber an dem Zeitpunkt, an dem es die Rückstellungen braucht, diese auch wieder zur Verfügung haben. Wenn es die Rückstellungen also für andere Zwecke aufgelöst (oder einfacher gesagt „ausgegeben“) hat, dann muss das Unternehmen die Rückstellungen wieder sehr schnell auffüllen bzw. diese neu bilden, um den ursprünglichen Zweck (z.B. freiwillige Zahlungen von Pensionen oder Kosten für Gewährleistungsinanspruchnahme) bedienen zu können.

Besonders bei langfristigen Rückstellungen, etwa für Pensionen hat ein Unternehmen immer wieder die Möglichkeit, die Rückstellungen für Finanzierungszwecke zu verwenden. Ein weiterer positiver Finanzierungseffekt tritt ein, wenn man die Minderung des Gewinns betrachtet. Wie oben beschrieben, stellen Rückstellungen einen Aufwand dar. Dieser Aufwand für die Rückstellungen mindert auch den Gewinn und damit die vom Unternehmen zu zahlende Steuerlast.

Beispiel: Die DJ-Metalery hat im Vergangen Jahr einen Umsatz i.H.v. 2.300.000,00 Euro erzielt. Personalkosten sind i.H.v. 500.000,00 Euro angefallen. Aufwendungen für Roh- Hilfs- und Betriebsstoffe sind i.H.v. 1.200.000,00 Euro entstanden. Die sonstigen Aufwendungen betragen 250.000,00 Euro.

Nach einfacher Rechnung ergibt sich folgender Gewinn:

Umsatz 2.300.000,00 €
Personalkosten 500.000,00 €
Aufwendungen für Roh- Hilfs- und Betriebsstoffe 1.200.000,00 €
Sonstige Aufwendungen 250.000,00 €
Gewinn vor Steuern 350.000,00 €


Es ist nun einfach zu erkennen, dass sich nach Abzug der Kosten vom Umsatz ein Gewinn vor Steuern i.H.v. 350.000,00 Euro ergibt.



Nun entschließt sich das Unternehmen aber erneut eine Rückstellung i.H.v. 150.000,00 zu bilden, da spätestens in 5 Jahren eine Produktionshalle in der die Stahlrohre produziert werden, mit neuen Brandschutzfenstern und Brandschutztüren ausgestattet werden muss.

Daraus ergibt sich folgende neue Situation:

Umsatz 2.300.000,00 €
Personalkosten 500.000,00 €
Aufwendungen für Roh- Hilfs- und Betriebsstoffe 1.200.000,00 €
Sonstige Aufwendungen 250.000,00 €
Rückstellungen 150.000,00 €
Gewinn vor Steuern 200.000,00 €


Es fällt an dieser Stelle auf, dass der Gewinn vor Steuern um 150.000,00 Euro gemindert worden ist, obwohl der DJ-Metalery keine Auszahlungen bzw. Abflüsse von finanziellen liquiden Mitteln für diese150.000,00 Euro entstanden sind. Im ersten Fall hätte das Unternehmen auf einen Gewinn von 350.000,00 Euro Steuern zahlen müssen. Nach der Bildung der Rückstellung ist der Gewinn auf 200.000,00 Euro gesunken ohne dass der DJ-Metalery dafür finanzielle Mittel abgeflossen sind. Durch diese Absenkung des Gewinns sinkt natürlich auch die Steuerlast für die DJ-Metalery, denn die Steuern müssen immer auf die Höhe des Gewinns gezahlt werden.
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