Absolute und komparative Kostenvorteile

Eine Differenzierung in der Volkswirtschaft zwischen absoluten und komparativen Kostenvorteilen sowie zwischen den entsprechenden Berechnungsweisen fällt vielen Schülern nach wie vor nicht einfach. Dabei ist es im Grunde gar nicht so schwer, die beiden Theorien zu verstehen.

Sowohl beim absoluten als auch beim komparativen Vorteil geht es dabei grob gesagt um Arbeitsteilung und Spezialisierung.

Der grundsätzliche Gedanke beim absoluten Kostenvorteil besteht dabei darin herauszufinden, wo ein bestimmtes Produkt kostengünstiger produziert werden kann, als in einem anderen Land. Vom komparativen Kostenvorteilen spricht man dagegen, wenn ein Land ein Produkt zu geringeren Opportunitätskosten (= Alternativkosten) herstellen kann, als ein anderes Land.

Um den Unterschied jedoch zu verstehen, muss man sich beide Theorien genauer ansehen.

Absolute Kostenvorteile

Die Theorie der absoluten Kostenvorteile wurde bereits im Jahr 1776 vom Ökonomen Adam Smith entwickelt. Seiner Meinung nach sollte sich jedes Land auf die Produktion von Gütern spezialisieren, wo es über einen absoluten Kostenvorteil verfügt. Zudem würde seiner Auffassung nach das Vorliegen von absoluten Kostenvorteilen dazu führen, dass die Nationen Handel miteinander treiben und die Wohlfahrt demzufolge für jede einzelne Volkswirtschaft erhöht wird. Vereinfacht kann man sagen: Jedes Land soll das produzieren, was es günstiger bzw. schneller herstellen kann, als die ausländische Konkurrenz.

Absoluter Kostenvorteil - Beispiel:

In Spanien kann eine Einheit Wein in 10 Arbeitsstunden produziert werden. In Deutschland braucht es für eine Einheit Wein dagegen 15 Arbeitsstunden. Spanien besitzt bei der Weinproduktion also den absoluten Kostenvorteil. Dafür benötigt Deutschland bei der Produktion von Eisen nur 30 Arbeitsstunden pro Einheit, während Spanien 50 Arbeitsstunden pro Einheit braucht. Deutschland arbeitet bei der Produktion von Eisen also deutlich effektiver, besitzt also hier den absoluten Kostenvorteil.

Für 10 Einheiten Wein und 10 Einheiten Eisen benötigt Deutschland also 450 Arbeitsstunden (300 + 150). Die Spanier dagegen müssen für je zehn Einheiten insgesamt 600 Arbeitsstunden (100 + 500) aufwenden. Beide Länder zusammen bräuchten also 1.050 Arbeitsstunden. Auf Grundlage der absoluten Kostenvorteile kann man jetzt sagen, dass es Sinn machen würde, dass sich beide Nationen auf die Herstellung eines Produkts spezialisieren, da sie darin besser und effektiver sind. Den absoluten Kostenvorteil besitzt Spanien im Bereich der Weinproduktion, Deutschland bei der Produktion von Eisen.

Würde Deutschland sich auf die Produktion von Eisen konzentrieren und quasi Eisen für Spanien mit produzieren, würde Deutschland für die Produktion der 20 Einheiten Eisen insgesamt 600 Arbeitsstunden (30 Stunden pro Einheit) brauchen. Spanien dagegen übernimmt die komplette Herstellung der 20 Einheiten Wein und braucht dafür 200 Stunden (10 Stunden pro Einheit). Insgesamt benötigen beide Volkswirtschaften also nur noch 800 Arbeitsstunden. Durch die Arbeitsteilung und Spezialisierung auf Grundlage der absoluten Kostenvorteile entsteht also eine Arbeitsersparnis von 250 Stunden.

Bedingungen und Kritik

Damit die Theorie der absoluten Kostenvorteile wie oben beschrieben funktionieren kann, muss jedoch unter anderem sichergestellt werden, dass zwischen den beteiligten Volkswirtschaften im Zuge der Arbeitsteilung keine Handelshemmnisse vorliegen. Ein solches Handelshemmnis stellen zum Beispiel Ein- und Ausfuhrzölle dar. Zudem ist es notwendig, dass jede Volkswirtschaft auch wirklich das Gut produziert, welches aus absoluten Kostenvorteilen effektiv erscheint. Würde im oben genannten Beispiel Deutschland den Wein produzieren und Spanien das Eisen, würde der zeitliche Aufwand für beide nicht sinken, sondern sich extrem erhöhen.

Kritisiert wird die Theorie der absoluten Kostenvorteile vor allem deswegen, weil diese davon ausgeht, dass beteiligte Volkswirtschaften jeweils ein Gut produzieren müssen, welches sie kostengünstiger, also effektiver herstellen können. Hat ein Land bei keinem Produkt den absoluten Kostenvorteil, nimmt es laut der Theorie von Adam Smith nicht am Außenhandel teil. Dieser Ansatz hat sich jedoch mit der Theorie des komparativen Kostenvorteils von David Ricardo wiederlegt worden.

Komparativer Kostenvorteil

Die Theorie des komparativen Kostenvorteils wurde zwischen 1817 und 1821 vom Ökonomen David Ricardo eingeführt. Es handelt sich dabei um eine Erweiterung bzw. teilweise um eine Richtigstellung der vorangegangenen Theorie des absoluten Kostenvorteils. Anders als die „alte“ Theorie besagen Ricardos Erkenntnisse nämlich, dass der internationale Handel auch dann Kostenvorteile für ein Land bringen kann, wenn diese Nation bei der Herstellung sämtlicher Produkte über absolute Kostennachteile verfügt.

Man glaubt vielleicht auf dem ersten Blick, dass eine Arbeitsteilung zwischen zwei Nationen, wobei eine davon sämtliche absolute Kostenvorteile verfügt, wenig Sinn macht. Doch das Gegenteil ist der Fall. Warum? Ganz einfach: Weil sich das Land mit beiden Kostenvorteilen auf die Produktion eines Gutes beschränken sollte, welches am effektivsten und schnellsten hergestellt werden kann, wo der absolute Kostenvorteil also am größten ist. Absolute Kostenvorteile sind also bei allen Produkten gegenüber dem Ausland vorhanden, man entscheidet sich jedoch für die Herstellung des Produkts mit dem größten Vorteil.

Komparativer Kostenvorteil - Beispiel:

Deutschland zum Beispiel benötigt für die Produktion von einer Mengeneinheit (ME) Textilien 90 Arbeitsstunden und für eine Mengeneinheit Wein 80 Arbeitsstunden. England dagegen benötigt für die Produktion von einer Mengeneinheit Textilien 100 Arbeitsstunden, für Wein 120 Stunden pro Mengeneinheit. Offensichtlich ist Deutschland in diesem Beispiel in der Lage, sowohl Textilien als auch Wein schneller und damit effektiver zu produzieren. Doch trotzdem würde sich für Deutschland ein Vorteil ergeben, wenn man sich auf die Herstellung des Produkts fokussieren würde, wo der Vorteil am größten ist.

Und so sieht die Berechnung aus:

Absoluter und komparativer Kostenvorteil

Die Grafik zeigt, dass es für England vorteilhafter ist, nur Textilien zu produzieren, während Deutschland sich ausschließlich auf das Herstellen von Wein spezialisieren sollte. Demnach verzichtet Deutschland auf die Produktion von Textilien, während England keinen Wein mehr produziert. In der folgenden Grafik sieht man, dass durch die Arbeitsteilung deutliche Einsparungen vorgenommen werden können:

Absoluter und komparativer Kostenvorteil

Und noch einmal kurz zusammengefasst:

  • Bei absoluten und komparativen Kostenvorteilen geht es stets um die Frage nach Arbeitsteilung und Spezialisierung
  • Theorie der absoluten Kostenvorteile stammt aus dem Jahr 1776 von Adam Smith und besagt, dass Spezialisierung und Arbeitsteilung zum Außenhandel führt, der wiederum für eine höhere Wohlfahrt sorgt
  • Grundgedanke des absoluten Kostenvorteils besagt, dass ein Land ein bestimmtes Produkt kostengünstiger und schneller produzieren kann
  • Theorie der absoluten Kostenvorteile setzt voraus, dass keine Handelshemmnisse (zum Beispiel Zölle) vorliegen
  • Um 1820 wurde die Theorie durch den komparative Kostenvergleich von David Ricardo erweitert bzw. teilweise richtiggestellt
  • Theorie des komparativen Kostenvergleichs besagt, dass internationaler Handel auch dann Vorteile für ein Land bringen kann, wenn dies in jeder Hinsicht über Kostennachteile verfügt und nirgends absolute Kostenvorteile vorweisen kann
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