Welchen Nutzen und welche Leistungen erbringt eine Warenkreditversicherung?

Die Warenkreditversicherung ist ein spezieller Fall der Kreditversicherung. Unternehmen sichern sich hierbei gegen das Risiko ab, dass Kunden ihre Rechnungen an sie nicht bezahlen. Nicht zu verwechseln ist die Warenkreditversicherung mit der Restschuldversicherung, die bei Vergabe von Bankkrediten zum Einsatz kommt.

Sinn und Zweck der Warenkreditversicherung

Im Geschäftsleben ist es an der Tagesordnung, Produkte und Dienstleistungen auf Rechnung zu bezahlen. Lieferant und Kunde vereinbaren beispielswiese, dass ein Produkt erst 90 Tage nach Erhalt bezahlt werden muss. Entsprechend ist der Lieferant ab dem Zeitpunkt der Vereinbarung ein Gläubiger des Kunden und hält eine offene Forderung. Diese berechtigt ihn, den Rechnungsbetrag zum Fälligkeitsdatum einzufordern.

Es kann jedoch vorkommen, dass der Kunde seiner Zahlungsverpflichtung nicht nachkommen kann. Das Produkt wurde jedoch bereits geliefert, so dass dem Lieferanten Kosten entstanden sind. Grundsätzlich besteht die offene Forderung des Lieferanten weiterhin. Aber: Ob und wenn ja wann das Geld überwiesen wird, ist aufgrund der Zahlungsschwierigkeiten des Kunden nicht klar ersichtlich.

Für den Lieferanten kann das jetzt ebenfalls dazu führen, dass er seinerseits offene Forderungen nicht begleichen kann. Denn er hat die Zahlung des Kunden fest in seine Liquiditätsplanung eingebunden. Genau an dieser Stelle greift die Warenkreditversicherung. Das Versicherungsunternehmen kommt komplett oder teilweise für den entstandenen Schaden auf und zahlt dem Lieferanten den offenen Rechnungsbetrag. Gleichzeitig versucht die Gesellschaft, doch noch Geld vom Kunden einzufordern.

Ablauf des Versicherungsfalls

Verträge zur Warenkreditversicherung kombinieren in der Regel verschiedene Finanz- und Versicherungsdienstleistungen miteinander. Zunächst überprüft der Kreditversicherer dabei die Bonität der Kunden des versicherten Unternehmens. Dazu werden beispielswiese Wirtschaftsauskunfteien konsultiert, Veröffentlichen im Bundesanzeiger ausgewertet oder Bankenauskünfte genutzt. Sofern die Bonitätsprüfung positiv ausfällt, erteilt das Versicherungsunternehmen dann ein bestimmtes Limit. Bis zu dieser Höhe sind Lieferungen an den Kunden ab dem Zeitpunkt des Vertragsschlusses versichert.

Damit der eigentliche Versicherungsfall eintritt, muss der Lieferant zunächst ein Mahnverfahren gegen den Schuldner einleiten. Führt dieses nicht zum Erfolg, wird das Forderungsinkasso an den Kreditversicherer übertragen. Dieser versucht anschließend seinerseits, die Forderung innerhalb einer bestimmten Frist einzutreiben. Sollte auch die Versicherungsgesellschaft keinen Erfolg haben, zahlt sie dem Versicherungsnehmer zwischen 70 und 90 Prozent der Nettoforderung.

Je nach Vertragsinhalt kann der Haftungsfall auch schon dann eintreten, wenn der Abnehmer bereits während der Produktion eines Gutes zahlungsunfähig wird. Es handelt sich um das sogenannte Fabrikationsrisiko, bei dem die Versicherungsgesellschaft für die erbrachten Vorleistungen aufkommt.

Prämien und Gebühren der Warenkreditversicherung

Weil das Versicherungsprodukt aus verschiedenen Dienstleistungen besteht, fallen auch unterschiedliche Prämien und Gebühren an. Dazu zählt insbesondere die reine Versicherungsprämie, die auf den versicherten Umsatz oder aber die versicherten offenen Positionen berechnet wird. Die Umsatzprämie beinhaltet dabei immer einen pauschalen Abschlag für nicht gedeckte Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Sie lässt sich für ein komplettes Jahr im Voraus beziffern und kalkulieren. Im Gegensatz dazu soll die Saldenprämie sicherstellen, dass nur tatsächlich versicherte Forderungen über die Prämie abgegolten werden. Aus diesem Grund ist eine monatliche Ermittlung der offenen Positionen erforderlich.
Die Kalkulation der Prämie an sich basiert dann auf einer Vielzahl von Faktoren wie etwa der konjunkturellen Lage oder der Finanzstärke des Kreditversicherers. Auch unternehmensspezifische Faktoren werden einbezogen. Hierzu zählen etwa:


  • Branche
  • Anteil des Exports am Umsatz
  • Durchschnittlicher Zahlungseingang
  • Branche der Kunden/Abnehmer
  • Forderungsverluste in der Vergangenheit

Zusätzlich dazu fallen kleinere Gebühren für die Kreditprüfung und Inkasso an. Generell liegt die Prämie dann zwischen 1 und 3 Promille des versicherten Umsatzes bzw. der offenen Positionen.

Welche Vorteile bietet eine Warenkreditversicherung?

Rund 350 Milliarden Euro an Forderungen sind in Deutschland über eine Warenkreditversicherung abgedeckt. Daraus lässt sich schließen, dass der Abschluss einer solchen Versicherungspolice einige Vorteile für Unternehmen mit sich bringt.


  • Unternehmen sind gegen katastrophale Zahlungsausfälle abgesichert.
  • Dank eines Frühwarnsystems durch die Versicherungsgesellschaft ist das Risikomanagement deutlich einfacher zu vollziehen.
  • Unbekannte Risiken werden eliminiert, so dass eine bessere Geschäftsplanung möglich ist.
  • Die Qualität der Forderungen des Unternehmens steigt. Folglich bewerten Fremdkapitalgeber wie Banken die finanzielle Situation des Unternehmens deutlich besser. Hierdurch sind insbesondere Kreditaufnahmen zu günstigeren Konditionen möglich.
  • Planungen des Unternehmensumsatzes sind deutlich genauer, weil neue Kunden und Märkte mit Hilfe der Informationen der Versicherungsgesellschaft analysiert werden können.
  • Der Cashflow verbessert sich, da das Unternehmen Zahlungen für unbezahlte Rechnungen erhält.
  • Liquiditätsengpässe können vermieden werden, weil das Versicherungsunternehmen den offenen Betrag vergleichsweise schnell überweist.
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