Warum ist die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt so wichtig?

Die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt ist einer der wichtigsten volkswirtschaftlichen Maßeinheiten. Sie beschreibt, wie hoch der Nutzen aller Individuen in bestimmten Märkte oder der gesamten Wirtschaft ausfällt. Daher wird es oft als Aufgabe des Staates angesehen, eben diese Wohlfahrt zu maximieren bzw. die Wohlfahrtsmaximierung zu fördern.

Woraus besteht die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt?

Oberflächlich gesprochen besteht die Wohlfahrt nur aus zwei Komponenten: Konsumentenrente und Produzentenrente. Addiert ergeben diese beiden Maße die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt. Wie genau entstehen diese beiden Renten? Ausgegangen wird dabei zunächst vom Polypol. Liegt eine solche Marksituation vor, so ergibt sich automatisch ein Preis für ein Gut, der mit den Grenzkosten der Unternehmen gleichzusetzen ist. Dabei sei ein Beispiel betrachtet, in dem das Gut ein Apfel ist, der im Polypol zu 1 Euro pro Stück verkauft wird.

  • Konsumentenrente: Obwohl sich ein Preis von 1 Euro pro Apfel ergibt, wird es einige Konsumenten geben, die für den Apfel prinzipiell mehr Geld ausgegeben würden. Je nach Ausgestaltung der Nachfragekurve kann es vorkommen, dass der Konsument mit der höchsten Zahlungsbereitschaft beispielsweise 8 Euro pro Apfel ausgeben würde. Weil jedoch alle Marktteilnehmer den gleichen Preis zahlen, muss dieser Konsument 7 Euro weniger zahlen, als er eigentlich bereit wäre zu bezahlen. Genau diese Differenz ist als Konsumentenrente zu bezeichnen.
  • Produzentenrente: Kostenfunktionen von Produzenten verlaufen in der Regel unterschiedlich, obwohl es sich um Produzenten im gleichen Bereich handelt. Beispielsweise gibt es Unternehmen, die Äpfel für 0,50 Euro pro Stück produzieren. Andere Unternehmen schaffen es für 0,70 Euro und wieder andere produzieren genau kostendeckend (1 Euro). Die Differenz aus Produktionskosten und Verkaufspreis ist als Produzentenrente zu bezeichnen.

Maximierung der Wohlfahrt

Im Polypol wird immer das maximal mögliche Maß an Produzenten- und Konsumentenrente erreicht. Schließlich liegt der Preis genau bei den Grenzkosten, es wird also eine maximale Menge des Produkts zu einem möglichst geringen Preis verkauft. Vereinfacht gesprochen können viele Unternehmen unterhalb des Verkaufspreises produzieren und viele Konsumenten das Gut zum einem Preis kaufen, der unterhalb ihrer eigentlichen Zahlungsbereitschaft liegt.

Auch im Oligopol kommt es in der Regel noch zu einer Maximierung der Wohlfahrt. Zwar steigt die Marktmacht von Unternehmen, was sich in der Theorie in höheren Preisen ausdrücken könnte, in der Praxis ist aber eher das Gegenteil zu beobachten. Denn der Konkurrenzkampf zwischen wenigen und dafür große Unternehmen ist oft noch stärker als im Polypol.

Gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt im Monopol

Eine Besonderheit kommt der Wohlfahrt im Falle des Monopols zu, genauer gesagt beim natürlichen Monopol. Hier gibt es nur einen einzigen Anbieter eines Guts, der auch nicht von potentieller Konkurrenz bedroht ist. Dies ist in der Regel bei staatliche geschaffenen Monopolen der Fall. Beispielsweise hatten die Telekom und die Post lange Zeit ein Monopol auf die angebotenen Dienstleistungen, auch bei der Bahn war dies der Fall.

Warum ist ein solches Monopol schlecht für die Wohlfahrt? Der Monopolist kann aufgrund seiner Marktmacht Preise durchsetzen, die seinen Gewinn maximieren. Im Falle des Apfels wäre das beispielsweise ein Preis von 2 Euro. Sollte es andere Anbieter am Markt geben, würden diese die Äpfel – vor dem Hintergrund der Grenzkosten von 1 Euro – beispielsweise für 1,50 Euro anbieten. Der teure Anbieter hätte damit keine Kunden und würde keine Gewinne machen.

Diese Konkurrenz existiert allerdings nicht. Die Folge: Die Produzentenrente steigt zunächst an. Denn der Monopolist erhöht die Preise, seine Kosten erhöhen sich aber nicht. Damit wächst die Differenz aus Produktionskosten und Verkaufserlös – also genau die Produzentenrente. Es kommt aber ebenfalls zu einem Rückgang der Nachfrage. Alle Konsumenten, die für einen Apfel 1 Euro bis 1,99 Euro ausgeben möchten, finden jetzt kein passendes Angebot mehr.

Schon dadurch bedingt sinkt die Konsumentenrente. Hinzu kommt, dass auch die noch verbliebenen Käufer des Produkts einen Verlust von Konsumentenrente hinnehmen müssen. Wer bereit ist, genau 2 Euro für einen Apfel zu bezahlen, hätte im Polypol eine Konsumentenrente von 1 Euro erhalten. Weil sich der Preis jetzt allerdings erhöht, kann dieser Konsument keine Konsumentenrente verzeichnen.

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Kategorie: Mikroökonomie

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