Ratgeber: Kreditversicherung - Formen, Leistungen und Nutzen

Die Kreditversicherung dient dazu, einen Lieferantenkredit abzusichern. Grundsätzlich existieren hierbei verschiedene Arten, wobei die Warenkreditversicherung der gängigste Fall ist. Gegenstand des Versicherungsschutzes ist der Ausfall von Forderungen bei Warenlieferungen oder Dienstleistungen. Nicht zu verwechseln ist die Kreditversicherung mit der Restschuldversicherung, die bei herkömmlichen Privatkrediten zum Einsatz kommt.

Wie funktionieren Kreditversicherungen?

Im unternehmerischen Alltag ist es gängige Praxis, dass Waren erst einige Tage oder Monate nach der eigentlichen Lieferung bezahlt werden. Üblich sind Zeitspannen zwischen 30 und 180 Tagen. Während dieser Zeit kann es durchaus vorkommen, dass der Empfänger der Leistung Insolvenz anmelden muss. Die durchgeführte Dienstleistung oder die gelieferte Ware ist aber bereits beim Empfänger eingetroffen, so dass der Lieferant ein Gläubiger des Unternehmens ist und eine offene Forderung vorweisen kann. Jährlich belaufen sich diese Lieferantenkredite in Deutschland auf eine Summe von rund 340 Milliarden Euro.

Für den Lieferanten kann es durch die Zahlungsunfähigkeit seines Kunden ebenfalls zu finanziellen Engpässen kommen. Kann er seine laufenden Forderungen nicht begleichen, geht es für ihn in die Insolvenz. Um diesen Fall zu verhindern, schließt der Lieferant einer Kreditversicherung ab. Mit einer Bank oder einer Versicherungsgesellschaft wird dann ausgemacht, dass diese im Falle der Zahlungsunfähigkeit für den Schaden haftet.

Formen der Kreditversicherung

Bei der Kreditversicherung ist zwischen verschiedenen Formen zu unterscheiden. Am gängigsten ist die Warenkreditversicherung, bei der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen abgesichert werden. Darüber hinaus können Unternehmen aber auch längere Zahlungsziele absichern lassen. Möglich ist das über eine Investitionsgüterkreditversicherung. Sofern die Zahlungsziele länger als sechs Monate in der Zukunft liegen, haftet die Versicherungsgesellschaft auch in diesem Fall. Üblich ist das beispielsweise bei größeren Bauprojekten, die in Raten bezahlt werden.

Deutlich unüblicher sind sogenannte Exportkreditgarantien. Dadurch lassen sich politische Risiken im Exportland absichern, wobei die Bundesrepublik Deutschland für Zahlungsausfälle haftet. Angewandt werden solche Garantien in der Regel nur, wenn Unternehmen beispielsweise Aufbauhilfe in Krisengebieten leisten.

Leistungen der Versicherungsgesellschaft

Grundsätzlich werden solche Kreditversicherungen nicht pauschal für alle Kunden eines Unternehmens abgeschlossen. Versicherungsgesellschaft und Unternehmen handeln gemeinsam aus, welche Forderungen in die Versicherung eingeschlossen werden. Auf dieser Basis berechnet die Gesellschaft dann eine monatliche Versicherungsprämie, die vom Unternehmen zu tragen ist.

Im Gegenzug dafür haftet das Versicherungsunternehmen im Schadensfall. Darüber hinaus prüft es laufend die Bonität der Kunden des versicherten Unternehmens. So sollen Schadensfälle bereits im Ansatz verhindert werden. Ist die Bonität eines Kunden zu schlecht, wird der Lieferant hierüber informiert. Anschließend entwickeln Versicherung und Unternehmen einen Plan, wie Verluste abgefangen bzw. vermieden werden können.

Nutzen der Kreditversicherung aus Sicht des Unternehmens

Insolvenzen sind in der freien Marktwirtschaft an der Tagesordnung. Damit fremde Unternehmenspleiten keinen Einfluss auf die eigene Geschäftstätigkeit haben, sichern sich Unternehmen mit einer Kreditversicherung ab. In erster Linie bietet die Versicherung daher natürlich den Nutzen, dass alle gestellten Rechnungen bezahlt werden. Das Unternehmen kann fest mit den Einnahmen planen, die aus dem Verkauf von Produkten und Dienstleistungen, entstehen. Darüber hinaus ergeben sich weitere Vorteile, die teilweise von der Ausgestaltung der Versicherungspolice abhängen:


  • Kleinere Wettbewerbsvorteile Besonders im Exportgeschäft werden Produkte und Dienstleistungen fast ausschließlich auf Rechnung verkauft. Besteht hier ein hohes Ausfallrisiko, hemmt dies das Wachstum des Exporteurs. Über eine Kreditversicherung kann er (nahezu) jedes ausländische Unternehmen beliefern, ohne zunächst dessen Bonität prüfen zu müssen.
  • Kundenberichte Versicherungsgesellschaften bieten ihren Kunden in der Regel an, potenzielle Kunden bereits vor dem Eingang einer Geschäftsbeziehung zu analysieren. Durch diese Risikoinformationen können die Unternehmen ihr internes Forderungsmanagement deutlich effizienter gestalten und fundiert beurteilen, ob der Kunde beliefert werden sollte.
  • Optimiertes Risikomanagement Kreditversicherungen greifen meist schon dann, wenn ein Kunde nur in Zahlungsverzug gerät. Denn selbst wenn der Kunde seinen Forderungen später noch nachkommt, kann die Zeitverzögerung für Liquiditätsengpässe beim Lieferanten sorgen. Die Versicherungsgesellschaft schießt dann den kompletten Rechnungsbetrag vor, so dass das Unternehmen seinen eigenen Forderungen weiter nachkommen kann.
  • Erhöhte Chance bei Finanzierungen Die Kreditversicherung bietet dem Unternehmen ein hohes Maß an Sicherheit bezogen auf Ausfälle von Forderungen. Wichtig ist das nicht nur für das Überleben der Unternehmung an sich. Insbesondere wenn Fremdkapital von einer Bank aufgenommen werden soll, fördern Kreditversicherungen die Darlehensvergabe. Denn auch das Kreditinstitut kann sich sicher sein, dass Zahlungsausfälle von Kunden des Kreditnehmers keinerlei bzw. nur geringe Auswirkungen auf dessen Geschäftstätigkeit haben.
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