Ratgeber: So lassen sich Aktien online handeln (für Einsteiger)

In Zeiten der Niedrigzinspolitik und magerer Rendite auf Festgeldkonten oder Sparbüchern wird der Wertpapierhandel immer attraktiver. Gerade der Online-Handel ermöglicht fast jedem eine einfache Depotführung. Aktien versprechen hohe Kurssteigerungen oder Dividenden, bergen jedoch auch stets ein Verlustrisiko. Einsteiger ebenso wie Aktienprofis profitieren von umfassendem Wissen, klugen Strategien und durchdachten Portfolios. Dies wirft die Fragen nach der Auswahl des Depots beziehungsweise Brokers sowie den wichtigsten Grundregeln des erfolgreichen Aktienhandels auf.

Aktien und ihre Chancen und Risiken

Aktienhandel bietet mehrere Gewinnmöglichkeiten. Neben klassischen Kursgewinnen ermöglichen viele Aktien auch Gewinnbeteiligungen in Form von Dividenden. Damit ist der Aktienhandel auch für Investoren mit Erwartungen an eine regelmäßige Verzinsung interessant. Dividenden sind Gewinnanteile der Unternehmen beziehungsweise Emittenten, die an die Anteilseigner ausgeschüttet werden. Wird die aktuelle Dividende mit dem gegenwärtigen Kurs ins Verhältnis gesetzt, ergibt sich die Dividendenrendite. Diese fällt in vielen Fällen deutlich höher aus als gegenwärtige Sparbuch- oder Festgeldverzinsungen.


Die Risiken des Aktienhandels liegen in den schwankenden Kursen begründet. Aufgrund mehrerer Einflussfaktoren sind Kurse auf dem Aktienmarkt häufig volatil. Die Entwicklung der Finanzmärkte hängt nicht nur von den konkreten Unternehmenszahlen ab, sondern umfasst zahlreiche Aspekte, darunter die Konjunktur, wirtschaftspolitische Entscheidungen und insbesondere auch geldpolitische Beschlüsse der Zentralbanken. In der Kursentwicklung gilt es, zwischen längerfristigen Trends und kurzfristigen Kurskorrekturen zu unterschieden. Es gibt Phasen, in denen der Trend bestimmter Papiere über Jahre in Richtung sinkender Kurse zeigt. Kommt es zu Crashs, so sind Aktientitel im Allgemeinen besonders betroffen. Im Allgemeinen zeigen die meisten Werte auf sehr langfristige Sicht (mehrere Jahrzehnte) jedoch einen Aufwärtstrend. Der Aktienhandel erfordert ein hohes Maß an Wissen um die Emittenten sowie die Einflussfaktoren des Kursverlaufs.

Aktien oder Investment-Fonds?

Wer als Anleger nicht ständig die Unternehmens- und Kursentwicklung im Auge behalten möchte, findet in Fonds eine Investment-Möglichkeit, bei der sich Fondsmanager um diese Aspekte kümmern. Fonds setzen sich meist aus verschiedenen Risiko- und Anlageklassen zusammen. Hieraus soll ein möglichst ausgewogenes Portfolio entstehen. Fonds können etwa auf Aktien, Rohstoffe oder Anleihen setzen. Da bei Fonds die Anlageformen breit gestreut werden, wird das Verlustrisiko der verschiedenen Produkte gemildert beziehungsweise die Schwankungen ausgeglichen. Dem stehen im Allgemeinen etwas geringere Renditeaussichten im Vergleich zum klassischen Aktienhandel gegenüber.

Zur Auswahl des Brokers und des Depots

Technische Grundvoraussetzung des Online-Aktienhandels ist die Eröffnung eines Depots, das online geführt werden kann. Die Möglichkeiten sind zahlreich, da die meisten Kreditinstitute solche Depots anbieten. Grundsätzlich gilt es zu unterscheiden zwischen Filialbanken wie etwa der Sparkasse und Direktbanken wie der ING-DiBa oder Comdirect. Letztere verfügen im Gegensatz zu Filialbanken über keine Filialen oder Zweigstellen, werden also ausschließlich per Online-Banking und Online-Brokerage geführt. Dies ermöglicht ihnen oft Preisvorteile und günstige Konditionen, jedoch ist die Beratungsleistung eingeschränkt. Direktbanken sind beliebt bei erfahrenen Anlegern, die regelmäßige Finanzmarkt-Transaktionen wie Aktien- oder Fondskäufe durchführen, da die Verwaltungsgebühren gering sind.


Anleger und Interessierte sollten bei der Wahl des Wertpapierdepots in erster Linie den Blick auf die Kosten, das heißt die Orderprovision und weitere Gebühren, sowie auf das Leistungsspektrum richten. In diesen Punkten unterscheiden sich verschiedene Anbieter teils stark.

Kosten und Gebühren des Aktienhandels

Grundsätzlich umfassen die Kosten zum einen die von der Bank oder dem Broker selbst erhobenen Kosten und zum anderen externe Kosten, die am Börsenplatz oder durch Makler entstehen.


Zu den wichtigsten möglichen Gebühren zählen


  • die Orderprovision, die pro Trade anfällt und vom Broker erhoben wird,
  • die Parkettgebühr oder Handelsplatzgebühr,
  • die Maklercourtage,
  • die Clearinggebühren,
  • eventuell anfallende Depotgebühren und
  • Verwahrgebühren

Nicht alle diese Kosten fallen zwangsläufig an sondern sind abhängig vom jeweiligen Anbieter und Handelsplatz. Die größte Kostenposition stellt im Allgemeinen die Orderprovision dar. Diese ist eine volumenabhängige, von der Bank oder vom Broker erhobene Gebühr. Sie fällt pro gehandeltem Aktientitel an, also sowohl beim Kauf als auch beim Verkauf. Die Provision entspricht einem von Anbieter zu Anbieter verschiedenen Prozentsatz des Ordervolumens, das heißt des aktuellen Werts der gehandelten Papiere. Die meisten Banken und Broker haben dabei Mindest- und Höchstprovisionen vorgesehen. Ebenso finden sich Anbieter, die Orderprovisionen unabhängig vom Ordervolumen berechnen, beispielsweise als feststehende und unveränderliche Provision. Zudem finden sich bei vielen Anbietern auch Sonderaktionen wie kostenfreie Trades oder Rabatte.


Handelsplatzgebühren, Clearinggebühren oder Maklercourtage sind die wichtigsten Fremdspesen. Welche Fremdspesen weitergeleitet werden unterscheidet sich auch von Anbieter zu Anbieter und von Depot zu Depot.


Orderunabhängige Depotgebühren werden seltener, fallen bei einigen klassischen Kreditinstituten aber noch an. Einige Filialbanken verlangen beispielsweise jährliche Depotgebühren, ganz gleich ob das Depot häufig oder gar nicht genutzt wird. Ebenso erheben manche Kreditinstitute Verwahrgebühren. Diese entsprechen einem Prozent- oder Promillesatz des Depotwerts.

Praxis des Aktienhandels: Ratschläge für Einsteiger

Strategien und Investitions-Techniken sind vielseitig, häufig umstritten und jeweils für verschiedene Ziele besser oder schlechter geeignet. Doch finden sich auch bestimmte gemeinsame Nenner erfolgreicher Aktienhändler, die als Grundregeln bezeichnet werden können.

Zu diesen Grundsätzen gehören die folgenden:


  • nur so viel Geld investieren, wie im Zweifelsfall mittelfristig entbehrt werden kann
  • nur in solche Emittenten investieren, dessen Geschäft verstanden wird
  • Risiko streuen und nicht zu viel auf eine Karte setzen
  • auf ein ausgewogenes Portfolio achten
  • Risikomanagement: Verluste rechtzeitig abfedern

Da stets das Risiko von Fehleinschätzungen gegeben ist, versteht es sich von selbst, nur frei verfügbare liquide Mittel einzusetzen. Geld, das mittelfristig benötigt wird, ist für Aktiengeschäfte ungeeignet. Mögliche Kursrückgänge müssen im Zweifelsfalle ausgesessen werden können. Es wäre unvorteilhaft, ein Aktienpapier wegen finanzieller Engpässe verkaufen zu müssen, während es gerade unter dem Einstiegskurs notiert.


Es empfiehlt sich nur das Investment in Unternehmen, die Anlegern gut bekannt sind. Auch wenn kurzfristige Gewinnerwartungen oder aktuelle Analystenmeinungen verlockend wirken können, ist ein ausführliches Studium des Unternehmens unabdingbar. Nur wer das Geschäft, die Zahlen, die wirtschaftlichen Verbindungen und andere Faktoren gut kennt, hat eine Grundlage, um die künftige Entwicklung einschätzen zu können.


Ein besonders wichtiger Punkt betrifft das Portfolio-Management. Es mag lukrativ erscheinen, viel Kapital in ein Papier zu investieren, gerade wenn die gegenwärtigen Gewinnaussichten hoch sind. Dem steht jedoch stets ein äquivalentes Verlustrisiko entgegen. Erfahrene Anleger setzen daher niemals alles auf eine Karte sondern streuen das Risiko: das Anlagekapital wird auf verschiedene Titel aufgeteilt. Ausgewogene Portfolios berücksichtigen verschiedene Anlageklassen (neben Aktien sind dies beispielsweise Rohstoffe oder Anleihen), verschiedene Branchen und Industriezweige sowie verschiedene Länder.


Zu einem geschickten Risikomanagement gehört es, Verluste rechtzeitig abzufedern. Viele Anleger tendieren dazu, einmal getroffene Entscheidungen auch dann beizubehalten, wenn sie sich als fehlerhaft erweisen. Fortgeschrittene Anleger behalten stets im Blick, ob die Depotpositionen noch den ursprünglichen Erwartungen entsprechen. Meist legen sie vorab fest, welchen Verlust sie maximal zulassen wollen. Zu diesem Zweck gibt es die Stopp-Loss-Option. Diese legt einen Minimalkurs fest, bei dessen Unterschreiten das Papier veräußert wird.

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