Marktversagen

Unter bestimmten Umständen kann das Funktionieren des Marktes unvollkommen sein, zum Beispiel wenn die Produktionsfaktoren nicht so eingesetzt werden, dass sie für die Gesamtwirtschaft den größtmöglichen Erfolg bringen. Das Marktgeschehen aus Angebot und Nachfrage führt dann zu unerwünschten Nebeneffekten.

 


Kommt es zu einem Marktversagen, zum Beispiel bei öffentlichen Gütern, externen Effekten oder Monopolen, greift der Staat ein. Dieser versucht, Nachteile von Anbietern oder Verbrauchern zu verhindern oder aus volkswirtschaftlicher Sicht sinnvollere Ergebnisse zu erzielen.


Unterstützung durch den Staat


So unterstützt der Staat finanziell Entwicklungs- und Forschungsarbeiten von Unternehmen, um sie davon zu überzeugen, Grundlagenforschung zu betreiben. Für ein einzelnes Unternehmen kann diese zwar hohe Kosten verursachen. Jedoch wird in der gesamten Volkswirtschaft das Know-how verbessert. Und davon profitieren dann auch andere Unternehmen. Ohne diese staatlichen Maßnahmen würden Unternehmen vermutlich weniger forschen, weil nur das forschende Unternehmen die Kosten tragen würde, die Konkurrenten aber ebenso einen Nutzen daraus ziehen könnten, wenn zum Beispiel Patentrechte nach einer gewissen Zeit auslaufen. Für die Entwicklung der Gesamtwirtschaft kann sich eine geringe Forschungsaktivität jedoch nachteilig auswirken und zu Standortnachteilen im internationalen Wettbewerb führen.

Beispiel Finanzkrise


Ende 2007 kam es zu einer Finanzmarktkrise, die zu einer weltweiten Wirtschaftskrise heranwuchs. Der Marktmechanismus auf den Kapital- und Geldmärkten führte nicht mehr zu einem optimalen Ergebnis. Die Kreditvergabe innerhalb der Banken kam fast zum Erliegen, was den Zusammenbruch der internationalen Banken zur Folge hatte.


Nur durch den staatlichen Eingriff mit


  • Garantien,
  • Beteiligungen an Banken und
  • finanzieller Hilfe für die Kreditinstitute (Finanzmarktstabilisierungsfonds)

konnten die „Kreditklemme“ und letztlich auch der Zusammenbruch des gesamten Bankensystems verhindert werden.

Marktversagen bei öffentlichen Gütern


Im Normalfall funktioniert der Markt so: Ein Gut wird hergestellt und zu einem bestimmten Preis an einen anderen übergeben. Bezahlt dieser den Preis nicht, wird er das Gut auch nicht erhalten.


Dann gibt es aber einige öffentliche Güter, die jeder ohne Gegenleistung „konsumieren“ kann, wie zum Beispiel:


  • Straßenbeleuchtung
  • Feuerwerk
  • Leuchttürme
  • Deiche
  • Frieden, nationale Verteidigung
  • Klimaschutz
  • Bildung/Wissen

Niemand muss etwas dafür bezahlen, da man niemanden davon ausschließen kann. Ein Feuerwerk kann nicht nur für die Personen gemacht werden, die es bezahlt haben. Es sehen auch die Menschen, die nichts bezahlt haben. Würde man jemanden fragen, ob er für das Feuerwerk 50 Euro bezahlen würde, würde er vermutlich nein sagen, weil er es ja sowieso sehen wird.


Die Problematik: Ist niemand bereit, dafür zu zahlen, wird es folglich auch von niemandem angeboten. Die Folge: Es gibt weder eine Straßenbeleuchtung, noch ein Feuerwerk. Damit die öffentlichen Güter dennoch verfügbar sind, müssen sie teils vom Staat bereitgestellt und über die Steuern finanziert werden.

Marktversagen bei externen Effekten


Ein Marktversagen tritt auch auf, wenn der Verursacher nicht alle bei der Produktion anfallenden Kosten trägt. Dann liegen externe Effekte vor, bei denen sich das Marktergebnis mit Nebenwirkungen auf dritte Personen (nicht Käufer und Verkäufer) auswirken.


Der Marktmechanismus kann in diesem Fall keine optimale Zuordnung (Allokation) der Produktionsfaktoren gewährleisten, da sie sich in den Preisen oder Kosten nicht widerspiegeln.


Beispiel:


Wird die Umweltbelastung, die bei der Aluminiumproduktion entsteht, nicht mit in die Kostenfunktion einberechnet, ist mit einer nicht optimalen Marktmenge zu rechnen.

Marktversagen bei Wettbewerbsbeschränkungen


Im Allgemeinen vermeiden Menschen Konkurrenzkämpfe, was wohl in ihrer Natur liegt. Dennoch wollen sie Gewinne erzielen. Aus diesem Grund zeigen sich in der offenen Marktwirtschaft immer wieder Tendenzen zur Aufhebung oder Einschränkung des Wettbewerbs.


Einige der zahlreichen Wettbewerbsbeschränkungen sind:


  • Zölle
  • Mengen- und Preisabsprachen
  • erschwerter Arbeitsmarkt-Zugang
  • Einfuhrkontingente
  • Kooperationen mit Wettbewerbern
  • Monopole unter dem Schutz des Staates

Diese Wettbewerbsbeschränkungen sind dafür verantwortlich, dass weniger für mehr Geld angeboten wird. Dadurch können die Anbieter überdurchschnittlich hohe Profite machen. Die Gewinne werden hier also nicht erzielt, indem die eigene Leistungsfähigkeit erhöht wird, sondern weil Wettbewerbs-Einschränkungen hinzugezogen werden. Diese haben in Verbindung mit der reduzierten Menge zur Folge, dass der gesellschaftliche Wohlstand sinkt. Ökonomen sprechen hier von „rent seeking“ (Suche nach unverdientem Einkommen). Der Staat kann nur durch Unterbindung dieser Einschränkungen den Wohlstand der Gesellschaft erhöhen.

Marktversagen bei asymmetrischen Informationen

In einem modellhaften Wettbewerb besitzen alle Marktteilnehmer lückenlose Informationen über die qualitativen Eigenschaften der Produkte, ihren Nutzen sowie das Verhalten der Tauschpartner. In der Praxis haben viele Marktteilnehmer jedoch häufig Informationsdefizite, die letztlich zu einem Marktversagen beitragen.


Wie werden wohl Fragen wie „Herr Fahrlehrer, brauche ich noch mehr Fahrstunden, um die Prüfung erfolgreich zu bestehen?“ oder „Frau Apothekerin, sollte ich ein Medikament gegen meinen Husten einnehmen?“ beantwortet? Auf jeden Fall werden die Befragten den Anreiz haben, eine Antwort zu geben, die ihnen weitere Einnahmen ermöglicht. In der Regel ist es für die Kunden schwierig, die Antworten zu überprüfen, weil eben diese Informationen asymmetrisch bzw. ungleich verteilt sind.

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