Fertige und unfertige Waren - Bestandsveränderungen

In einem Produktionsunternehmen stellen die unfertigen Waren oder fertiggestellte Produkte, die noch nicht verkauft wurden, oft einen nicht zu unterschätzenden Wert dar. Laut § 266 HGB hat jedes Unternehmen die Bestände in der Bilanz auszuweisen. Die Werte werden auf der Aktivseite im Bereich Umlaufvermögen / Vorräte dargestellt. Die Veränderungen dieser Bestände werden lt. §275 HGB als Bestandsveränderungen in der GuV-Rechnung ausgewiesen.


Beispiel:

Zum 01.01. werden in der Bilanz folgende Werte ausgewiesen:

fertige Waren 50.000 €
unfertige Waren 95.000 €

Bei der Inventur zum 31.12. werden nachfolgende Werte ermittelt:

fertige Waren 65.000 €
unfertige Waren 75.000 €

Um die beiden Aktivposten „unfertige Waren“ und „fertige Waren“ auf die entsprechende Summe zu korrigieren, ist jeweils der Differenzbetrag als Bestandsveränderung zu buchen. Dabei handelt es sich um ein GuV-Konto das gleich unter den Umsätzen ausgewiesen wird. Der Bestand der fertigen Waren hat sich um 15.000 € erhöht, der der unfertigen Waren um 20.000 € vermindert.

fertige Waren 15.000 € an Bestandsveränderung 15.000 €
Bestandsveränderung 20.000 € an unfertige Waren 20.000 €


Im Saldo ergibt sich eine Bestandsveränderung von -5.000 €

Bewertung der Vorräte

Die Bewertung der einzelnen Vorräte wirft immer wieder Fragen auf und kann letztendlich nie einheitlich vorgeschrieben werden, da jedes Unternehmen andere Herstellungsprozesse hat. Im §255 Abs. 2 HGB sind allerdings genau vorgeschrieben, welche Kosten in die Herstellungskosten einfließen dürfen.

  • Materialkosten, Fertigungskosten, Sonderkosten der Fertigung
  • angemessene Teile der Material- und Fertigungsgemeinkosten
  • Abschreibung des Anlagevermögens, sofern die Anlagen die Produktion der jeweiligen Artikel betreffen

Außerdem dürfen eingerechnet werden:
  • angemessene Teile der allgemeinen Verwaltung,
  • der Kosten für soziale Einrichtungen, für freiwillige soziale Leistungen und Altersversorgung

Keinesfalls dürfen einbezogen werden:
  • Forschungskosten
  • Vertriebskosten


Das hört sich relativ kompliziert an – ist es aber keinesfalls. Man sollte sich bei den einzelnen Punkten einfach vor Augen halten, dass bestimmte Kosten erst beim Verkauf entstehen, und daher im Wert der fertigen Bestände noch nicht eingerechnet werden können.

Dazu gehören zum Beispiel die Kosten für
  • die Verpackung und Kommissionierung
  • Transport
  • Provision für Handelsvertreter
  • Kosten der Verwaltung wie Rechnungsstellung, Buchung, Mahnung etc.

Nicht zuletzt kann auch der Gewinn, der durch den Verkauf erwirtschaftet wird, noch nicht berücksichtigt werden.

In der Praxis werden wohl für die einzelnen Artikel Kalkulationen vorliegen, aus denen die Wertsteigerung bei den einzelnen Produktionsabschnitten entnommen werden können.

Beispiel:
  • Inventur von einem Artikel: 100 St. fertig und 50 St. halbfertig Produkte
  • Verkaufspreis pro Artikel 200 €
  • Materialkosten laut Kalkulation 50% plus 20% Materialgemeinkosten (MGK)
  • Fertigung in zwei Schritten: 1. Schritt 40 €, 2. Schritt 60 €, Fertigungsgemeinkosten (FGK) 10%
  • Abschreibung ist bereits in den Fertigungskosten enthalten.
  • Allgemeine Verwaltungskosten bei Fertigstellung der Artikel 10%
  • Bei den halbfertigen Produkten ist das komplette Material verbraucht und der erste Produktionsschritt durchgeführt:

Wertberechnung halbfertige Produkte:
Material: 50 € + 10 € (20% MGK) = 60 €
Fertigung: 40 € + 4 € (10% FGK) = 44 €
Wert pro Stück: 104 €
Wert der unfertigen Produkte: 50 Stk. x 104 € = 5200 €

Wertberechnung fertige Produkte:
Material: 50 € + 10 € (20% MGK) = 60 €
Fertigung: 40 € + 60 € + 10 € (10% FGK) = 110 €
Verwaltungskosten: 10% aus 60 € + 110 € = 17 €
Herstellungskosten pro Stück: 60 € + 110 € + 17 € = 187 €
Wert der fertigen Produkte: 100 St. x 187 € = 18.700 €

Bei der Wertermittlung ist also zwingend die Zusammenarbeit mit der Kalkulations- und Produktionsabteilung erforderlich.


 Wie Bestandsveränderungen verbucht werden, wird hier erklärt: Bestandsveränderungen buchen

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